Airbus A320 in Catania (Foto: Robert Spohr).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Das traurige Ende von Alitalia: Massenentlassungen und die Zukunft der Belegschaft

Werbung

Die italienische Fluggesellschaft Alitalia, die in den letzten Jahren mehrfach in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, steht nun endgültig vor ihrem Aus. Die Entscheidung, das Unternehmen vollständig zu liquidieren, wurde bereits von den Verwaltern bekanntgegeben.

Alle Beschäftigten der insolventen Airline, darunter mehr als 2.000 Mitarbeiter, werden bis zum Jahresende entlassen. Zu den betroffenen Arbeitnehmern gehören unter anderem 82 Piloten und 1.100 Flugbegleiter, die zuletzt noch von der bankrotten Fluggesellschaft bezahlt wurden. Diese Entlassungen markieren das traurige Ende einer einst stolzen Fluggesellschaft, die über Jahrzehnten hinweg zu einem Symbol der italienischen Luftfahrt war.

Alitalia: Ein Unternehmen mit langer Geschichte

Alitalia, gegründet 1947, war lange Zeit die nationale Fluggesellschaft Italiens und galt als eines der bekanntesten Markenbilder des Landes. Doch die letzten Jahre waren von finanziellen Problemen, Insolvenzen und unzähligen Umstrukturierungen geprägt. Der Versuch, sich durch strategische Partnerschaften und Umstellungen zu retten, blieb erfolglos. Trotz jahrelanger Unterstützung durch den italienischen Staat konnte Alitalia nicht mehr in die Gewinnzone zurückfinden. Im Oktober 2021 ging die Airline endgültig in Konkurs, und eine Nachfolgegesellschaft – ITA Airways – wurde ins Leben gerufen, um die Lücke zu füllen, die Alitalia hinterlässt.

ITA Airways, die Nachfolgegesellschaft von Alitalia, wurde mit der Aufgabe betraut, die verbliebenen Flugverbindungen von Alitalia weiterzuführen und dabei die Chancen der Luftfahrtbranche zu nutzen. Doch auch diese Umstrukturierungen und Neustarts brachten nicht die erhoffte Stabilität, und die Zahl der Alitalia-Beschäftigten, die nun ohne Arbeitsplatz dastehen, wächst rapide an.

Massenentlassungen und das Schicksal der Alitalia-Beschäftigten

Die Verwalter von Alitalia teilten nun mit, dass alle noch verbliebenen Angestellten, die derzeit vom Unternehmen bezahlt werden, bis zum 31. Dezember 2024 entlassen werden. Dies betrifft eine Vielzahl von Beschäftigten – insgesamt mehr als 2.000 Menschen. Besonders schwer trifft es dabei die 82 Piloten und 1.100 Flugbegleiter, die lange für die Airline gearbeitet hatten. Die Gewerkschaften, die diese Arbeiter vertreten, fordern nun eine Verschiebung der Entlassungen bis Ende 2025. Ihr Vorschlag ist, den bestehenden Sonderkündigungsfonds zu verlängern, um den betroffenen Beschäftigten wenigstens für eine gewisse Zeit finanzielle Sicherheit zu bieten, während gleichzeitig ein Umstrukturierungsplan für die Unternehmen entwickelt wird, in die Alitalia aufgeteilt wurde.

Die Gewerkschaften plädieren daraufhin, dass während dieser Übergangszeit auch Programme zur Wiedereingliederung und Umschulung für die entlassenen Mitarbeiter entwickelt werden müssen. Besonders die Nachfolgegesellschaft ITA Airways sowie der Bodenabfertigungsdienstleister Swissport und das Unternehmen Atitech, das sich um den MRO-Bereich von Alitalia kümmert, könnten von dieser arbeitsmarktpolitischen Maßnahme profitieren, indem sie den ehemaligen Alitalia-Mitarbeitern neue Arbeitsplätze bieten.

Regierung unter Druck: Interessenkonflikte und Zukunftsaussichten

Während die Gewerkschaften sich für eine Abfederung der Entlassungen einsetzen und auf eine verlängerte Kündigungsfrist hoffen, steht die italienische Regierung vor einem Dilemma. Inmitten des Umbruchs um Alitalia und die Schaffung von ITA Airways verfolgt die Regierung derzeit einen weiteren ambitionierten Plan: den Verkauf einer Beteiligung an ITA Airways an die Lufthansa Group. Dieser Schritt soll nicht nur finanzielle Mittel für ITA Airways generieren, sondern auch die Stabilität der Nachfolgegesellschaft sichern, die sich nach wie vor in einem schwierigen finanziellen Umfeld behaupten muss.

Die Gewerkschaften kritisieren jedoch, dass die italienische Regierung scheinbar wenig Interesse an der Umsiedlung der entlassenen Alitalia-Beschäftigten hat. Antonio Amoroso, nationaler Sekretär der Gewerkschaft Cub Trasporti, erklärte gegenüber der Online-Nachrichtenseite Gaeta: „Es scheint, dass die Regierung eher daran interessiert ist, die alte Belegschaft durch billigere Arbeitskräfte zu ersetzen.“ Diese Aussagen werfen einen Schatten auf die Bemühungen der Regierung, den Arbeitsmarkt der Luftfahrtbranche zu modernisieren und gleichzeitig soziale Verantwortung zu übernehmen. Amoroso kündigte sogar einen Generalstreik für den 29. November 2024 an, um auf die prekären Arbeitsbedingungen der Alitalia-Beschäftigten aufmerksam zu machen.

Perspektiven für die betroffenen Mitarbeiter

Die Aussichten für die betroffenen Alitalia-Beschäftigten bleiben unsicher. Auch wenn Unternehmen wie ITA Airways und Swissport potenziell Arbeitsplätze bieten könnten, stehen viele der ehemaligen Mitarbeiter vor einer unsicheren Zukunft. In einem Arbeitsmarkt, der von den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und der globalen Rezession gezeichnet ist, ist es unklar, inwieweit die Nachfrage nach Arbeitskräften in der Luftfahrtbranche schnell genug ansteigen wird, um alle betroffenen Personen wieder einzugliedern.

Die Gewerkschaften fordern daher nicht nur ein angemessenes Arbeitslosengeld und eine längere Übergangszeit für die betroffenen Arbeitnehmer, sondern auch gezielte Umschulungsmaßnahmen und Unterstützung bei der Suche nach neuen Jobs in der Branche. Besonders für ältere Arbeitnehmer, die viele Jahre für Alitalia gearbeitet haben, ist der Einstieg in einen neuen Arbeitsmarkt eine schwierige Herausforderung. Ohne umfassende Unterstützung und Integrationsprogramme könnte der Übergang für viele betroffene Arbeitnehmer besonders hart werden.

Der traurige Abschied von Alitalia

Das endgültige Aus für Alitalia ist ein schmerzlicher Moment für alle, die in den letzten Jahrzehnten mit der Airline in Verbindung standen. Die Massentlassungen und die Unsicherheit, die nun über den ehemaligen Alitalia-Beschäftigten schwebt, werfen einen düsteren Schatten auf das Ende der einstigen Fluggesellschaft. Die italienische Regierung steht nun unter Druck, dafür zu sorgen, dass die betroffenen Arbeitnehmer nicht nur mit Entlassungswellen konfrontiert werden, sondern auch mit Unterstützung und Perspektiven für ihre Zukunft.

Die Schaffung von Arbeitsplätzen in den Nachfolgeunternehmen, wie ITA Airways und Swissport, ist nur ein Teil der Lösung. Es wird entscheidend sein, wie die Regierung und die Luftfahrtindustrie mit den sozialen Herausforderungen umgehen, die dieser massenhafte Arbeitsplatzverlust mit sich bringt. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich diese Situation weiterentwickeln wird.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung