Airbus A320neo (Foto: Cammynz).
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Defektes Bauteil löst Triebwerksabschaltung bei Air New Zealand A320neo aus

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Ein defektes Bauteil in einem Feuerlösch-Bedienfeld führte zu einer ungeplanten Triebwerksabschaltung (uncommanded engine shutdown) an Bord eines Airbus A320neo der Air New Zealand im Dezember 2024. Zu diesem Ergebnis kam die neuseeländische Untersuchungsbehörde für Transportunfälle (TAIC) in ihrem Zwischenbericht.

Der Vorfall, bei dem Flug NZ249 über der Tasmanischen See auf dem Weg von Wellington nach Sydney in eine Notlage geriet und sicher nach Auckland umgeleitet wurde, hat weitreichende Konsequenzen: Die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA hat daraufhin eine Lufttüchtigkeitsanweisung (Airworthiness Directive) erlassen, die die Inspektion und gegebenenfalls den Austausch der betroffenen Feuerlöschanlagen in der weltweiten A320-Flotte vorschreibt. Die Ursache des Defekts wurde auf einen bereits vor der Installation verbogenen Haltestift im Steuerschalter zurückgeführt, was auf unsachgemäße Handhabung durch Zulieferer zurückzuführen ist. Der Vorfall beleuchtet die kritische Bedeutung der Komponentenqualität und -prüfung in der Luftfahrtlogistik.

Der Beinahe-Zwischenfall: Ungeplante Notlage über der Tasmanischen See

Der Vorfall ereignete sich am 1. Dezember 2024, als der Airbus A320neo (Registrierung ZK-NHA) der Air New Zealand, der planmäßig den Passagierflug NZ249 von Wellington nach Sydney durchführte, etwa 40 Minuten nach dem Start ein kritisches Problem meldete. Eines der beiden Pratt & Whitney PW1127GA-JM Triebwerke schaltete sich unvermittelt ab, ohne dass die Piloten eine Eingabe getätigt hatten. Die Besatzung erklärte umgehend den Notfall und leitete das Flugzeug nach Auckland um, wo es sicher landen konnte; es gab keine Verletzten unter den Passagieren und der Crew.

Die nach der Landung durchgeführte Untersuchung durch Airline-Ingenieure brachte die unmittelbare Ursache ans Licht: Der Druckknopfschalter zur Aktivierung der Triebwerksfeuerlöschanlage befand sich in der aktivierten Position. Beide Piloten bestätigten, den Schalter zu keinem Zeitpunkt berührt zu haben. Laut Louise Cook, Chief Investigator of Accidents der TAIC, befindet sich dieser Schalter als Teil eines Bedienfeldes über und hinter den Köpfen von Pilot und Co-Pilot, sodass eine versehentliche Betätigung durch die Crew als unwahrscheinlich galt. Die Untersuchung fokussierte sich auf die technische Fehlfunktion des Schalters selbst.

Technischer Defekt durch unsachgemäße Handhabung

Die TAIC stellte in ihrem Zwischenbericht fest, dass die ungeplante Aktivierung des Feuerlöschschalters auf einen Defekt in einem Bauteil des Feuerkontrollpanels zurückzuführen war, das sich in der Überkopfkonsole (overhead fire panel) befindet. Als Hauptursache wurde ein verbogener Haltestift (retaining pin) identifiziert. Dieser Stift ist dafür verantwortlich, den Schalter in seiner normalen, nicht aktivierten Position zu verriegeln.

Die forensische Analyse ergab, dass der Haltestift bereits vor der Installation des Panels verbogen war, da er „über die akzeptablen Toleranzschwellen hinaus durch Zulieferer falsch gehandhabt wurde.“ Der Schalter war im Flug nicht mehr ausreichend gesichert und sprang aufgrund der im Flug auftretenden Kräfte selbstständig heraus, was die volle Triebwerksabschaltung auslöste. Bei der anschließenden Untersuchung durch den Originalausrüstungshersteller (OEM) Safran in Frankreich wurde festgestellt, dass der beschädigte Haltestift um 2,73 Grad verbogen war – deutlich mehr als die zulässige Toleranz von maximal +/- 1 Grad. Zusätzlich wurden Schäden am Schutzgehäuse des Feuerschalters und Verformungen am vorderen Bedienfeld festgestellt.

Die Geschichte des Panels selbst ist komplex: Obwohl das Flugzeug, eine A320neo (ZK-NHA), zum Zeitpunkt des Vorfalls weniger als sechs Jahre alt war, stammte das fragliche Bedienfeld aus dem Jahr 2015. Es war ursprünglich bis 2018 in einem anderen Air New Zealand Flugzeug (ZK-OHK) installiert, wurde dann zur Reparatur einer fehlerhaften Kontrollleuchte entfernt, repariert und 2020 in die ZK-NHA eingebaut, wo es bis zum Vorfall 2024 ohne Beanstandungen seinen Dienst versah.

Weitreichende Konsequenzen für die globale A320-Flotte

Der Vorfall bei Air New Zealand ist kein Einzelfall. Der TAIC-Bericht verweist auf ähnliche, zuvor aufgetretene Zwischenfälle mit ungeplanten Feuerlöscher-Aktivierungen, die auf Schäden an den Feuerkontrollpanels zurückzuführen waren. Dazu gehören ein Vorfall mit einer TAP Air Portugal A321neo im Oktober 2023, bei dem der portugiesische Unfallermittler GPIAAF vermutete, das Panel sei vor der Installation fallen gelassen worden, wodurch der Haltestift beschädigt wurde. Nur wenige Monate vor dem Air New Zealand Vorfall ereignete sich ein ähnliches Problem bei einer flynas A320neo. Insgesamt wurden fünf weitere derartige Ereignisse dokumentiert, die durch Schäden am Feuerpanel verursacht wurden.

Als Reaktion auf die dokumentierten Sicherheitsbedenken und die Erkenntnisse aus den Untersuchungen hat die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) eine Lufttüchtigkeitsanweisung erlassen. Diese Anweisung verpflichtet Fluggesellschaften weltweit, die entsprechenden Feuerpanels zu inspizieren. Beschädigte Komponenten müssen innerhalb von sechs Monaten ersetzt werden. Der Hersteller Safran hat bereits Service Bulletins herausgegeben und insgesamt 108 Feuerpanels identifiziert, die aus der globalen Flotte zur Inspektion entfernt werden müssen.

Die TAIC merkte in ihrem Bericht an, dass das „volle Ausmaß des Sicherheitsproblems unbestimmt bleibt“, da der gleiche Typ von Feuerpanel in allen Flugzeugen der A320-Familie verwendet wird. Darüber hinaus verwenden andere Großraumflugzeuge von Airbus, wie die A330-, A340-, A350- und A380-Familien, ähnliche Schaltermechanismen, was die Notwendigkeit einer umfassenden Überprüfung der Qualitätskontrollprozesse bei den Zulieferern unterstreicht. Die Luftfahrtindustrie legt größten Wert auf die Qualität von Erstausrüsterteilen; die Häufung dieser Vorfälle, die auf unsachgemäße Handhabung in der Lieferkette zurückgeführt werden, ist ein ernstes Alarmsignal für die gesamte Branche. Der Vorfall zeigt, wie selbst kleinste mechanische Defekte in kritischen Systemen zu ernsthaften Betriebsstörungen führen können.

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