Am vergangenen Sonntag versammelten sich tausende Menschen auf den Kanarischen Inseln, um gegen den Massentourismus zu protestieren. Unter dem Motto „Die Kanarischen Inseln haben eine Grenze“ demonstrierten die Teilnehmer in beliebten Touristengebieten wie Maspalomas auf Gran Canaria, Playa de las Américas auf Teneriffa und dem einzigen Wasserpark auf Fuerteventura. Diese Demonstrationen sind nicht nur ein Ausdruck der Unzufriedenheit mit den Auswirkungen des Massentourismus, sondern auch ein Aufruf zu einer dringend benötigten Wende in der touristischen Entwicklung der Region.
Die Proteste wurden von verschiedenen Umweltgruppen, insbesondere von Ben Magec – Ökologen in Aktion, organisiert. Die Teilnehmer schwenkten Flaggen der Kanarischen Inseln und forderten mit Slogans wie „Die Kanaren stehen nicht zum Verkauf“ und „Genug ist genug“ eine Begrenzung der Touristenzahlen sowie ein striktes Vorgehen gegen die zunehmende Zahl von Ferienwohnungen. Eugenio Reyes Naranjo, ein Sprecher der Umweltgruppe, betonte, dass der Tourismussektor nicht nur zur wirtschaftlichen Prosperität beiträgt, sondern auch Armut, Arbeitslosigkeit und Elend auf den Inseln hervorruft.
Die Schätzungen der lokalen Behörden zufolge nahmen rund 6.500 Menschen auf Teneriffa, 5.000 auf Gran Canaria und mehr als 1.500 auf Lanzarote an den Protesten teil. Die Demonstranten zogen durch belebte Straßen und sammelten sich schließlich am Strand, wo sie lautstark ihre Forderungen äußerten. Dabei sorgten sie für eine spürbare Aufmerksamkeit, während Touristen auf Sonnenliegen entspannten und die Szenerie beobachteten.
Tourismus als zweischneidiges Schwert
Der Massentourismus hat die Kanarischen Inseln, die sich durch ihre einzigartigen Strände, vulkanischen Landschaften und das ganzjährige gute Wetter auszeichnen, zu einem beliebten Reiseziel gemacht. Im Jahr 2023 besuchten rund 16 Millionen Touristen die Inseln, was zu einem Anstieg der Bevölkerung in den touristischen Hotspots und einer Überlastung der lokalen Infrastrukturen geführt hat. Fast 40 Prozent der 2,2 Millionen Einwohner der Kanaren sind im Tourismussektor tätig, der etwa 36 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Region ausmacht.
Obwohl der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig ist, wird er zunehmend als Bedrohung für die lokale Umwelt und die Lebensqualität der Einheimischen wahrgenommen. Die Übernutzung von Ressourcen, die Zunahme von Bauprojekten für neue Hotels und Ferienwohnungen sowie die damit verbundenen Umweltbelastungen sind nur einige der Probleme, die mit dem Massentourismus einhergehen. Die derzeitige Situation erfordert daher dringend ein Umdenken in der touristischen Entwicklung und eine nachhaltige Planung, um die natürliche Schönheit und das kulturelle Erbe der Kanaren zu bewahren.
Forderungen der Demonstranten
Die Demonstranten forderten nicht nur eine Obergrenze für die Touristenzahlen, sondern auch die Regulierung von Ferienwohnungen, die in den letzten Jahren stark zugenommen haben. Viele Einheimische klagen darüber, dass diese Wohnungen die Mietpreise in die Höhe treiben und dadurch das Wohnen auf den Inseln für die lokale Bevölkerung erschweren.
Die Unzufriedenheit mit der aktuellen touristischen Politik der kanarischen Regierung hat sich in den letzten Jahren verstärkt. Während der Klimawandel und andere Umweltprobleme die Region vor neue Herausforderungen stellen, fühlen sich viele Bürger im Stich gelassen und verlangen eine Politik, die nicht nur wirtschaftliche Interessen, sondern auch die Umwelt und die Bedürfnisse der Einheimischen in den Mittelpunkt stellt.
Die Demonstrationen auf den Kanarischen Inseln sind ein starkes Signal an die Entscheidungsträger, dass eine nachhaltige und verantwortungsvolle Tourismuspolitik dringend notwendig ist. Die Kanarischen Inseln stehen vor der Herausforderung, ihre wirtschaftlichen Interessen mit dem Schutz der Umwelt und der Lebensqualität ihrer Einwohner in Einklang zu bringen. Nur durch eine aktive Auseinandersetzung mit den Auswirkungen des Massentourismus kann ein Weg in eine nachhaltige Zukunft gefunden werden.