Sicherheitskontrolle (Foto: CDC).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

CT-Scanner: Österreichische Flughäfen bereiten sich auf Ende der Flüssigkeitsregelung vor

Werbung

Die Europäische Union hat den Weg für eine tiefgreifende Änderung bei den Sicherheitskontrollen an Flughäfen freigemacht. Mit der Zulassung von neuartigen Scannern, die flüssige Sprengstoffe zuverlässig erkennen können, ist das Ende der strikten 100-Milliliter-Flüssigkeitsregel bei Flugreisen in greifbare Nähe gerückt. Während die EU die technischen Voraussetzungen geschaffen hat, liegt die Umsetzung nun bei den einzelnen Flughäfen.

In Österreich plant der Flughafen Wien-Schwechat eine Vorreiterrolle einzunehmen und die neuen Geräte bereits ab 2026 flächendeckend einzuführen. Diese Umstellung, die Investitionen in Millionenhöhe erfordert, soll den Passagieren nicht nur das Reisen erleichtern, da weder Flüssigkeiten noch Elektronik aus dem Handgepäck genommen werden müssen, sondern auch die Wartezeiten an den Kontrollstellen verkürzen. Kleinere Regionalflughäfen in Österreich und Deutschland warten hingegen ab, da die Umstellung mit hohen Kosten und baulichen Veränderungen verbunden ist.

Die technische Revolution: Wie CT-Scanner die Sicherheitskontrolle verändern

Die Beschränkungen für Flüssigkeiten im Handgepäck, die seit dem Jahre 2006 gelten, sind eine direkte Folge von vereitelten Terroranschlägen, bei denen Attentäter versucht hatten, aus mehreren Flüssigkeiten an Bord eines Flugzeuges Sprengstoff herzustellen. Um diese Bedrohung zu unterbinden, wurde die 100-Milliliter-Regelung eingeführt, die seither Millionen von Reisenden zu einer sorgfältigen Vorbereitung ihres Handgepäcks zwingt.

Die neuen, von der EU zugelassenen Scanner nutzen eine Technologie, die aus der medizinischen Bildgebung bekannt ist: die Computer-Tomographie (CT). Anders als die herkömmlichen 2D-Röntgengeräte erzeugen diese CT-Scanner ein dreidimensionales Bild des Handgepäcks. Die 3D-Bildgebung, die durch das Auftreffen von Röntgenstrahlen aus vielen verschiedenen Winkeln auf das Gepäckstück entsteht, ermöglicht eine rasche und äußerst genaue Analyse von Geräten und Flüssigkeiten im Inneren. So können flüssige Sprengstoffe zuverlässig erkannt und von harmlosen Flüssigkeiten wie Wasser oder Kosmetik unterschieden werden.

Für die Passagiere bringt dies eine erhebliche Erleichterung mit sich. Künftig müssen sie nicht mehr die mühsame Prozedur durchlaufen, Elektronik wie Laptops oder Tablets sowie Flüssigkeiten aus ihrem Handgepäck zu nehmen. Dies verkürzt nicht nur die Vorbereitungszeit an der Sicherheitskontrolle, sondern führt auch zu einer deutlichen Kapazitätserhöhung. Experten gehen davon aus, daß die Wartezeiten, die an Stoßzeiten oft zu einem Ärgernis für Reisende werden, dadurch spürbar verringert werden können. Zwar erlaubt die neue Technik theoretisch die Mitnahme von Flüssigkeiten bis zu zwei Litern, die genauen Mengenbeschränkungen regelt jedoch weiterhin die EU in ihren Bestimmungen.

Wien-Schwechat als Pionier: 25-Millionen-Euro-Investition für die Zukunft

In Österreich plant der Flughafen Wien-Schwechat, die neuen CT-Scanner als erster und bislang einziger Flughafen im Land flächendeckend einzuführen. Wie es vom Flughafen heißt, läuft der Beschaffungsprozeß bereits, und die vollständige Umstellung in allen Terminals soll im Laufe des Jahres 2026 erfolgen. Für diese Modernisierung werden insgesamt 25 Millionen Euro investiert.

Diese massive Investition unterstreicht das Bekenntnis des Flughafens Wien, seine Position als wichtiges internationales Drehkreuz zu stärken und den Passagieren einen moderneren und effizienteren Service zu bieten. Die Umstellung auf die neuen Scanner ist ein strategischer Schritt, der die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens im internationalen Vergleich sichern soll. Die Verantwortlichen in Wien sind davon überzeugt, daß der verbesserte Passagierkomfort und die verkürzten Wartezeiten einen entscheidenden Vorteil darstellen. Der genaue Zeitpunkt der Inbetriebnahme steht noch aus, doch die Weichen für die Umsetzung sind gestellt.

Herausforderungen für Regionalflughäfen: Bauliche Hürden und hohe Kosten

Während in Wien-Schwechat die Umstellung mit Hochdruck vorangetrieben wird, zeigen sich die anderen österreichischen Flughäfen weitaus zurückhaltender. Die Gründe dafür sind vor allem hohe Kosten und bauliche Herausforderungen. Die neuen CT-Scanner sind deutlich größer und schwerer als die bisherigen Röntgengeräte, was in bestehenden Kontrollbereichen umfangreiche Anpassungen und Umbaumaßnahmen erforderlich macht.

Der Flughafen Salzburg beispielsweise hat beschlossen, die Einführung der Scanner bis zum Abschluß seines Großprojekts zum Neubau des Terminals aufzuschieben. Wie Airport-Sprecher Alexander Klaus mitteilte, soll der Bau des neuen Terminals im Jahre 2027 beginnen und bis 2030 abgeschlossen sein. Eine vorzeitige Installation der Geräte wäre aufgrund ihrer Größe und der damit verbundenen Umbauarbeiten unrentabel. Klaus betonte, daß man erst die genauen Vorgaben der EU sowie eventuelle Übergangsfristen abwarten müsse.

Ähnliche Überlegungen werden am Flughafen Graz angestellt. Geschäftsführer Jürgen Löschnig bestätigte, daß der Einsatz der Scanner evaluiert werde, jedoch sei klar, daß größere bauliche Maßnahmen nötig wären, die mit erheblichen Kosten verbunden seien. Da die Check-in-Zeiten in Graz im internationalen Vergleich ohnehin kurz sind, sieht man dort derzeit noch keinen dringenden Handlungsbedarf. Vorerst gilt die 100-Milliliter-Grenze.

Auch der Linzer Flughafen wartet ab. Man wolle die Erfahrungen des Airports Wien-Schwechat abwarten, bevor man eine Entscheidung treffe. Als Regionalflughafen seien die Anschaffungskosten eine erhebliche Hürde, und bauliche Veränderungen seien unvermeidlich. Beim Flughafen Innsbruck herrscht ebenfalls Zurückhaltung. Sprecherin Nicole Kehle verwies auf die „großen Investitionen“, die für solche Scanner nötig seien, und merkte an, daß selbst an großen Flughäfen wie München die neuen Geräte noch nicht flächendeckend im Einsatz seien.

Deutschland im Wartemodus: Software-Probleme und logistische Hürden

Auch in Deutschland ist das Ende der 100-Milliliter-Regel noch nicht in Sicht, obwohl einige Flughäfen bereits über entsprechende CT-Scanner verfügen. Das Hauptproblem ist hierbei die mangelnde Flächendeckung. Solange an den Kontrollstellen auch alte Geräte im Einsatz sind, können die Reisenden nicht im Voraus darüber informiert werden, ob sie ihr Handgepäck wie gewohnt vorbereiten müssen oder nicht. Dies würde zu Verwirrung und unnötigen Verzögerungen führen. Ein weiteres Hindernis ist das Fehlen der richtigen Software auf manchen der neuen Geräte, was deren volle Funktionsfähigkeit beeinträchtigt.

Die EU hat zwar den Weg für die neue Technologie freigemacht, doch die Umsetzung der neuen Regelungen ist komplex. Sie erfordert nicht nur erhebliche finanzielle Mittel, sondern auch eine durchdachte logistische Planung und eine koordinierte Einführung, die sicherstellt, daß die Reisenden nicht vor verwirrende oder sich widersprechende Regelungen gestellt werden.

Eine neue Ära mit Anlaufschwierigkeiten

Die Entscheidung der EU, die CT-Scanner zu genehmigen, läutet eine neue Ära der Flugsicherheit ein. Die neue Technologie verspricht nicht nur eine höhere Sicherheit, sondern auch eine deutliche Verbesserung des Reiseerlebnisses für Millionen von Passagieren. Die Vorreiterrolle des Flughafens Wien-Schwechat zeigt, daß der Wille zur Innovation bei den großen Drehkreuzen vorhanden ist. Die Zurückhaltung der kleineren Regionalflughäfen ist jedoch verständlich, da sie vor erheblichen finanziellen und baulichen Herausforderungen stehen.

Es ist davon auszugehen, daß die Umstellung auf die neuen Scanner ein schrittweiser Prozeß sein wird, der sich über mehrere Jahre hinziehen wird. Die Einführung der neuen Technik wird auch eine Neubewertung der Abläufe an den Sicherheitskontrollen erforderlich machen. Langfristig dürften jedoch die Vorteile überwiegen. Das Ende der Flüssigkeitsbeschränkungen und das einfachere Passieren der Kontrollstellen werden das Reisen per Flugzeug wieder angenehmer gestalten.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung