Ein Gebirgszug, der zwei Länder trennt. Ein Bundesland, wo der Großteil bis heute nicht weiß, welche Flugverbindungen sich hinter dem Berg ergeben. Kärnten, Karawanken und der Flughafen Ljubljana.
Zugegebenermaßen erscheint es fast absurd. Eine europäische Hauptstadt, Luftlinie überhaupt nur 65 km von Klagenfurt entfernt, die viele noch nie im Leben besucht haben. Der Flughafen Ljubljana ist bei besten Straßenverhältnissen in knapp über einer Stunde mit dem Auto erreichbar. Und dennoch wird er kaum genutzt, beworben oder auch nur in Erwägung gezogen. Bis auf Geschäftsreisende namhafter Kärntner Industriebetriebe bleibt die Nutzung durch die breite Öffentlichkeit überschaubar.

Der Flughafen Ljubljana hat im Jahr 2026 mittlerweile alles, was ein gut angebundener Flughafen nur haben kann. Er besitzt alle wichtigen europäischen Hubs mit teilweise mehrmals täglichen Verbindungen wie: London Heathrow, Istanbul, Paris Charles de Gaulle, Amsterdam Schiphol, Frankfurt, Madrid, Barcelona, München, Zürich, Brüssel, Warschau sowie im arabischen Raum Dubai. Desweiteren gibt es mehrere Punkt zu Punkt Verbindungen nach Nord- und Südeuropa.
Sieht man sich rein die 10 verkehrsreichsten Flughäfen nach PassagierzahleninEuropa an wird man schnell feststellen, das Ljubljana bis auf Rom-Fiumicino (FCO) an alle neun von zehn Hubs angebunden ist.

Auch wenn der Flughafen 2014 von der deutschen Fraport vollständig übernommen wurde, verfügt er über ein breit gefächertes Destinationsangebot und ist in keiner Weise rein von der Lufthansa Gruppe abhängig. Der letzte große Coup gelang überhaupt erst vor gut einem Jahr – mit der Anbindung von KLM an Amsterdam Schiphol.
An einem gewöhnlichen Freitag sieht die Anzeigetafel über den Tag verteilt wie folgt aus:

Geschichte und mögliche Gründe
Die Karawanken sind eine Gebirgskette, die Kärnten von Slowenien trennt. Ihr höchster Gipfel ist der Hochstuhl mit 2.238 Metern. Wer hier oben wandert, wird mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt – inklusive Blick auf den bekannten „Lake Bled“ und teils bis hinunter zum Flughafen Ljubljana. Auf der anderen Seite überblickt man gefühlt ganz Kärnten. Bei guter Sicht kann man mehrmals pro Stunde Flugzeuge sehen und spätestens beim Landeanflug sind sie am Berg definitiv auch deutlich zu hören.
Geschichtlich hat die gesamte Region auf beiden Seiten der heutigen Grenze sehr viel zu erzählen – im Guten wie im Schlechten. Die Spannungen zwischen den Kärntner Slowenen und Teilen der österreichischen Bevölkerung sind bis heute nicht vollständig aufgearbeitet. Man könnte daher teilweise den Eindruck gewinnen, dass ein bewusstes „Ich möchte mit Slowenien möglichst wenig zu tun haben“ mit ein Grund dafür sein könnte, warum der Flughafen Ljubljana in Kärnten bis heute nicht in der breiten Bevölkerung als selbstverständlicher Abflugort verankert ist. Darüber hinaus ist trotz der Europäischen Union und offener Grenzen vielen bewusst, dass Ausgaben für Flüge von und nach Ljubljana in erster Linie der slowenischen Wirtschaft zugutekommen und damit nicht Kärnten beziehungsweise Österreich geholfen wird.
Weitere Gründe, die oftmals gegen einen Abflug sprechen sind eine teilweise komplizierte Anreise, Mautkosten, fremde Sprache und eine hohe Gefahr für einen Stau vor dem Karawankentunnel oder im Winter Probleme bei den Passübergängen aufgrund der Witterungslage.
Was jedoch immer wieder auffällt, ist der sehr große Anteil jener Menschen, die noch nie vom Flughafen Ljubljana abgeflogen sind. Für viele scheint diese Möglichkeit gar nie wirklich zur Diskussion gestanden zu haben. Bevor man von dort abfliegt, nehmen zahlreiche Kärntnerinnen und Kärntner lieber eine mehrstündige Fahrt nach Wien in Kauf, um von dort aus in die Welt zu reisen.
Interessant ist auch die Tatsache, dass es in Kärnten kaum sichtbare Werbung für den Ljubljana Airport gibt. Weder in Zeitungen noch in anderen Medien wird auf die dortigen Reisemöglichkeiten hingewiesen. Dies deckt sich mit der zuvor beschriebenen Wahrnehmung, dass bei Teilen der Bevölkerung offenbar nach wie vor eine gewisse Distanz gegenüber dem besteht, was sich „hinter dem großen Berg“ – also südlich der Grenze im ehemaligen Jugoslawien – befindet.
Ein Bekannter aus der Reisebranche einer sehr namhaften Airline hat mir kürzlich erzählt, dass er sich im Winter mit zahlreichen Kärntner Reisebüros zusammengesetzt und ihnen die Möglichkeiten ab dem Flughafen Ljubljana vorgestellt hat. Seine größte Verwunderung war dabei, dass viele Reisebüros dieses Angebot überhaupt nicht kannten und überrascht waren, welche Reisemöglichkeiten sich nur wenige Kilometer hinter der Grenze bieten mit einem Umstieg.
Der Flughafen Klagenfurt liegt währenddessen schwer am Boden und verfügt spätestens seit der weitgehenden Einstellung des täglichen Tagesrandfluges mit Austrian Airlines nach Wien – morgens um sechs Uhr von Klagenfurt nach Wien und abends um 23 Uhr zurück – über kein wirkliches Zugpferd mehr für die Geschäftsreisenden in Kärnten.
Zum aktuellen Zeitpunkt kämpft die heimische Austrian Airlines aufgrund der geopolitischen Krisen mit schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen und stellt daher Inlandsverbindungen auf den kompletten Prüfstand. Während Graz-Wien eingestellt wurde, könnte Klagenfurt und Innsbruck bald folgen.
(Dieser Artikel ist weder gesponsert noch soll er den Flughafen Klagenfurt in ein negatives Licht rücken. Vielmehr geht es darum, die vorhandenen Möglichkeiten aufzuzeigen, die sich jenseits eines über 2.000 Meter hohen Gebirges befinden und vielen Menschen in Kärnten bis heute nur wenig bekannt sind!)
Dieser Beitrag wurde verfasst von: Andreas Knoll




