Airbus A220-300 (Foto: Airbus).
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Croatia Airlines: Kroatische Regierung erwägt Holding-Modell zur Privatisierung

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Die kroatische Regierung steht vor einer neuen Herausforderung in ihrem Bestreben, die nationale Fluggesellschaft Croatia Airlines zu privatisieren. Nach mehreren gescheiterten Versuchen und angesichts der andauernden finanziellen Schwierigkeiten des Unternehmens, hat der kroatische Minister für Meer, Verkehr und Infrastruktur, Oleg Butković, einen neuen Ansatz ins Gespräch gebracht: die Zusammenlegung von Croatia Airlines mit staatlichen Flughäfen in einer Holdinggesellschaft. Diese Strategie könnte die Privatisierung des Unternehmens erleichtern und gleichzeitig die Kontrolle des Staates über wichtige Infrastruktureinrichtungen sichern.

Seit Jahren versucht die kroatische Regierung, einen strategischen Partner für Croatia Airlines zu finden. Die Bemühungen verliefen jedoch bisher erfolglos, was teilweise auf die komplizierte wirtschaftliche Lage des Unternehmens zurückzuführen ist. Bereits Ende 2019 wurde die Idee einer Holdinggesellschaft ins Spiel gebracht, die neben Croatia Airlines auch sechs staatliche Flughäfen – darunter die profitablen Standorte Split und Dubrovnik – umfassen sollte. Diese Maßnahme sollte die finanzielle Basis der Fluggesellschaft stärken und den Privatisierungsprozess attraktiver gestalten.

Doch der Vorschlag stieß auf Widerstand. Besonders Flughäfen wie Split und Dubrovnik, die zu den rentabelsten des Landes zählen, kritisierten die Pläne scharf. Sie befürchteten, dass eine Zusammenlegung mit der defizitären Fluggesellschaft ihre eigene wirtschaftliche Stabilität gefährden könnte. Auch die unklaren Vorstellungen über die Umsetzung und die langfristigen Folgen einer solchen Fusion sorgten für Unsicherheit.

Die Corona-Pandemie als Rückschlag

Die COVID-19-Pandemie verschärfte die Situation zusätzlich. Im März 2020, als die Welt in eine Krise stürzte, die besonders die Luftfahrtbranche hart traf, stoppte die kroatische Regierung alle Privatisierungsbestrebungen. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als die griechische Aegean Airlines gerade Interesse an der Übernahme von Croatia Airlines bekundet hatte und in direkte Gespräche mit der kroatischen Regierung eintreten wollte. Die Pandemie machte jedoch alle Pläne zunichte, und die kroatische Fluggesellschaft musste massive Einbußen hinnehmen. In der ersten Jahreshälfte 2024 verzeichnete das Unternehmen einen Verlust von 9,5 Millionen Euro, was im krassen Gegensatz zu einem Gewinn von zwei Millionen Euro im Vorjahr steht, der hauptsächlich durch den Verkauf von fünf Flugzeugen erzielt wurde.

Die Idee einer Holding als Rettungsanker?

Angesichts dieser Entwicklungen sieht Minister Butković die Zusammenlegung von Croatia Airlines mit mehreren staatlichen Flughäfen als eine mögliche Lösung, um die Airline zu rekapitalisieren und gleichzeitig die Kontrolle des Staates zu bewahren. In einem Interview mit dem staatlichen Rundfunk HRT äußerte er sich optimistisch, dass diese Strategie die Privatisierung erleichtern könnte. Die Regierung könnte so einen strategischen Partner finden, der sowohl in die Fluggesellschaft als auch in die Flughäfen investiert, was die Attraktivität des Angebots steigern würde.

Butković betonte jedoch, dass diese Pläne derzeit nicht auf der Tagesordnung stehen, sie aber in naher Zukunft wieder aufgenommen werden könnten. Der Minister erklärte, dass Croatia Airlines trotz aller finanziellen Schwierigkeiten eine bedeutende kroatische Marke sei, die es zu schützen gelte. Die Zusammenlegung mit den Flughäfen könnte dem Unternehmen die notwendige Stabilität verschaffen, um einen neuen Anlauf zur Privatisierung zu wagen.

Kritische Stimmen und potenzielle Risiken

Trotz der möglichen Vorteile bleiben kritische Stimmen laut. Die Befürchtungen der Flughäfen, dass ihre eigenen wirtschaftlichen Erfolge durch eine Fusion mit der angeschlagenen Fluggesellschaft gefährdet werden könnten, sind nach wie vor aktuell. Besonders Split und Dubrovnik, die als Drehkreuze des kroatischen Tourismus fungieren, sehen ihre Zukunft durch die Unsicherheiten einer solchen Zusammenlegung gefährdet.

Auch die Frage, wie die kroatische Regierung die Kontrolle über die neu entstehende Holding behalten will, bleibt offen. Der Minister sprach zwar von einer Möglichkeit, die „effektive Kontrolle“ zu sichern, ließ jedoch Details zu den geplanten Maßnahmen und der konkreten Umsetzung vermissen. Dies führt zu Bedenken, dass der Staat bei einem Verkauf an einen strategischen Partner möglicherweise seine Einflussmöglichkeiten verliert und wichtige infrastrukturelle Entscheidungen nicht mehr selbst treffen kann.

Ein Blick in die Zukunft

Die kommenden Monate und Jahre werden entscheidend sein für die Zukunft von Croatia Airlines und die möglichen Privatisierungspläne der kroatischen Regierung. Es wird darauf ankommen, wie die wirtschaftliche Lage der Fluggesellschaft weiter verläuft und ob es der Regierung gelingt, die Flughäfen von den Vorteilen einer Holdinggesellschaft zu überzeugen. Gleichzeitig muss die Regierung sicherstellen, dass eine solche Fusion nicht die Stabilität der profitablen Flughäfen gefährdet und gleichzeitig die Attraktivität des Angebots für potenzielle Investoren gesteigert wird.

Sollte es gelingen, einen strategischen Partner zu finden, der bereit ist, sowohl in Croatia Airlines als auch in die staatlichen Flughäfen zu investieren, könnte dies der angeschlagenen Fluggesellschaft einen neuen Aufschwung verleihen. Andernfalls könnte die Zukunft von Croatia Airlines weiterhin ungewiss bleiben, was nicht nur die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens, sondern auch den kroatischen Tourismus insgesamt gefährden könnte.

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