Winglet Boeing 757-300 (Foto: Jan Gruber).
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Condor prüft Airbus A321XLR für zukünftige Flottenstrategie

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Der deutsche Ferienflieger Condor befindet sich in einer tiefgreifenden Flottenerneuerung und richtet den Blick bereits auf die Zeit nach 2029. Während die Kurz- und Mittelstreckenflotte sukzessive auf moderne Airbus A320neo und A321neo umgestellt wird, schließt Condor die Integration des besonders reichweitenstarken Airbus A321XLR in ihre zukünftige Planung nicht aus.

Peter Gerber, der Chef der Fluggesellschaft, erklärte gegenüber Aviation Week unter anderem, dass man das Flugzeug aufgrund seiner „ganz bestimmten Vorteile“ bei künftigen Überlegungen durchaus einbeziehen werde, sobald es verfügbar sei. Dies deutet auf eine langfristige Strategie hin, die über die reine Erneuerung hinausgeht und neue operative Möglichkeiten im Hinblick auf das Streckennetz eröffnen könnte. Die Airline hat ihre Langstreckenflotte bereits mit 18 Airbus A330-900 (A330neo) komplett modernisiert und vollzieht nun den Wechsel bei den kleineren Flugzeugen, wo die letzten Boeing 757 ausgeflottet wurden. Die Prüfung des A321XLR signalisiert, dass Condor die Flexibilität eines Flugzeugs, das die Lücke zwischen klassischer Mittelstrecke und größeren Langstreckenjets schließt, als potenziellen Mehrwert für das Geschäftsmodell eines Ferienfliegers sieht.

Der Stand der Flottenmodernisierung bei Condor

Die Flottenumstellung ist das zentrale operative Projekt bei Condor. Auf der Langstrecke gilt die Transformation bereits als abgeschlossen, wo die in die Jahre gekommenen Boeing 767 durch 18 moderne Airbus A330-900 ersetzt wurden. Diese Flugzeuge führen Condor zu den fernen Zielen und bilden das neue Rückgrat der Langstreckenaktivitäten.

Auf der Kurz- und Mittelstrecke steht Condor mitten im Wandel. Die Ära der Boeing 757, ein wichtiges Muster der Flotte über Jahrzehnte, wurde kürzlich beendet. Aktuell umfasst die Kurz- und Mittelstreckenflotte noch zehn ältere Airbus A320 und 13 A321 sowie die bereits eingetroffenen vier A320neo und sechs A321neo. Bis zum Jahr 2029 ist geplant, die gesamte Kurz- und Mittelstreckenflotte zu vereinheitlichen und ausschließlich auf 43 neue Flugzeuge der Typen A320neo und A321neo zu setzen. Diese neuen Modelle bringen nicht nur ein modernisiertes Kabinendesign mit Recaro-Sitzen, freiem Mittelsitz in der Business Class und Connectivity, sondern auch eine höhere Betriebseffizienz mit sich.

Die A321neo und A320neo lösen somit schrittweise die älteren Modelle und die traditionellen Muster ab. Die Konsolidierung auf die Airbus-neo-Familie vereinfacht die Wartung, Schulung des Personals und Ersatzteilhaltung, was in der Luftfahrtindustrie ein wesentlicher Faktor für die operative Stabilität und Kostenkontrolle ist.

Der Airbus A321XLR: Ein strategischer Blick in die Zukunft

Die Äußerungen von Condor-Chef Peter Gerber zeigen, dass die Flottenplanung nicht mit dem Abschluss der Neo-Lieferungen im Jahr 2029 endet, sondern bereits über diesen Horizont hinausreicht. Der Airbus A321XLR (Extra Long Range) ist die leistungsstärkste Variante der A320neo-Familie und bietet eine beeindruckende Reichweite von bis zu 4.700 nautischen Meilen oder 8.700 Kilometern.

Diese Reichweite wird durch die Installation eines neuen, fest eingebauten Heck-Zentraltanks (Rear Center Tank) ermöglicht und schließt die Marktlücke zwischen traditionellen Mittelstreckenflugzeugen und größeren Großraumjets (Widebodies). Typischerweise kann der A321XLR je nach Konfiguration zwischen 180 und 220 Passagiere befördern.

Die Besonderheit des A321XLR liegt in seiner Fähigkeit, Langstreckenflüge durchzuführen, die bisher nur mit größeren und teureren Großraumflugzeugen möglich waren. Beispiele für Routen, die der XLR erschließt, sind Transatlantikverbindungen von Europa in die USA oder längere Flüge in den Mittleren Osten oder nach Indien. Für Airlines, die dünner frequentierte Langstrecken bedienen wollen, bietet der XLR die Möglichkeit, diese Routen mit geringeren Kapazitäten und somit reduziertem Risiko profitabler zu betreiben.

Peter Gerber hob hervor, dass das Flugzeug „ganz bestimmte Vorteile“ besitze, sobald es verfügbar sei. Mit der Auslieferung des A321XLR an erste Kunden wird ab Mitte der 2020er-Jahre gerechnet. American Airlines plant beispielsweise den internationalen Einsatz des Modells ab März 2026 für Transatlantikflüge.

Potenzielle Einsatzfelder für den A321XLR im Condor-Netzwerk

Die Rolle des A321XLR im zukünftigen Condor-Netzwerk könnte vielschichtig sein. Als traditioneller Ferienflieger bedient Condor hauptsächlich touristische Destinationen.

  1. Ergänzung des Langstreckenbetriebs: Der A321XLR könnte als Ergänzung zu den Großraumflugzeugen A330neo auf Routen dienen, die eine geringere Nachfrage aufweisen oder saisonalen Schwankungen unterliegen, aber zu weit für die Standard-A321neo sind. Condor könnte damit kleinere oder neue Langstreckenziele effizient anbinden, die keine tägliche Frequenz oder die Kapazität eines A330neo erfordern.
  2. Transatlantische Verbindungen: Da Condor bereits zahlreiche Ziele in Nordamerika und der Karibik anfliegt, könnte der XLR neue, direktere Verbindungen von kleineren deutschen Abflughäfen ermöglichen, die für den Einsatz eines A330neo nicht geeignet wären.
  3. Flexibler Mitteleinsatz: Die Möglichkeit, ein Flugzeug sowohl auf der Kurz- als auch auf der Langstrecke einzusetzen, bietet Condor eine größere operative Flexibilität, um schnell auf Marktveränderungen oder Engpässe reagieren zu können.

Die Boeing 757, deren Ablösung durch die A321neo und A320neo nun abgeschlossen wird, verfügte über eine Reichweite von etwa 6.500 Kilometern und bot Platz für bis zu 275 Passagiere. In gewisser Weise schließt der A321XLR mit seinen Langstreckenfähigkeiten die von der 757 hinterlassene Lücke für bestimmte hochkapazitive Mittelstrecken oder spezielle Langstreckensegmente, wenngleich er in der Condor-Konfiguration wahrscheinlich eine geringere Sitzplatzkapazität als die 757-300 aufweisen würde.

Wettbewerb und Marktpositionierung

Die Betrachtung des A321XLR durch Condor reiht sich in einen allgemeinen Trend vieler Fluggesellschaften ein. Zahlreiche Wettbewerber, darunter Iberia, American Airlines und JetBlue, setzen auf den A321XLR, um Transatlantikmärkte zu erschließen oder auf hochfrequentierten Strecken mit einem wirtschaftlicheren Flugzeug als einem Widebody zu operieren. Für Condor, die nach der Übernahme durch den Investor Attestor ihre Position am Markt festigen will, ist die kontinuierliche Modernisierung und die Prüfung neuer, effizienter Muster entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit. Die A330neo und die A32xneo sind wichtige Säulen dieser Strategie.

Die mögliche Aufnahme des A321XLR wäre ein klares Zeichen, dass Condor die Flexibilität ihrer Flotte weiter erhöhen und ihr Streckenportfolio optimieren möchte. Die Konzentration auf moderne Airbus-Muster auf der gesamten Flotte, von der Kurz- bis zur Langstrecke (A320neo, A321neo, A321XLR, A330neo), würde zudem die Vorteile der „Commonality“ – der Ähnlichkeit der Cockpits und Wartungsprozesse innerhalb einer Herstellerfamilie – weiter maximieren.

Letztlich ist die Prüfung des A321XLR ein Indikator dafür, dass Condor über die kurzfristige Flottenerneuerung hinaus denkt und strategisch plant, wie sie auch in den 2030er-Jahren als einer der führenden europäischen Ferienflieger agieren kann, indem sie die Vorteile der neuen Flugzeuggenerationen voll ausschöpft.

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