Mumbai aus der Vogelperspektive (Foto: Pixabay).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Der Himmel öffnet sich wieder: Indien und China nehmen Direktflüge auf

Werbung

Nach einer fünfjährigen Pause, die durch angespannte diplomatische Beziehungen geprägt war, haben Indien und China eine wegweisende Vereinbarung zur Wiederaufnahme direkter Flugverbindungen getroffen.

Diese Einigung, die während des offiziellen Besuches des chinesischen Außenministers Wang Yi in der indischen Hauptstadt erzielt wurde, markiert einen bedeutenden Schritt in den Bemühungen der beiden bevölkerungsreichsten Nationen der Welt, ihre zerrütteten Beziehungen wieder aufzubauen. Die Normalisierung des Flugverkehrs wird als entscheidendes Signal für eine breitere Entspannung zwischen den asiatischen Großmächten gewertet und könnte weitreichende positive Folgen für Handel, Wirtschaft und zwischenmenschliche Beziehungen haben. Neben der Wiederbelebung der Flugrouten haben sich die Regierungen auch auf eine erleichterte Visa-Vergabe für Geschäftsleute, Touristen und Medienvertreter geeinigt, was die Hoffnung auf eine nachhaltige Stabilisierung der bilateralen Beziehungen nährt.

Die lange Eiszeit und ihre Ursprünge

Die Entscheidung, den direkten Flugverkehr zwischen den beiden Staaten zu unterbrechen, wurzelte in einer Reihe von Vorkommnissen, die die Beziehung zwischen Neu-Delhi und Peking auf einen Tiefpunkt geführt hatten. Die Spannungen eskalierten dramatisch im Juni 2020, als es im Galwan-Tal in der umstrittenen Ladakh-Region an der Grenze zwischen den beiden Ländern zu einer gewaltsamen Konfrontation zwischen indischen und chinesischen Streitkräften kam. Obwohl keine Schüsse fielen, starben Dutzende von Soldaten auf beiden Seiten bei Handgemengen und Auseinandersetzungen mit Stöcken und Steinen, ein Ereignis, das die nationalen Gefühle auf beiden Seiten zutiefst verletzte. Dieser Vorfall schuf ein Klima des Misstrauens, das in den folgenden Jahren nur langsam abgebaut werden konnte.

Eine weitere, unmittelbarere Ursache für die Unterbrechung des Luftverkehrs war ein scheinbar wirtschaftlich motivierter Konflikt im Dezember 2020. China verweigerte zwei indischen Frachtschiffen, die mit 39 Seeleuten an Bord vor seinen Küsten lagen, die Einfahrt. Dieser Streit, der von der indischen Seite als eine bewußte Schikane interpretiert wurde, führte zu einer informellen Anweisung der indischen Luftfahrtbehörden an die Airlines, keine chinesischen Staatsbürger mehr an Bord ihrer Flugzeuge zu lassen, die nach Indien reisen wollten. Obwohl die indische Regierung nie eine offizielle und öffentliche Bekanntmachung über ein Reiseverbot für chinesische Staatsangehörige herausgab, wirkte die Anordnung als ein effektives Reiseverbot und führte zur Einstellung der Direktflüge. Die ohnehin schon durch die globale Pandemie eingeschränkten Flugverbindungen kamen damit vollständig zum Erliegen.

Diplomatie als Wegbereiter der Wiederannäherung

Der jetzigen Einigung gingen umfangreiche diplomatische Bemühungen voraus, die auf beiden Seiten von einem pragmatischen Interesse an der Deeskalation getragen wurden. Der Besuch von Außenminister Wang Yi war der erste seiner Art in den letzten drei Jahren und symbolisiert den ernsten Willen, die angespannte Lage zu entschärfen. Wang Yi traf dabei mit Premierminister Narendra Modi zusammen, ein Treffen, das von beiden Seiten als „positiv, konstruktiv und zukunftsorientiert“ beschrieben wurde. In den Gesprächen wurden nicht nur die bilateralen, sondern auch regionale und internationale Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse erörtert. Die Hauptakteure der beiden Nationen waren sich einig, daß eine stabile und vorhersehbare Beziehung zwischen ihnen einen signifikanten Beitrag zum regionalen wie auch globalen Frieden und Wohlstand leisten würde.

Die jüngsten politischen Entwicklungen auf globaler Ebene, insbesondere die von US-Präsident Donald Trump verfolgte Außenpolitik und die damit verbundenen hohen Exportzölle, schufen einen zusätzlichen Anreiz für Peking und Neu-Delhi, ihre eigenen Beziehungen zu stärken. Eine Entspannung des Verhältnißes mit dem Nachbarland bietet beiden Staaten die Möglichkeit, sich auf andere geopolitische und wirtschaftliche Herausforderungen zu konzentrieren. Die gemeinsame Erklärung, „Frieden und Ruhe in den Grenzregionen gemeinsam aufrechtzuerhalten“, zeigt, daß beide Seiten bereit sind, die zentralen Streitpunkte nicht länger die gesamte Beziehung dominieren zu lassen. Der chinesische Botschafter in Indien, Xu Feihong, betonte in einem öffentlichen Statement, daß aus den Höhen und Tiefen der Vergangenheit Lehren gezogen werden könnten. Er bekräftigte, daß die beiden Staaten sich als Partner und nicht als Rivalen sehen sollten.

Wirtschaftlicher Impuls und die Rolle des Flugverkehrs

Die Wiederaufnahme der Flugverbindungen und die Erleichterung des Visum-Prozesses sind von immenser wirtschaftlicher Bedeutung für beide Staaten. Bis zum Beginn der Spannungen waren Indien und China wichtige Handelspartner mit einem bilateralen Handelsvolumen, das die 100-Milliarden-Dollar-Marke überschritt. Jedoch ist der Handel durch ein massives Ungleichgewicht zugunsten Chinas gekennzeichnet. Die Spannungen der vergangenen Jahre und die von beiden Seiten verhängten Zölle und Handelsbeschränkungen hatten die wirtschaftliche Zusammenarbeit behindert. Die Wiederherstellung der Flugkonnektivität und die Erleichterung der Visavergabe sind nun entscheidende Faktoren, um den Fluss von Geschäftsreisenden, Investoren und Experten zu erleichtern.

Die Direktflüge werden die Reisezeit zwischen den großen Metropolen wie Peking, Shanghai und Guangzhou in China und Neu-Delhi, Mumbai und Bengaluru in Indien erheblich verkürzen. Vor der Unterbrechung war die Flugverbindung zwischen Indien und China überaus frequentiert, mit zahlreichen Flügen pro Woche, die sowohl Passagiere als auch Fracht beförderten. Die nun getroffene Vereinbarung wird es den Fluggesellschaften beider Länder ermöglichen, ihre profitablen Strecken wieder aufzunehmen und damit einen wichtigen Beitrag zum Aufschwung des Luftverkehrs zu leisten. Die Wiederaufnahme der Flugverbindungen und die erleichterten Visabedingungen senden ein starkes Signal an die wirtschaftlichen Akteure, daß die Reise zwischen den beiden Ländern wieder verlässlich wird.

Ein neuer Abschnitt in der bilateralen Beziehung

Die Einigung auf die Wiederaufnahme der Flüge ist ein symbolischer und praktischer Schritt, der das Bestreben beider Regierungen untermauert, die bilateralen Beziehungen zu stabilisieren. Die positiven Äußerungen von Premierminister Modi, der seit seinem Treffen mit Präsident Xi im Oktober 2024 eine „stete Verbesserung“ im Verhältnisse bemerkt, unterstreichen, daß die Annäherung auf höchster Ebene gewünscht ist. Diese Entspannung ist nicht nur für die beiden Staaten von Bedeutung, sondern auch für die gesamte asiatische Region, die von der wirtschaftlichen und politischen Stabilität der beiden Großmächte abhängig ist. Die strategische Vereinbarung, sich als Partner und nicht als Rivalen zu sehen, könnte als Grundlage für eine langfristige Zusammenarbeit dienen.

Die Wiederaufnahme des Flugverkehrs wird auch eine wichtige Rolle im Tourismus und im zwischenmenschlichen Austausch spielen, der in den letzten Jahren aufgrund der Visa-Beschränkungen und des fehlenden Flugangebots nahezu zum Erliegen kam. Beide Seiten erhoffen sich, daß die erleichterte Visa-Vergabe den Austausch von Studenten, Forschern und Künstlern wiederbeleben wird. Es bleibt abzuwarten, wie schnell die Fluggesellschaften ihre Flugpläne anpassen und die Strecken wieder in Betrieb nehmen werden. Die Vereinbarung, ein aktualisiertes Luftverkehrsabkommen zu finalisieren, zeigt jedoch, daß die Absicht beider Regierungen, die Beziehungen langfristig auf solider Grundlage aufzubauen, von Ernsthaftigkeit geprägt ist.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung