Eine bedeutende Entwicklung für die regionale Luftfahrt in Nordrhein-Westfalen wurde bekannt gegeben: Die dänische Fluggesellschaft DAT und die deutsche Kranich-Airline Lufthansa haben ein Interline-Abkommen für Flüge zwischen Paderborn/Lippstadt und München geschlossen.
Ab dem 1. September 2025 können Reisende von und nach Paderborn/Lippstadt ihr Gepäck nahtlos zu weltweiten Zielen durchchecken lassen, die über das Drehkreuz München angeflogen werden. Dieses Abkommen ist das Ergebnis der intensiven Bemühungen der regionalen Initiative Skyhub PAD und stellt eine entscheidende Wiederherstellung der globalen Anbindung für die ostwestfälische Region dar, nachdem die direkte Lufthansa-Verbindung nach München Ende Mai eingestellt worden war.
Die Entstehung einer Luftbrücke: Von lokaler Initiative zu globaler Anbindung
Die Ankündigung des Interline-Abkommens zwischen DAT und Lufthansa ist der Kulminationspunkt einer bemerkenswerten Kraftanstrengung in der Region Paderborn/Lippstadt. Ende Mai dieses Jahres wurde die langjährige und für die Wirtschaftsregion wichtige Lufthansa-Verbindung zwischen Paderborn/Lippstadt und München eingestellt. Diese Einstellung hinterließ eine spürbare Lücke in der Anbindung des Flughafens Paderborn/Lippstadt an das globale Luftverkehrsnetz, insbesondere im Hinblick auf Langstreckenflüge.
Als Reaktion auf diese Lücke entstand die Initiative Skyhub PAD. Getragen von engagierten Unternehmern und Privatpersonen aus der Region Paderborn/Lippstadt, setzte sich diese Gruppe zum Ziel, die wichtige Verbindung nach München wiederherzustellen. Ihr Engagement mündete in einer Partnerschaft mit der dänischen Fluggesellschaft DAT, die nun im Auftrag von Skyhub PAD die Flüge auf dieser Strecke durchführen wird. Dies ist ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie regionale Akteure durch Eigeninitiative eine kritische Infrastruktur für ihre Wirtschaftsregion sichern können.
Christoph Plass, Vorsitzender des Beirats von Skyhub PAD, äußerte sich erfreut über den Erfolg: „Damit haben wir alle Ziele bis zur Aufnahme des Flugverkehrs erreicht.“ Sein Kollege Klaus Marx, Geschäftsführer von Skyhub PAD, ergänzte, das nun geschlossene Interline-Abkommen biete „beste Chancen für das Geschäftsmodell von Skyhub PAD.“ Dieses Abkommen ist entscheidend, da es den Passagieren ermöglicht, nicht nur zwischen Paderborn/Lippstadt und München zu fliegen, sondern von Beginn an eine durchgehende Buchung mit Gepäckdurchchecken bis zum Endziel, sei es in den USA oder Asien, vorzunehmen. Bisher war lediglich die reine Strecke zwischen Paderborn/Lippstadt und der bayerischen Metropole verfügbar, was die Umsteigeprozesse für Reisende, insbesondere bei internationalen Verbindungen, erheblich erschwerte.
Flugplan und strategische Vorteile: Türen zur Welt offen
Ab dem 1. September 2025 wird Skyhub PAD täglich bis zu drei Flüge zwischen Paderborn/Lippstadt und München anbieten. Die Verbindungen werden von montags bis freitags sowie sonntags durchgeführt. Die Flugzeiten sind strategisch auf die Weiterflugmöglichkeiten des Lufthansa-Drehkreuzes München abgestimmt:
- Ab Paderborn/Lippstadt: 7:00 Uhr, 13:55 Uhr und 18:30 Uhr.
- Ankunft in München: 8:25 Uhr, 15:20 Uhr und 19:55 Uhr.
- Ab München: 9:00 Uhr, 16:10 Uhr und 20:35 Uhr.
Mit diesen Flugzeiten ist laut Skyhub PAD die Erreichbarkeit vieler Weiterflüge in die USA und nach Asien sichergestellt. Insbesondere die frühen Morgen- und die späteren Nachmittagsverbindungen ermöglichen einen effizienten Anschluß an die Langstreckenflüge der Lufthansa ab München. Für Geschäftsreisende aus der Region bedeutet dies eine deutliche Zeitersparnis und Komfortsteigerung, da sie nicht mehr aufwendig mit der Bahn oder dem PKW zu anderen Großflughäfen anreisen müssen, um internationale Verbindungen zu erreichen. Auch für den Tourismus in Ostwestfalen-Lippe bietet die verbesserte Anbindung neue Perspektiven, da die Region für internationale Besucher leichter erreichbar wird.
DAT wird für diese Flüge eine ATR 72-600 einsetzen. Dieses moderne Turboprop-Flugzeug bietet mit 72 Sitzplätzen eine passende Kapazität für die Nachfrage auf dieser Regionalstrecke. Die ATR 72-600 ist bekannt für ihre Effizienz auf Kurz- und Mittelstrecken und ihre Fähigkeit, auch kleinere Flughäfen mit kürzeren Start- und Landebahnen anzufliegen, was für Paderborn/Lippstadt von Vorteil ist.
Bedeutung von Interline-Abkommen in der Luftfahrt
Interline-Abkommen sind in der Luftfahrtindustrie von entscheidender Bedeutung, insbesondere für kleinere und mittlere Fluggesellschaften sowie für regionale Flughäfen. Sie ermöglichen es Passagieren, Flüge verschiedener Airlines auf einem einzigen Ticket zu buchen und ihr Gepäck bis zum Endziel durchzuchecken, selbst wenn Umstiege auf andere Fluggesellschaften erforderlich sind. Ohne ein solches Abkommen müßten Reisende bei jedem Umstieg ihr Gepäck neu aufgeben und gegebenenfalls neue Tickets für den Weiterflug kaufen, was zu erheblichen Unannehmlichkeiten und Zeitverlust führen würde.
Für die Lufthansa, als Teil der Star Alliance, sind Interline-Abkommen mit regionalen Zubringergesellschaften wie DAT von großer strategischer Bedeutung. Sie dienen dazu, die Reichweite ihres eigenen Streckennetzes zu erweitern und Passagiere aus Regionen zu ihren großen Drehkreuzen zu befördern, die sie selbst nicht direkt anfliegen. Dies sichert die Auslastung ihrer Langstreckenflüge und stärkt die Position des Hubs München im internationalen Wettbewerb der Drehkreuze. Für DAT wiederum bietet die Partnerschaft mit der Lufthansa eine Steigerung des Passagieraufkommens und eine größere Sichtbarkeit im Markt.
Die Wiederherstellung der Anbindung an ein internationales Drehkreuz wie München ist für den Flughafen Paderborn/Lippstadt von existentieller Bedeutung. Flughäfen dieser Größe sind oft auf solche Zubringerflüge angewiesen, um ihre Wirtschaftlichkeit zu sichern und ihren regionalen Auftrag, die Anbindung an die Welt zu gewährleisten, zu erfüllen. Eine solche Anbindung ist nicht nur für Urlaubsreisende wichtig, sondern auch für die lokale Wirtschaft, die auf gute internationale Verbindungen für Geschäftsreisen, den Export und den Import angewiesen ist.
Regionale Flughäfen unter Druck: Ein Trend und seine Folgen
Die Einstellung von Regionalverbindungen durch große Fluggesellschaften ist ein Trend, der in den letzten Jahren immer wieder beobachtet wurde. Dies ist oft eine Folge von Rationalisierungsmaßnahmen der Airlines, die sich auf profitablere Hauptrouten und größere Flugzeuge konzentrieren. Kleinere Strecken mit geringerem Passagieraufkommen werden dann entweder eingestellt oder an kleinere, regionale Fluggesellschaften ausgelagert, die mit kleineren Flugzeugen und flexibleren Strukturen operieren können.
Dieser Trend stellt regionale Flughäfen vor große Herausforderungen. Ohne die Anbindung an große Drehkreuze verlieren sie an Attraktivität für Reisende und Unternehmen. Dies kann langfristig negative Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft haben, da die Erreichbarkeit für Investoren und Touristen leidet. Das Beispiel Paderborn/Lippstadt zeigt jedoch, daß lokale Initiativen und die Zusammenarbeit mit spezialisierten Regionalfluggesellschaften eine erfolgreiche Strategie sein können, um diese Herausforderungen zu meistern. Die Fähigkeit, flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren und innovative Partnerschaften einzugehen, ist entscheidend für den Fortbestand und die Entwicklung regionaler Flughäfen.
Die Sicherstellung solcher Verbindungen ist nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern auch ein Standortfaktor für die Region. Unternehmen in Ostwestfalen-Lippe sind oft global tätig und benötigen effiziente Reisemöglichkeiten für ihre Mitarbeiter und Kunden. Die Anbindung an München ermöglicht es ihnen, schnell und bequem wichtige Wirtschaftsräume in den USA und Asien zu erreichen.
Ein Modell für andere Regionen?
Der Erfolg von Skyhub PAD und das Interline-Abkommen mit Lufthansa könnten als Modell für andere Regionen dienen, die vor ähnlichen Herausforderungen im Luftverkehr stehen. Es zeigt, daß lokale Eigeninitiative, gepaart mit einer pragmatischen Herangehensweise und der Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit neuen Partnern, entscheidend sein kann, um die Konnektivität einer Region zu sichern. Das Engagement der regionalen Wirtschaft und Bevölkerung in Paderborn/Lippstadt hat bewiesen, daß die Nachfrage nach solchen Verbindungen vorhanden ist und daß es Wege gibt, diese Nachfrage auch unter schwierigen Marktbedingungen zu bedienen.
Die Wiederherstellung der durchgängigen Verbindung über München stärkt nicht nur den Flughafen Paderborn/Lippstadt, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Region Ostwestfalen-Lippe. Es ist ein positives Signal in einer Zeit, in der viele regionale Infrastrukturen unter Druck stehen. Die langfristige Stabilität dieses Modells wird jedoch von der fortgesetzten Auslastung der Flüge und der Attraktivität der Anschlußverbindungen abhängen.