Ein Langstreckenflugzeug des Typs Airbus A340-300 der Lufthansa Group hat ein langjähriges Dienstjubiläum im Bereich der meteorologischen Datenerfassung absolviert. Die Maschine mit der Registrierung „D-AIGT“ erfasst im regulären Linienbetrieb seit genau 15 Jahren kontinuierlich atmosphärische Messdaten für das europäische Forschungsprogramm IAGOS.
Der Flug von New York nach Frankfurt markierte den Jahrestag dieser Kooperation, die im Juli 2011 in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Jülich initiiert wurde. Ziel des Programms ist die Bereitstellung präziser Messwerte aus Reiseflughöhen, um globale Atmosphärenmodelle und Wettervorhersagen zu optimieren.
Das Engagement des Luftfahrtkonzerns in der Atmosphärenforschung reicht bis in das Jahr 1994 zurück, als das Vorgängersystem MOZAIC auf Linienflügen zum Einsatz kam. Mittlerweile wurde die Messinfrastruktur innerhalb der Konzernflotte ausgebaut. Neben der genannten Lufthansa-Maschine sind zwei weitere Airbus A330-300 der Tochtergesellschaft Discover Airlines mit den entsprechenden Sonden und Messgeräten ausgestattet, die unterhalb des Cockpits verbaut sind. Die erfassten Daten zu Ozon- und Wasserdampfkonzentrationen werden nach der Landung automatisch an eine zentrale Datenbank des französischen Forschungszentrums CNRS in Toulouse übermittelt. Weltweit nutzen rund 400 Organisationen und meteorologische Dienste diese Informationen.
Luftfahrtexperten und Meteorologen weisen darauf hin, dass die Nutzung von regulären Passagierflugzeugen eine erhebliche Datenlücke schließt, da dedizierte Forschungsflüge oder Satellitenmessungen in den relevanten Flughöhen von neun bis 13 Kilometern oft zu kostspielig oder technisch limitiert sind. Dennoch wird das System auch kritisch betrachtet. Die Installation und das zusätzliche Gewicht der Messgeräte bedeuten für die Fluggesellschaften einen leicht erhöhten Treibstoffverbrauch im täglichen Betrieb. Zudem deckt das weltweite IAGOS-Netzwerk mit derzeit lediglich zehn ausgesetzten Flugzeugen bei acht Fluggesellschaften nur einen Bruchteil der globalen Flugrouten ab, wodurch die Datenbasis geografisch fragmentiert bleibt.
Die Finanzierung des Programms erfolgt zu wesentlichen Teilen durch öffentliche Mittel, unter anderem durch das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie europäische Infrastrukturförderungen. Für die beteiligten Fluggesellschaften bietet die Kooperation neben dem wissenschaftlichen Datengewinn auch Erkenntnisse für die eigene, längerfristige Flugraumplanung. Da sich die Messungen auf Regionen konzentrieren, die für den Strahlungshaushalt der Erde von Bedeutung sind, fließen die Ergebnisse direkt in die Weiterentwicklung von meteorologischen Vorhersagemodellen ein, um Strömungen und Wetterphänomene präziser vorausberechnen zu können.