Khartum Airport (Foto: UR-SDV).
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Der Flugverkehr kehrt zurück: Sudans Hauptstadt vor der Wiedereröffnung ihres Flughafens

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Nahezu zweieinhalb Jahre nach seiner kriegsbedingten Schließung steht der internationale Flughafen von Khartum, einst das pulsierende Herz der sudanesischen Luftfahrt, vor seiner Wiedereröffnung. Die sudanesische Regierung, die seit dem Ausbruch des internen Konfliktes im April 2023 ihre Geschäfte provisorisch von Port Sudan ausführte, hat für den kommenden Oktober die Wiederaufnahme des Flugbetriebes angekündigt.

Diese Entscheidung, die von Premierminister Kamel Idris auf einer offiziellen Reise in Kairo bekannt gegeben wurde, ist weit mehr als eine logistische Maßnahme; sie ist ein machtvolles Symbol für die allmähliche Wiedergewinnung der Kontrolle über die verwüstete Hauptstadt. Der Flughafen, der während des Bürgerkrieges zum Schlachtfeld wurde und schwere Schäden erlitt, soll nun eine entscheidende Rolle bei der Erholung der Nation spielen und als Tor zur Welt dienen. Während Reparaturarbeiten mit Hochdruck vorangetrieben werden, bereitet sich auch die staatliche Fluggesellschaft Sudan Airways auf die Rückkehr zu ihrer Basis vor. Die Öffnung des Flughafens markiert einen bedeutenden Meilenstein in der schmerzhaften Reise Sudans aus dem Konflikt, auch wenn in anderen Landesteilen die Kämpfe noch andauern.

Ein Land in den Fängen des Krieges: Die tragische Geschichte des April 2023

Die Stille auf den Rollfeldern des Flughafens von Khartum begann jäh am 15. April 2023, als in der sudanesischen Hauptstadt eine Eskalation von nie dagewesenem Ausmaße ausbrach. Der Auslöser war ein erbitterter Machtkampf zwischen zwei militärischen Fraktionen, den regulären sudanesischen Streitkräften (SAF) unter der Führung von General Abdel Fattah al-Burhan und den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF), kommandiert von Mohamed Hamdan Dagalo, besser bekannt als „Hemedti“. Die RSF, eine ehemals regierungsnahe Miliz, die aus den Dschandschawid-Milizen hervorgegangen war, startete einen koordinierten Angriff mit dem Ziel, die Kontrolle über die Schlüsselgewalt im Land zu erlangen. Strategische Punkte wie der Präsidentenpalast, wichtige Militärbasen und eben auch der internationale Flughafen wurden im Handumdrehen besetzt.

Der Flughafen wurde umgehend zum Zentrum der Kämpfe, da er nicht nur als wichtiger Knotenpunkt für den Luftverkehr galt, sondern auch als strategisch bedeutsame Drehscheibe für Truppenbewegungen und Nachschub. Die Kämpfe um das Gelände dauerten Wochen an, bei denen sowohl die Terminals als auch die Start- und Landebahnen unter Beschuss gerieten. Berichten zufolge nutzten beide Seiten schwere Artillerie, Raketen und Panzer, die die Infrastruktur des Flughafens massiv in Mitleidenschaft zogen. Die Gewalt führte nicht nur zu menschlichen Dramen, sondern hinterließ auch unübersehbare Spuren der Zerstörung. Über 20 zivile Flugzeuge, die sich zum Zeitpunkt des Angriffs auf dem Vorfeld befanden, wurden durch direkte Treffer, Brände oder Schrapnellschaden zerstört oder unwiederbringlich beschädigt. Darunter befanden sich auch Flugzeuge der nationalen Fluggesellschaft Sudan Airways sowie von regionalen Anbietern wie Badr Airlines und Tarco Aviation. Das Schicksal der zivilen Luftfahrzeuge wurde zum Symbol für das Chaos und die Brutalität, die den Krieg fortan prägen sollten. Die RSF nutzte den besetzten Flughafen in der Folge als Basis für ihre weiteren Operationen.

Der lange Weg zur Rückeroberung und Wiederaufbau

Im März dieses Jahres, nach monatelangen erbitterten Kämpfen, gelang es den sudanesischen Streitkräften schließlich, einen entscheidenden Vormarsch zu erzielen. In einer großangelegten Offensive konnten die SAF die meisten RSF-Truppen aus Khartum und seinen wichtigsten Bezirken vertreiben, einschließlich des Präsidentenpalastes und des Flughafens. Mit der Rückeroberung des Geländes begann ein Wettlauf gegen die Zeit, um die beschädigte Infrastruktur wieder in einen Zustand zu versetzen, der einen sicheren Flugbetrieb ermöglicht.

Wie der stellvertretende Oberbefehlshaber der sudanesischen Armee, Ibrahim Jaber, bei einer Ortsbesichtigung am 13. August mitteilte, seien die Reparaturarbeiten an der Start- und Landebahn, den Terminals und den Versorgungsleitungen bereits abgeschlossen. Mit Stolz verwies er auf die Tatsache, dass 85 Prozent der Passagiereinrichtungen wiederhergestellt und auf einen internationalen Standard gebracht worden seien. Das Ausmaß der erforderlichen Arbeiten war enorm. Ingenieure und Bauarbeiter mussten die Piste von Trümmern und Munition säubern, die Risse und Krater, die durch Granateneinschläge entstanden waren, ausbessern und die Befeuerung des Rollfeldes wieder in Funktion setzen. Die Flughafengebäude, die teilweise ausgebrannt waren, mußten entkernt und neu aufgebaut werden. Auch die sensible Infrastruktur des Towers, der Kommunikationssysteme und der Sicherheitsanlagen wurde von Grund auf erneuert. Die Finanzierung dieser gewaltigen Sanierung ist nur durch erhebliche staatliche Mittel und der Unterstützung internationaler Partner möglich, die mit dem Wiederaufbau eine Stabilisierung der Region anstreben.

Ein Symbol der Stabilität: Die Rückkehr der Regierung

Die Wiedereröffnung des Flughafens ist untrennbar mit der Rückkehr der sudanesischen Bundesregierung und der staatlichen Institutionen nach Khartum verbunden. Seit dem Ausbruch der Kämpfe im April 2023 war die Stadt Port Sudan, an der Küste des Roten Meeres gelegen, zum temporären Regierungssitz erklärt worden. Diese Verlagerung war ein notwendiger Schritt, um das Funktionieren des Staates zu gewährleisten, während die Hauptstadt im Chaos versank. Doch das Festhalten an Port Sudan war auch ein schmerzhaftes Zeichen dafür, daß die Regierung die Kontrolle über das Herz des Landes verloren hatte.

Die jetzt geplante Rückkehr der Regierung nach Khartum im Oktober ist daher ein starkes Signal, daß die Staatsmacht die Kontrolle über die Hauptstadt zurückgewonnen hat. Die Wiedereröffnung des Flughafens ist der logische nächste Schritt, um die Anbindung der Regierung an die Welt und an ihre diplomatischen Partner zu gewährleisten. Seit August 2023 war der sudanesische Luftraum für den kommerziellen Flugverkehr wieder freigegeben worden, doch die Flüge waren auf den internationalen Flughafen von Port Sudan beschränkt, der jedoch nur über eine begrenzte Kapazität und eine veraltete Infrastruktur verfügt. Die Rückkehr der Airlines nach Khartum wird eine wesentliche Verbesserung der Infrastruktur für Regierungsvertreter, Entwicklungshelfer, Journalisten und Geschäftsleute bedeuten, die sich mit dem Wiederaufbau und der Stabilisierung Sudans befassen.

Die Neugeburt von Sudan Airways

Auch für die nationale Fluggesellschaft Sudan Airways, die ebenfalls durch den Konflikt stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, bedeutet die Wiedereröffnung des Flughafens einen Neuanfang. Seit dem Beginn der Kämpfe war die Fluggesellschaft, deren Flugzeuge zum Teil auf dem Rollfeld des Flughafens Khartum zerstört wurden, gezwungen, ihre Operationen einzustellen oder stark zu reduzieren. Ihr Personal wurde aus Sicherheitsgründen in die saudi-arabische Hauptstadt Riad verlegt, von wo aus die verbliebenen Flüge operiert wurden.

Die nun angekündigte Wiederaufnahme des Betriebes ab Khartum ist ein klares Zeichen, dass sich die Fluglinie von den verheerenden Verlusten erholen und ihre strategische Rolle als nationale Fluggesellschaft wieder aufnehmen kann. Berichten zufolge kehren die Mitarbeiter von Sudan Airways aus Riad zurück in ihre Heimat, um die Vorbereitungen für den Flugbetrieb zu treffen. Die Wiederaufnahme der Flüge wird die Möglichkeit bieten, die Flugverbindungen zu den wichtigsten Städten in der Region wieder herzustellen und damit die Isolation des Landes zu beenden.

Ein Ausblick in die Zukunft: Hoffnung trotz anhaltender Kämpfe

Während die Wiedereröffnung des Flughafens Khartum ein Zeichen der Hoffnung ist, darf nicht vergessen werden, daß der Konflikt in anderen Teilen Sudans weiterhin tobt. Die Vertreibung der RSF-Truppen aus der Hauptstadt bedeutet nicht, daß der Krieg beendet ist. In anderen Regionen des Landes dauern die Gefechte an, was die humanitäre Krise weiter verschärft. Dennoch ist die Rückkehr von Ruhe und Ordnung in der Hauptstadt ein entscheidender Schritt. Sie legt den Grundstein für einen umfassenderen Wiederaufbau und ermöglicht es der Regierung, sich auf die dringendsten Herausforderungen zu konzentrieren: die Stabilisierung der politischen Lage, die Versorgung der Bevölkerung und die Wiederherstellung der Wirtschaft. Die Öffnung des Flughafens Khartum ist ein erster, wichtiger Akt in diesem langwierigen Prozeß. Es ist ein Akt, der die Hoffnung nährt, daß das Land langsam, aber stetig aus den Schatten des Krieges zurückkehren wird. Die Weltgemeinschaft wird die Ereignisse auf dem Rollfeld von Khartum aufmerksam verfolgen, in der Hoffnung, daß dieser erste Schritt der Vorbote für einen andauernden Frieden im Sudan ist.

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