Über den Wolken (Foto: Jan Gruber).
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Der Azal-Absturz und die Spekulationen über mögliche Ursachen

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Am Mittwoch, dem 26. Dezember 2024, erschütterte ein tragischer Vorfall die internationale Luftfahrtgemeinschaft: Ein Passagierflugzeug, das von Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, nach Grosny in Tschetschenien unterwegs war, stürzte in der Nähe der kasachischen Stadt Aktau ab. 67 Menschen, darunter fünf Besatzungsmitglieder, befanden sich an Bord. Während 29 Insassen das Unglück überlebten, forderte der Absturz 38 Menschenleben. Die Tragödie hat eine Welle von Spekulationen ausgelöst, insbesondere in Bezug auf die mögliche Ursache des Unfalls. Die Ermittlungen laufen, doch die Frage, ob eine äußere Einwirkung – etwa ein Abschuss durch Flugabwehrraketen – den Absturz verursachte, ist nach wie vor unklar.

Das Flugzeug, ein Embraer 190AR der aserbaidschanischen Fluggesellschaft Azerbaijan Airlines, war ursprünglich mit Ziel Grosny in Russland gestartet. Wegen schlechter Wetterbedingungen konnte das Flugzeug jedoch nicht wie geplant landen und nahm Kurs auf einen alternativen Flughafen in der Nähe der kasachischen Stadt Aktau, direkt an der Küste des Kaspischen Meeres. Kurz vor der Landung meldete der Pilot eine Notlage, die in der Luftfahrt als „emergency squawk 7700“ bekannt ist – ein Standardcode für einen schwerwiegenden Notfall.

Videos aus der Nähe des Unglücksortes zeigen das Flugzeug, wie es aus geringer Höhe zwei weite Kreise fliegt, bevor es bei dem Versuch, einen dritten Kreis zu vollziehen, auf dem Boden aufschlug und in Flammen aufging. Augenzeugen berichteten, dass sie das Flugzeug in einer instabilen Fluglage gesehen hätten, was auf eine starke Beschädigung hindeutet. Während die Bergungstrupps die Flugschreiber und weitere Beweismittel sicherten, war die Ursache des Absturzes noch unklar.

Spekulationen über einen möglichen Abschuss

Schon bald nach dem Absturz tauchten verschiedene Theorien auf, die die Ursache des Unglücks infrage stellten. Einige Medien und Beobachter spekulierten, dass das Flugzeug möglicherweise abgeschossen worden sein könnte. Diese Spekulationen stützten sich auf Schäden an der Außenhaut des Flugzeugs, die für einen Vogelschlag oder einen Zusammenstoß mit einem Hindernis als zu ungewöhnlich galten.

Der Vorsitzende des Senats von Kasachstan, Maulen Aschimbajew, wies diese Behauptungen jedoch als unbegründet zurück und sprach von einem „Hype“. Auch der Kreml, der durch seinen Sprecher Dmitri Peskow Stellung nahm, warnte davor, vorschnelle Schlüsse zu ziehen. „Es wäre falsch, eine Hypothese aufzustellen, bevor die Schlussfolgerungen der Untersuchung vorliegen“, betonte Peskow. Die russischen Behörden stellten klar, dass jede Spekulation über einen Abschuss nicht der offiziellen Position entspreche.

In der Ukraine und in Kreisen der russischen Opposition im Ausland jedoch gab es Vorwürfe, dass russische Flugabwehrsysteme möglicherweise die Maschine getroffen haben könnten. Berichte aus dem Nordkaukasus erwähnten ukrainische Drohnenangriffe, die möglicherweise mit dem Vorfall in Verbindung standen. Trotz dieser Aussagen fehlte es jedoch an konkreten Beweisen oder offiziellen Bestätigungen der russischen Behörden, die in solchen Fällen üblicherweise Stellung nehmen.

Weitere mögliche Ursachen: Technisches Versagen oder äußere Einflüsse?

Einflussfaktoren wie technische Probleme oder äußere Einwirkungen könnten ebenfalls eine Rolle gespielt haben. Der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt äußerte Zweifel an der Theorie eines Vogelschlags oder schlechten Wetters. Ein solcher Vorfall, so Großbongardt, sei aus technischer Sicht wenig wahrscheinlich, da das Flugzeug im Falle eines Vogelschlags zwar in der Steuerbarkeit beeinträchtigt werden würde, jedoch nicht die Kontrolle über das Flugzeug verlieren würde. Die Schäden am Flugzeug, die es nahezu unkontrollierbar machten, deuteten eher auf eine andere Art von äußerer Einwirkung hin.

Es gibt auch die Möglichkeit, dass das Flugzeug aufgrund eines technischen Versagens oder eines schweren Fehlers in der Flugsteuerung abstürzte. In jedem Fall wird die Auswertung der Flugschreiber und der Funksprüche zwischen der Maschine und den Luftverkehrskontrollzentren eine wichtige Rolle dabei spielen, die genaue Ursache des Absturzes zu ermitteln.

Der Mensch hinter der Tragödie: Die Opfer des Absturzes

Unter den 67 Insassen befanden sich auch zahlreiche internationale Passagiere. Neben der Mehrheit von Aserbaidschanern waren auch russische, kirgisische und deutsche Staatsangehörige an Bord. Die regionale Gebietsverwaltung von Mangistau, in der Nähe des Unglücksortes, veröffentlichte eine Liste der Verletzten und Toten, auf der unter anderem auch ein elfjähriges Mädchen mit deutscher Staatsangehörigkeit aufgeführt war.

Die Überlebenden wurden teils schwer verletzt, einige wurden mit Sonderflügen nach Russland transportiert, um dort medizinisch behandelt zu werden. Das Unglück hat nicht nur in Kasachstan und Aserbaidschan tiefe Trauer ausgelöst, sondern auch in Russland, wo Trauerfeierlichkeiten und staatliche Trauertage abgehalten wurden. Azerbaijan Airlines hat zwischenzeitlich ihre Flüge in den Nordkaukasus ausgesetzt und erklärte, dass die Leichen der verstorbenen Passagiere und Besatzungsmitglieder zurück nach Aserbaidschan überführt würden.

Ein komplexer Fall, der noch viele Fragen aufwirft

Der Absturz des Passagierflugzeugs nahe Aktau ist eine Tragödie, die eine Vielzahl von Fragen aufwirft. Während die russischen und kasachischen Behörden derzeit eine umfassende Untersuchung durchführen, bleibt die wahre Ursache des Unglücks noch unklar. Die Spekulationen über einen möglichen Abschuss sind ebenso wie die Vermutungen über technische Fehler oder äußere Einflüsse derzeit unbelegt. Die kommenden Wochen werden zeigen, welche Schlüsse aus den Untersuchungen gezogen werden können.

Dieser Vorfall erinnert daran, wie komplex die Ursachen von Flugunfällen sein können und wie wichtig es ist, jede Möglichkeit sorgfältig zu prüfen, bevor Schlussfolgerungen gezogen werden. Die Luftfahrtgemeinschaft und die Angehörigen der Opfer warten gespannt auf die endgültigen Ergebnisse der Ermittlungen.

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