Die dänische Regionalfluggesellschaft Danish Air Transport (DAT) leitet Schritte zur Modernisierung ihrer Flugzeugflotte ein, verzichtet dabei jedoch bewusst auf eine Ausweitung ihrer Gesamtkapazitäten.
Wie der Vorstandsvorsitzende Jesper Rungholm am Rande der Generalversammlung der European Regions Airline Association (ERA) in Belfast im Oktober 2026 gegenüber dem Luftfahrtfachmagazin „Air Transport World“ und dem Brancheninformationsdienst „CH-Aviation“ mitteilte, konzentriert sich die Fluggesellschaft aus Kolding ausschließlich auf den Ersatz betagter Flugzeugmuster durch gebrauchte Turboprop-Maschinen des Herstellers ATR sowie Jets der Airbus-A320-Familie. Wachstum um jeden Preis sei für die unabhängige Fluggesellschaft kein Unternehmensziel; der Fokus liege auf der Aufrechterhaltung einer stabilen Flottengröße und betriebswirtschaftlichen Kostenkontrolle im Charter-, Nischen- und Linienverkehr.
Schrittweiser Ersatz älterer ATR-Turboprops und Betrieb historischer Seriennummern
Im Segment der Turboprop-Flugzeuge sieht sich die Fluggesellschaft in den kommenden drei bis fünf Jahren mit der Ausmusterung mehrerer betagter Maschinen konfrontiert. DAT betreibt auf ihren regionalen Streckennetzen in Skandinavien, Deutschland, Italien und Schottland traditionell eine gemischte Flotte aus ATR 42 und ATR 72. Nach Aussage von Jesper Rungholm befindet sich unter den aktiven Maschinen des Unternehmens womöglich das weltweit älteste noch im kommerziellen Liniendienst eingesetzte Flugzeug dieses Typs. Konkret verwies der Manager auf die Seriennummer MSN 36, eine ATR 42-320 mit dem Luftfahrzeugkennzeichen OY-JRJ, deren Erstflug bereits auf das Jahr 1986 zurückgeht.
Aufgrund des fortschreitenden Alters und der damit verbundenen Instandhaltungskosten strebt das Unternehmen den Erwerb jüngerer Gebrauchtmaschinen der ATR-Baureihen an. Ein Erwerb von fabrikneuen Flugzeugen ab Werk schließt die Führung von DAT aus rein finanziellen Erwägungen aus, da die Kapitalkosten von Neugeräten im typischen Anforderungsprofil regionaler Ausweich- und Inselflüge nicht rentabel einzuspielen wären.
Erneuerung der Airbus-Flotte und Flexibilität im Schmalrumpfsegment
Neben den Turboprop-Maschinen steht auch in der Jet-Sparte von Danish Air Transport eine Erneuerung an. Innerhalb der nächsten zwei Jahre plant die Airline den Abgang von zwei Jets der Baureihe Airbus A320. Diese Flugzeuge werden vorrangig im Wet-Lease-Geschäft (ACMI), im Vollcharter für Reiseveranstalter sowie auf kapazitätsstarken Sonderrouten eingesetzt.
Für den Ersatz dieser Einheiten hält Ausschau nach günstigen Gebrauchtangeboten am Markt. Dabei beschränkt sich das Unternehmen nicht zwingend auf die A320-Standardvariante; sollten auf dem Markt preislich attraktive Gelegenheiten für die größere A321 auftauchen, zeigt sich das Management offen für den Kauf dieser kapazitätsstärkeren Option.
Preissensitivität und Gelegenheitskäufe als Einkaufsstrategie
Ausschlaggebend für jeden Flottenzugang bei DAT ist nach Angaben des Managements in erster Linie die Preisgestaltung. Die Airline verfolgt eine pragmatische Einkaufsstrategie: Gebrauchte Maschinen der Muster ATR oder Airbus werden erworben, sobald der gebotene Verkaufspreis den internen Renditeerwartungen entspricht.
Sollte ein qualitativ hochwertiges Flugzeug zu außergewöhnlich günstigen Konditionen am Markt verfügbar werden, würde DAT nach Aussage von Rungholm auch dann zugreifen, wenn aktuell kein unmittelbarer operativer Ersatzbedarf besteht. Mit dieser Vorgehensweise nutzt die mittelständische Fluggesellschaft Preisschwankungen auf dem globalen Gebrauchtflugzeugmarkt, um ihre Betriebskosten niedrig zu halten und flexibel auf Anfragen von Charterkunden oder Leasingnehmern zu reagieren.