Airbus A350-900 (Foto: N509FZ).
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Der Faustschlag über den Wolken: Wie ein Zwischenfall die Delta Air Lines unter Druck setzt

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Ein regulärer Linienflug von Atlanta nach Fresno wurde im Juli 2025 zum Schauplatz eines außergewöhnlichen und alarmierenden Vorfalls. Ein Passagier wirft einer Flugbegleiterin der Delta Air Lines vor, ihn nach einer verbalen Auseinandersetzung physisch angegriffen zu haben.

Die Anschuldigung, die in einer von der Anwaltskanzlei CEO Lawyer verfassten Beschwerde öffentlich gemacht wurde, hat eine breite Debatte über die Sicherheit in der Kabine, die Rechte der Passagiere und die Ausbildung von Flugbegleitern ausgelöst. Während die genauen Umstände des Streits noch untersucht werden, hat der Fall bereits eine rechtliche Auseinandersetzung angekündigt, die potenziell weitreichende Konsequenzen für das amerikanische Luftfahrtunternehmen haben könnte.

Der Hergang eines eskalierten Konfliktes

Der Vorfall ereignete sich am 29. Juli 2025 an Bord des Delta-Fluges DL 561. Mohammed Shibli, ein palästinensischer Muslim, war mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Kindern auf dem Weg zu einer Familienhochzeit. Der Streit, so die Darstellung der Anwälte, begann, als die Familie Wasser für ihren zweijährigen Sohn zu bekommen versuchte. Eine erste Flugbegleiterin soll die Bitte zunächst abgelehnt haben, da sich der Getränkewagen noch nicht in ihrer Reihe befand. Obwohl eine andere Flugbegleiterin das Wasser später zur Verfügung stellte, schien der Konflikt nicht beigelegt. Laut Shibli habe die erste Flugbegleiterin ihn wiederholt nach seiner Getränkewahl gefragt, woraus sich eine hitzige verbale Auseinandersetzung entwickelte.

Die Situation eskalierte, als, so die Klageschrift, die Flugbegleiterin nach einem vulgären Wortwechsel mit Shibli ihn mit der flachen Hand ins Gesicht schlug. Augenzeugenberichte, die von verschiedenen Nachrichtenagenturen wie Yahoo News und The Independent aufgegriffen wurden, bestätigen die Darstellung, dass es die Flugbegleiterin war, die den Passagier geschlagen hat. Die Schilderung eines weiteren Passagiers, der den Vorfall trotz Lärm-unterdrückender Kopfhörer gehört haben will, deutet auf die Wucht des Schlages hin. Der Passagier Shibli berichtete, er habe sich nach dem Angriff „hilflos“ und „gedemütigt“ gefühlt, da der Flug noch fast vier Stunden dauerte und er in Gegenwart seiner Familie in dieser Situation verharrte.

Delta in der Bredouille: Rechtliche und öffentliche Konsequenzen

Die juristischen Schritte, die Shibli und seine Anwälte angekündigt haben, sind umfassend. Die Kanzlei fordert von Delta Air Lines nicht nur eine Entschädigung von rund 20 Millionen Dollar, was einem Tag Gewinn des Unternehmens entsprechen soll, sondern auch eine Verpflichtung zu Sensibilisierungsschulungen für alle Mitarbeiter, insbesondere im Hinblick auf Palästina. Sollte Delta diesen Forderungen nicht nachkommen, will die Kanzlei eine Klage einreichen. Der Fall stellt für das Unternehmen eine erhebliche Herausforderung dar, da ein solcher Vorfall, wenn er sich wie beschrieben zugetragen hat, eine eklatante Verletzung der internen Protokolle und der professionellen Standards darstellt.

Delta Air Lines hat auf den Vorfall reagiert und die beteiligte Mitarbeiterin bis zur weiteren Untersuchung suspendiert. Laut einer Stellungnahme, die an lokale Medien weitergegeben wurde, nimmt das Unternehmen die Angelegenheit „sehr ernst“. Die Fluggesellschaft will die Angelegenheit intern aufarbeiten. Ein juristischer Prozess könnte für Delta jedoch langwierig und kostspielig werden, da es um mehr als nur um den Vorfall selbst geht. Die Anwälte von Shibli argumentieren, dass das Unternehmen eine Geschichte von „rücksichtslosem und nachlässigem Verhalten“ aufweise. Dies zielt darauf ab, nicht nur die Schuld der Mitarbeiterin, sondern auch eine systemische Verantwortung des Unternehmens nachzuweisen.

Sensible Themen und die Frage nach dem Motiv

Eine zusätzliche Dimension erhält der Fall durch den Hinweis auf die palästinensisch-muslimische Herkunft des Passagiers. Obwohl die genaue Natur der verbalen Auseinandersetzung nicht bekannt ist, wurde bekannt, dass Shibli ein palästinensischer Muslim ist und seine Frau zum Zeitpunkt des Vorfalls ein T-Shirt mit der Aufschrift „Palästina“ trug. Ein anderer Passagier will gehört haben, wie die Flugbegleiterin nach dem Schlag sagte: „Sie haben nicht das Recht, mich so zu nennen.“

Die Klage der Anwälte von Shibli legt nahe, dass der Vorfall auf Diskriminierung zurückzuführen ist. Dies steht im Kontext früherer Kontroversen, in die Delta Air Lines verwickelt war. Im Jahr 2024 hatte das Unternehmen auf einer sozialen Medienplattform auf einen Beitrag reagiert, der Anstecker mit palästinensischen Flaggen als „Hamas-Abzeichen“ bezeichnete. Die Reaktion, die später gelöscht wurde, hatte der Fluggesellschaft Vorwürfe der antipalästinensischen Bigotterie eingebracht und zu einer öffentlichen Entschuldigung geführt.

Die Aufregung um den Konflikt zwischen Palästina und Israel in den Vereinigten Staaten ist weit verbreitet und hat auch am Arbeitsplatz und im öffentlichen Leben zu Spannungen geführt. Eine Studie des Council on American-Islamic Relations (CAIR) aus dem Jahr 2024 ergab, dass die Zahl der gemeldeten Vorfälle von anti-palästinensischer und anti-muslimischer Diskriminierung in den USA signifikant zugenommen hat. Dieser Hintergrund macht es für Fluggesellschaften, die eine diverse Belegschaft und Kundschaft bedienen, besonders schwierig, neutral zu bleiben.

Herausforderungen für das Kabinenpersonal

Der Fall wirft auch Fragen nach den Arbeitsbedingungen und der Ausbildung des Flugpersonals auf. Flugbegleiter stehen oft unter großem Stress, da sie nicht nur für den Service, sondern auch für die Sicherheit und Ordnung an Bord zuständig sind. Statistiken der International Air Transport Association (IATA) zeigen, dass es in den letzten Jahren eine Zunahme von unkooperativen Passagierverhalten gab, von verbalen Beleidigungen bis hin zu physischen Angriffen. Ein Bericht der Federal Aviation Administration (FAA) aus dem Jahr 2023 verzeichnete Tausende von Vorfällen, die ein unordentliches Verhalten von Passagieren dokumentieren.

Der Vorfall mit Mohammed Shibli stellt die Frage, inwieweit Flugbegleiter auf solche Situationen vorbereitet sind und welche Ressourcen ihnen zur Verfügung stehen, um in hitzigen Momenten deeskalierend zu wirken. Während die physische Gewalt der Flugbegleiterin, sofern sie sich wie beschrieben zugetragen hat, in keiner Weise zu rechtfertigen ist, könnte der Fall eine breitere Diskussion über die Notwendigkeit besserer Ausbildungsprogramme und psychologischer Unterstützung für das Kabinenpersonal anstoßen. Die Airlines müssen einen Weg finden, um ihre Mitarbeiter in hochsensiblen und konfliktreichen Situationen besser zu schützen und zu schulen, ohne dabei die Rechte und die Sicherheit der Passagiere zu gefährden.

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