Die deutsche Ferienfluggesellschaft Condor setzt im laufenden Sommerflugplan 2026 verstärkt auf das sogenannte Wet-Lease-Verfahren, um die hohe Nachfrage in der Hauptreisezeit zu bewältigen. Wie das Unternehmen bestätigte, werden zahlreiche Urlaubsverbindungen nicht mit eigenen Flugzeugen und Besatzungen durchgeführt, sondern an externe Partnergesellschaften ausgelagert.
Durch die Anmietung von Fremdkapazitäten inklusive Personal versucht der Ferienflieger, Engpässe in der eigenen Flotte auszugleichen und den ambitionierten Flugplan stabil zu halten. Zum Einsatz kommen auf den betroffenen Strecken primär Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge des Typs Airbus A320.
Die Verteilung der externen Dienstleister erfolgt strategisch über mehrere große deutsche Verkehrsflughäfen. Vom Drehkreuz München aus übernimmt die bulgarische Charterfluggesellschaft European Air Charter den Flugbetrieb auf insgesamt 14 Urlaubsrouten im Auftrag von Condor. Am Flughafen Hamburg greift das Unternehmen auf Kapazitäten der litauischen Heston Airlines zurück, die dort mehrere Umläufe fliegt. Für die Abwicklung des umfangreichen Flugprogramms ab Düsseldorf wurde die estnische Marabu Airlines verpflichtet, die ohnehin eng mit der Condor-Gruppe kooperiert und dort eine zweistellige Anzahl an Destinationen bedient.
Neben den klassischen Warmwasserrouten im Mittelmeerraum betrifft die Auslagerung auch das Segment der europäischen Städtestrecken. Hier setzt Condor ihre bereits bestehende Zusammenarbeit mit etablierten Regionalfluggesellschaften fort. Die Schweizer Helvetic Airways sowie die deutsche German Airways führen weiterhin im Namen von Condor Linienflüge zu verschiedenen europäischen Metropolen durch. Der Einsatz dieser Partner erfolgt meist mit kleineren Regionaljets wie der Embraer E-Jets-Familie, die sich für Strecken mit geringerem Passagieraufkommen eignen.
Diese umfassende Nutzung von Wet-Lease-Partnern in der Luftfahrtbranche ist eine Reaktion auf anhaltende Lieferverzögerungen bei neuen Flugzeugen und Triebwerksprobleme bei den großen Herstellern Airbus und Boeing, von denen auch Condor bei ihrer Flottenmodernisierung betroffen ist. Durch die Kooperationen sichert sich die Fluggesellschaft betriebliche Flexibilität und schützt Reisende vor kurzfristigen Flugstreichungen. Für Passagiere bedeutet das Abkommen jedoch, dass Service, Kabinenausstattung und das Erscheinungsbild der Besatzungen an Bord vom gewohnten Condor-Standard abweichen können.