Die Frankfurter Börsenlandschaft erlebt im September 2025 eine bedeutsame Umwälzung, da der deutsche Aktien-Leitindex Dax eine Neugewichtung erfährt. Wie die Deutsche Börse am Mittwoch in Frankfurt mitteilte, müssen zwei prominente Konzerne den Dax verlassen: der Sportwagenhersteller Porsche und der Pharma- und Laborzulieferer Sartorius. Sie steigen beide in den MDax ab, den Index für mittelgroße Unternehmen.
An ihrer Stelle werden zwei neue Aufsteiger in die erste Börsenliga aufgenommen: der Immobilienplattform-Betreiber Scout24 und der Anlagenbauer Gea. Die Änderungen, die am 22. September wirksam werden, spiegeln die dynamischen Kräfte des deutschen Aktienmarktes wider, wobei die Marktkapitalisierung der frei gehandelten Aktien als entscheidendes Kriterium für Auf- und Abstieg gilt. In der aktuellen Runde wurde auch der Flugkonzern Lufthansa als potentieller Aufstiegskandidat gehandelt, hat es jedoch nicht geschafft, in den Kreis der vierzig größten börsennotierten Unternehmen zurückzukehren.
Die Kriterien des Auf- und Abstiegs
Die Zusammensetzung des Dax, der seit der letzten Reform im Herbst 2021 vierzig Unternehmen umfaßt, wird von der Deutschen Börse vierteljährlich überprüft. Die Entscheidung über die Aufnahme oder den Ausschluß von Unternehmen basiert hauptsächlich auf der Marktkapitalisierung des sogenannten Streubesitzes, also des Wertes der frei gehandelten Aktien. Die jüngsten Veränderungen zeigen, daß selbst etablierte Marken wie Porsche und stark wachsende Unternehmen wie Sartorius nicht vor einem Abstieg gefeit sind, wenn die Kennzahlen eine Umschichtung erforderlich machen. Porsche, das erst vor weniger als einem Jahr nach seinem Börsengang in den Dax aufstieg, muß nun den Platz räumen. Sartorius, das die letzten Jahre eine beeindruckende Wachstumsgeschichte hingelegt hatte, wird ebenfalls in den MDax zurückgestuft.
Die Aufsteiger Scout24 und Gea profitieren von dieser Entwicklung. Scout24 ist in Deutschland durch seine Plattformen im Immobilien- und Automobilsektor weithin bekannt. Die Aufnahme in den Dax wird dem Unternehmen eine höhere Visibilität bei internationalen Investoren verschaffen und seinen Status als wichtiger Akteur der deutschen Digitalwirtschaft untermauern. Auch für den Anlagenbauer Gea, der in der Vergangenheit bereits im Dax notiert war, bedeutet die Rückkehr in die erste Liga eine Bestätigung des erfolgreich eingeschlagenen Weges.
Lufthansa verpaßt die Rückkehr
Besondere Aufmerksamkeit erregte in den vergangenen Wochen die Situation der Lufthansa. Der Flugkonzern, der traditionell zu den Aushängeschildern der deutschen Wirtschaft zählt, mußte im Zuge der weitreichenden Krisenjahre 2020 den Dax verlassen. Damals hatte der Einbruch des Luftverkehrs und die staatliche Rettung des Unternehmens zu einer drastischen Neubewertung der Börsenpapiere geführt. Seit Jahresbeginn haben sich die Aktien der Lufthansa jedoch erholt und eine bemerkenswerte Wertsteigerung erfahren, was Spekulationen über eine baldige Rückkehr in den Dax nährte. Die Entscheidung der Deutschen Börse, Lufthansa vorerst nicht wieder aufzunehmen, zeigt, daß das Unternehmen trotz seiner jüngsten Erholung noch nicht die notwendigen Kriterien zur Aufnahme in den Leitindex erfüllt.
Die Tatsache, daß Lufthansa den Aufstieg erneut verpaßt hat, ist für das Unternehmen ein Prestige-Verlust, auch wenn es für das operative Geschäft keine direkten Auswirkungen hat. Eine Notierung im Dax gilt als Qualitätssiegel und erhöht die Aufmerksamkeit bei global agierenden Investoren und Fonds. Es ist jedoch wichtig zu betonen, daß ein Abstieg nicht endgültig sein muß, wie das Beispiel der Commerzbank belegt. Der Finanzkonzern mußte 2018 aus dem Dax ausscheiden und schaffte im Jahr 2023, auch begünstigt durch die Erweiterung des Index von 30 auf 40 Werte, die Rückkehr. Dieses Beispiel könnte für Lufthansa als Hoffnungsschimmer dienen, daß ein Wiedereinstieg in die erste Börsenliga langfristig möglich ist, sofern die positive Entwicklung des Unternehmens anhält.
Die Relevanz der Index-Veränderungen
Obwohl die Index-Zugehörigkeit eines Unternehmens keine direkten Auswirkungen auf seine Geschäftstätigkeit hat, sind die Umschichtungen an der Börse von großer Bedeutung für den Markt. Insbesondere sogenannte Indexfonds oder ETFs (Exchange Traded Funds), die den Dax eins zu eins abbilden, müssen die Zusammensetzung ihrer Portfolios anpassen. Wenn ein Unternehmen wie Porsche aus dem Dax in den MDax wechselt, müssen diese Fonds ihre Porsche-Aktien verkaufen, um die Anteile der neuen Dax-Mitglieder Scout24 und Gea zu erwerben. Diese Umschichtungen, die im Vorfeld der Wirksamkeit der Änderungen stattfinden, können kurzfristig Einfluß auf die Aktienkurse der betroffenen Unternehmen nehmen. Langfristig jedoch verlieren diese Effekte in der Regel an Bedeutung, da der Kursverlauf eines Unternehmens von seinen fundamentalen Daten abhängt.
Die vierteljährliche Überprüfung des Dax durch die Deutsche Börse ist somit ein Spiegelbild der sich ständig wandelnden deutschen Wirtschaft. Sie zeigt, welche Branchen und Unternehmen an Bedeutung gewinnen und welche an Einfluß verlieren. Die Aufnahme von Scout24 in den Dax unterstreicht die gewachsene Relevanz der digitalen Plattformökonomie, während die Stagnation von Lufthansa die fortwährenden Herausforderungen in der Reisebranche nach den turbulenten Jahren der Pandemie verdeutlicht. Die Anpassung des Dax ist ein fortlaufender Prozeß, der sicherstellt, daß der Index ein repräsentatives Abbild der vierzig größten und wichtigsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland bleibt.