Boeing 737-800 (Foto: Steffen Lorenz).
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Corendon Airlines steigt in Pilgerreisen-Markt ein

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Die Fluggesellschaft Corendon Airlines hat in Zusammenarbeit mit dem spezialisierten Reiseveranstalter Royal Avis Aviation ein bedeutendes neues Marktsegment in Mitteleuropa erschlossen: Nonstop-Flüge für die Omrah, die sogenannte „kleine Pilgerfahrt“ zum islamischen Wallfahrtsort Mekka. Dieses neue Angebot, das sich an Muslime in Deutschland, Österreich und den Niederlanden richtet, startete im Oktober 2025 und sieht vor, bis Januar 2026 rund 5.000 Pilger zu den heiligen Stätten nach Saudi-Arabien zu befördern.

Die Einführung dieser Charter-Flugserie stellt eine strategische Diversifizierung des Flugangebots von Corendon dar. Die Airline, die traditionell stark im Ferienverkehr in die Türkei, nach Ägypten und zu den Kanarischen Inseln positioniert ist, reagiert damit auf die steigende Nachfrage nach bequemen und direkten Reisemöglichkeiten für religiöse Zwecke. Abgeflogen wird von insgesamt acht Flughäfen in der deutschsprachigen Region und den Niederlanden, darunter wichtige Knotenpunkte wie Düsseldorf, Frankfurt, Hannover, Köln/Bonn und Nürnberg in Deutschland sowie Salzburg und Wien in Österreich und Amsterdam in den Niederlanden.

Die Fluggesellschaft positioniert sich mit diesem Angebot als wichtiger Transporteur für religiöse Reisen und trägt damit den demografischen und kulturellen Bedürfnissen der muslimischen Bevölkerung in West- und Mitteleuropa Rechnung. Die Routen sind logistisch auf die Pilgerreise abgestimmt: Alle Hinflüge führen in die saudi-arabische Hafenstadt Dschidda (Jeddah), das traditionelle Tor nach Mekka. Die Rückflüge erfolgen von Medina, der zweitheiligsten Stadt des Islam.

Die Omrah: Spirituelle Bedeutung und logistische Abwicklung

Die Omrah (arabisch ʿumra) ist eine Pilgerfahrt nach Mekka, die im Gegensatz zur Hadsch, der „großen Pilgerfahrt“, jederzeit im Jahr durchgeführt werden kann. Sie ist zwar keine der fünf verpflichtenden Säulen des Islam, gilt jedoch als empfohlene Handlung mit großem spirituellem Wert und dient der Sühne von Sünden. Für viele gläubige Muslime in der Diaspora ist die Omrah, oft auch als „kleine Hadsch“ bezeichnet, eine tiefgreifende spirituelle Erfahrung, die sie aufgrund der geringeren zeitlichen Beanspruchung mehrmals im Leben unternehmen.

Die Riten der Omrah sind weniger umfangreich als jene der Hadsch und umfassen im Wesentlichen zwei Hauptrituale: den Tawaf, die siebenmalige Umrundung der Kaaba in Mekka, und den Saʿy, den rituellen Gang zwischen den Hügeln Safa und Marwa. Diese Rituale dienen der spirituellen Reinigung und der Stärkung des Glaubens. Die Pilger müssen sich vor Beginn der Riten in den Zustand der rituellen Weihe, den sogenannten Ihram, versetzen, was mit dem Tragen spezieller, ungenähter weißer Tücher (bei Männern) und dem Einhalten bestimmter Verhaltensregeln verbunden ist.

Die Logistik solcher Pilgerreisen stellt sowohl für die Fluggesellschaften als auch für die Veranstalter eine besondere Herausforderung dar. Die Flüge zur Omrah erfordern eine enge Abstimmung mit den saudischen Behörden und den Pilgerreise-Veranstaltern, da sie in hohem Maße von der Verfügbarkeit von Hotelunterkünften, Transportmitteln und der Infrastruktur an den heiligen Stätten abhängen. Da die Omrah außerhalb der Hauptsaison für die Hadsch stattfindet, sind die Kapazitäten in der Regel besser verfügbar, und die Pilger können die heiligen Stätten in einem etwas ruhigeren Rahmen besuchen. Die Wahl der Herbstmonate wird dabei als besonders günstig hervorgehoben, da die Temperaturen in Saudi-Arabien im Vergleich zu den heißen Sommermonaten des Hadsch-Zeitraums angenehmer sind.

Die strategische Bedeutung für Corendon und die Flughäfen

Für Corendon Airlines, die im Jahr 2025 ihr 20-jähriges Bestehen feierte, markiert das Omrah-Angebot eine strategische Expansion über ihr traditionelles Kerngeschäft hinaus. Die Partnerschaft mit einem spezialisierten Anbieter wie Royal Avis Aviation ermöglicht es der Fluggesellschaft, eine kulturell sensible und logistisch anspruchsvolle Nische zu bedienen, die ein hohes Maß an Vertrauen und Präzision erfordert. Das Ziel, bis Januar 2026 5.000 Passagiere zu befördern, demonstriert das erwartete Volumen dieses spezialisierten Marktes.

Die eingesetzten Flugzeuge, in diesem Fall Boeing 737-800 Maschinen, sind für die rund sechsstündige Flugzeit nach Saudi-Arabien gut geeignet und stellen eine effiziente Nutzung der Flotte außerhalb der intensivsten Hauptsaison des klassischen Strandtourismus dar. Der Chief Operating Officer (COO) von Corendon Airlines, Atilay Batu, betonte, dass die Airline Pilger auf dieser wichtigen Reise mit einem komfortablen Reiseerlebnis begleiten wolle.

Auch die deutschen Flughäfen profitieren von diesem neuen Segment. Der Köln Bonn Airport (CGN), an dem der Eröffnungsflug stattfand, hebt die Bedeutung solcher Spezialangebote für eine diverse Region hervor. Cenk Özöztürk, Geschäftsführer der Flughafen Köln/Bonn GmbH, hob die Vielfalt der Region hervor und betonte, dass ein Ziel wie Dschidda unerlässlich sei, um den Bedürfnissen der Fluggäste muslimischen Glaubens gerecht zu werden. Die Möglichkeit für Pilger aus dem Rheinland, die heiligen Stätten direkt und stressfrei zu erreichen, steigert die Relevanz des Flughafens als regionales Drehkreuz.

Darüber hinaus stärkt die Aufnahme von Pilgerzielen in das Portfolio von Corendon Airlines die Präsenz des Unternehmens im DACH-Markt (Deutschland, Österreich, Schweiz), wo die Fluggesellschaft ohnehin auf Wachstumskurs ist. Jüngste Ankündigungen zeigen, dass Corendon ihre Kapazitäten ab Deutschland und Österreich weiter ausbaut, insbesondere in Düsseldorf, Hannover, Köln/Bonn und Nürnberg. Die Erschließung neuer Nischenmärkte, wie die Omrah-Flüge, ergänzt die Wachstumsstrategie auf den Kernstrecken.

Dschidda und Medina: Tore zu Spiritualität und Kultur

Die Wahl der Flughäfen Dschidda für den Hinflug und Medina für den Rückflug ist nicht zufällig, sondern tief in der religiösen Praxis der Omrah verwurzelt. Dschidda, oft als „Tor nach Mekka“ bezeichnet, liegt an der Küste des Roten Meeres und ist der wichtigste Ankunftsort für Pilger. Von dort aus ist die Weiterreise ins etwa 70 Kilometer landeinwärts gelegene Mekka möglich.

Neben seiner Funktion als logistischer Hub für die Pilgerfahrt besitzt Dschidda auch eine touristische und kulturelle Relevanz. Die historische Altstadt von Dschidda, bekannt als Al-Balad, gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und bietet den Reisenden Einblicke in die traditionelle Architektur und Geschichte der Region. Obwohl der primäre Zweck die Pilgerreise ist, bieten die kulturellen Attraktionen Dschiddas sowie die Nähe zu den Stränden am Roten Meer zusätzliche Anziehungspunkte für Reisende, die ihren Aufenthalt über die rein religiösen Riten hinaus verlängern möchten.

Medina, die zweite heilige Stadt des Islam, ist für die Pilgerreisen ebenfalls von zentraler Bedeutung, da sich dort die Grabstätte des Propheten Mohammed in der Prophetenmoschee (al-Masdschid an-nabawī) befindet. Die Ankunft in Mekka und der Abflug von Medina ermöglichen es den Pilgern, die wichtigsten spirituellen Stätten in einer logistisch sinnvollen Reihenfolge zu besuchen, wodurch der gesamte Reiseablauf abgerundet wird. Der Fokus auf Direktflüge aus Mitteleuropa erleichtert diesen Transport erheblich und minimiert die Reisebelastung für die Pilger.

Die gesamte Charter-Serie von Corendon Airlines zur Omrah ist ein Zeichen für die zunehmende Spezialisierung des Flugverkehrs und die wachsende Bedeutung des religiösen Tourismus aus Europa nach Saudi-Arabien. Es unterstreicht die Notwendigkeit für Fluggesellschaften und Flughäfen, auf die komplexen und spezifischen Bedürfnisse unterschiedlicher Passagiergruppen einzugehen.

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