Nach fast drei Jahren der Stille auf dem Flughafengelände von Podgorica hat das letzte verbliebene Flugzeug von Montenegro Airlines einen Käufer gefunden. Die ehemalige Fokker 100 der montenegrinischen Fluggesellschaft wurde im Rahmen des Insolvenzverfahrens von Montenegro Airlines zum Verkauf angeboten. Der Verkauf erfolgte über den Insolvenzverwalter der Fluggesellschaft, der das Flugzeug im vergangenen Monat öffentlich anbot. In einer überraschenden Wendung wurde das Flugzeug für einen Preis von 57.000 Euro verkauft – weit über dem ursprünglich angesetzten Startpreis von 23.900 Euro. Der Käufer ist ein US-amerikanischer Geschäftsmann montenegrinischer Abstammung. Die Finalisierung des Verkaufs wird in den kommenden Wochen erwartet.
Das Flugzeug, das seit der Insolvenz von Montenegro Airlines im Dezember 2020 am Flughafen Podgorica stillgelegt war, hat seitdem an Bedeutung verloren. Nachdem die Fluggesellschaft 2020 ihre operativen Tätigkeiten eingestellt hatte, waren alle Flotteinheiten der Fokker 100 geparkt und mit der Zeit entkernt worden. Die Maschinen wurden ohne Triebwerke und wesentliche Komponenten zurückgelassen, was ihre Nutzung als funktionstüchtige Flugzeuge unmöglich machte. Doch der Käufer, dessen Identität bislang nicht vollständig offengelegt wurde, plant, Teile des Flugzeugs zu einem ungewöhnlichen Zweck zu verwenden.
Der Verkauf der Fokker 100
Der Verkauf des Flugzeugs markiert das endgültige Kapitel in der Geschichte von Montenegro Airlines, die nach Jahren wirtschaftlicher Schwierigkeiten und wiederholtem Verlustbetrieb schließlich in die Insolvenz ging. Montenegro Airlines hatte jahrzehntelang die Rolle des Nationalcarriers für das kleine Balkanland gespielt, aber die Folgen von Managementfehlern, finanziellen Problemen und dem allgemeinen Rückgang des Luftverkehrs in der Region führten zu ihrem Niedergang. Das Flugzeug, das nun verkauft wurde, hatte nach der Schließung der Airline keinerlei Funktionalität mehr und wurde für den symbolischen Betrag von 23.900 Euro zum Verkauf angeboten. Dies war die Ausgangsbasis für die erste Bieterrunde.
Der Kaufpreis von 57.000 Euro für das stillgelegte Flugzeug liegt deutlich über den Erwartungen der meisten Marktbeobachter. Es gab noch zwei weitere Bieter, deren Angebote jedoch schwächer waren und nicht einmal den Startpreis erreichten. Diese unterschiedliche Preisvorstellung mag darauf hindeuten, dass das Flugzeug für den Käufer mehr als nur Schrottwert hatte – möglicherweise aufgrund von sentimentalen oder kulturellen Aspekten, die den Wert des alten Flugzeugs in den Augen des Geschäftsmanns steigern. Der Kaufpreis übersteigt die anfängliche Schätzung, was die Bemühungen des Insolvenzverwalters unterstreicht, einen möglichst hohen Erlös aus der Verwertung der Flotte zu erzielen.
Der ungewöhnliche Verwendungszweck: Ein Café aus Flugzeugteilen
Der neue Eigentümer plant, das Flugzeug nicht für die typischen industriellen Zwecke wie die Ausschlachtung von wertvollen Teilen und Materialien zu verwenden. Stattdessen hat der Käufer die Idee, die Teile des Flugzeugs zu nutzen, um ein Café zu eröffnen. Dies mag für viele zunächst befremdlich wirken, doch der Plan, ein Café aus Flugzeugkomponenten zu erschaffen, ist nicht völlig neu. In verschiedenen Teilen der Welt existieren bereits ähnliche Projekte, bei denen ausgediente Flugzeuge zu Restaurants, Bars oder sogar Museen umfunktioniert wurden.
Ein solches Projekt könnte nicht nur eine wirtschaftliche Nutzung für das veraltete Flugzeug bieten, sondern auch als touristische Attraktion dienen. In Podgorica, einer Stadt, die sich bemüht, mehr internationale Aufmerksamkeit zu erlangen, könnte das Café in einem ehemaligen Flugzeug ein interessantes Konzept für Reisende und Einheimische darstellen, die nach einem ungewöhnlichen Erlebnis suchen. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie der Käufer das Projekt umsetzen wird und ob er dafür die Zustimmung der örtlichen Behörden erhält, da das Flugzeug mit seinen entnommenen Teilen und möglicherweise nicht mehr ganz so sicheren Komponenten ein gewisses Risiko darstellen könnte.
Das Ende von Montenegro Airlines
Der Verkauf des Fokker 100 und das Ende der Flotte von Montenegro Airlines ist ein trauriges Kapitel für die Luftfahrtgeschichte des Landes. Montenegro Airlines war seit ihrer Gründung im Jahr 1994 ein wichtiger Bestandteil der Verkehrsinfrastruktur Montenegros. Die Fluggesellschaft hatte in ihrer Blütezeit zahlreiche Verbindungen zwischen Montenegro und europäischen Städten etabliert und spielte eine Schlüsselrolle im Tourismusverkehr des Landes. Doch die finanziellen Schwierigkeiten, die nach dem Zerfall Jugoslawiens und der politischen Instabilität in den folgenden Jahrzehnten auftraten, führten zu wiederholten Restrukturierungen und letztlich zu ihrer Schließung im Jahr 2020.
Das Ende von Montenegro Airlines hat das Land in vielerlei Hinsicht getroffen, insbesondere in Bezug auf die nationale Identität und den Verlust einer direkten Luftverbindung zu wichtigen internationalen Zielorten. In den letzten Jahren nach der Schließung mussten Reisende auf ausländische Fluggesellschaften zurückgreifen, um von Montenegro zu fliegen. Das Land selbst, das auf den internationalen Tourismus angewiesen ist, leidet weiterhin unter den Auswirkungen des Verlusts seines Nationalcarriers.
Ausblick
Der Verkauf des letzten Fokker 100 von Montenegro Airlines stellt das Ende einer Ära dar. Der Geschäftsmann, der das Flugzeug erwarb, dürfte mit der Nutzung von Flugzeugteilen für ein Café ein einzigartiges Projekt ins Leben rufen, das sowohl die Geschichte der Airline als auch die Faszination für Flugzeuge in einem neuen, kreativen Kontext verbindet. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob diese Idee auf breitere Zustimmung stößt und in der lokalen Gemeinschaft Anklang findet.
Der ehemalige Nationalcarrier Montenegros, Montenegro Airlines, bleibt in den Erinnerungen vieler Montenegriner ein Symbol für das nationale Erbe, das leider nicht in der Lage war, den modernen Herausforderungen der Luftfahrtindustrie standzuhalten. Der endgültige Verkauf der Fokker 100 markiert jedoch das Ende des Luftfahrtkapitels der Airline und zugleich einen Neubeginn für das Flugzeug, das fortan als Teil eines ungewöhnlichen Cafés weiterleben wird.