Die staatliche Fluggesellschaft Cabo Verde Airlines steht erneut vor erheblichen Herausforderungen, nachdem sie gezwungen war, ihren Flugbetrieb teilweise einzustellen. Die Stilllegung von zwei im Wet-Lease betriebenen Flugzeugen am 31. August 2025 infolge zweier voneinander unabhängiger Zwischenfälle hat die ohnehin fragile operative Situation des Unternehmens weiter verschärft.
Während sich die Fluggesellschaft um eine schnelle Lösung durch die Aushandlung neuer Wet-Lease-Verträge bemüht, ist dies bereits die dritte operationelle Störung innerhalb eines Monats, die auf Flotten- und Kapazitätsengpässe zurückzuführen ist. Diese wiederkehrenden Probleme beeinträchtigen nicht nur den regulären Flugplan, sondern werfen auch Fragen über die Stabilität und Zuverlässigkeit der nationalen Fluglinie auf, die für die Anbindung der Inseln des Archipels von entscheidender Bedeutung ist.
Zwei Zwischenfälle, zwei Flugzeuge am Boden
Am 31. August ereigneten sich am Flughafen von Praia zwei Zwischenfälle, die zur sofortigen Stilllegung von zwei Flugzeugen führten. Betroffen waren die Flugzeuge LY-JUP, eine ATR72-500, die von der Fluggesellschaft Jump Air im Wet-Lease betrieben wurde, und ZS-DHA, eine DHC-8-Q300, die von CemAir stammte. Während die genaue Natur der Zwischenfälle nicht öffentlich gemacht wurde, versicherte Cabo Verde Airlines in einem Update über soziale Medien, daß alle Passagiere sicher an Bord des Fluges VR4501 und VR4204 von Praia aus von Bord gegangen seien. Seitdem sind die Maschinen laut Flugverfolgungsdaten nicht mehr in Betrieb gewesen. Die Fluggesellschaft hat eine Untersuchung der Vorfälle eingeleitet und ein spezielles Team eingesetzt. Die Konsequenzen dieser Zwischenfälle sind jedoch weitreichend, da sie die ohnehin begrenzte Flotte der Fluggesellschaft weiter dezimieren.
Die Praxis des Wet-Lease, bei dem eine Fluggesellschaft ein Flugzeug samt Besatzung, Wartung und Versicherung von einem anderen Betreiber mietet, ist in der Luftfahrtindustrie weit verbreitet, um Kapazitätsengpässe zu überbrücken. Für Cabo Verde Airlines, deren eigene Flotte aus lediglich einer Boeing 737-700 und einer Boeing 737-8 besteht, waren diese geleasten Maschinen von entscheidender Bedeutung für die Aufrechterhaltung des nationalen und regionalen Flugplans. Der plötzliche Ausfall der beiden Flugzeuge hat die Fluglinie gezwungen, kurzfristig nach Ersatz zu suchen, um die drohenden Ausfälle zu minimieren.
Chronische Störungen und limitierte Kapazitäten
Die jüngsten Zwischenfälle reihen sich in eine Reihe von operativen Problemen ein, die Cabo Verde Airlines in den letzten Wochen geplagt haben. Es ist bereits die dritte größere Störung im laufenden Monat. Zuvor sah sich die Fluggesellschaft bereits mit Problemen konfrontiert, die auf ihre Flottenbeschränkungen und technische Hürden an mehreren Flughäfen zurückzuführen waren. Am 1. September 2025 kündigte die Fluglinie temporäre Einschränkungen ihres nationalen Flugplans an, weil die Flughäfen von São Vicente und Sal nicht in der Lage waren, die In-House-Flotte der Boeing 737 effizient abzufertigen. Insbesondere die Strecken zwischen Praia und São Vicente, Sal und São Filipe waren von den Einschränkungen betroffen.
Die Probleme der Cabo Verde Airlines sind jedoch keine Neuheit. Die Fluggesellschaft kämpft seit Jahren mit finanziellen und operativen Herausforderungen. Eine strategische Neuausrichtung unter der Regierung, die die Fluglinie wieder vollständig verstaatlicht hat, sollte die Wende bringen. Ziel war es, die Fluggesellschaft als eine tragfähige und zuverlässige nationale Fluglinie zu etablieren. Dennoch zeigen die wiederkehrenden Zwischenfälle und Einschränkungen, daß der Weg zur operativen Stabilität noch lang ist. Die Abhängigkeit von Wet-Lease-Verträgen birgt Risiken, wie die jüngsten Ereignisse deutlich machen.
Die Suche nach einer Lösung und die Bedeutung für das Land
Angesichts der prekären Lage hat Cabo Verde Airlines nach eigenen Angaben ein Team damit beauftragt, die Zwischenfälle zu untersuchen. Gleichzeitig laufen Verhandlungen über zwei neue Wet-Lease-Verträge mit nicht näher benannten Betreibern. Die Dringlichkeit dieser Verhandlungen ist offensichtlich, da die Fluggesellschaft ohne die Kapazitäten der geleasten Flugzeuge ihren nationalen Flugplan nicht aufrechterhalten kann. Die Fluggesellschaft ist von zentraler Bedeutung für die Wirtschaft und die Mobilität der Bürger der Kap Verden, einem Archipel, das stark vom Tourismus und der Anbindung der einzelnen Inseln abhängig ist.
Ein stabiler und zuverlässiger Flugbetrieb ist daher nicht nur eine Frage des Unternehmenserfolges, sondern eine Angelegenheit von nationaler Tragweite. Die Störungen in den letzten Wochen haben nicht nur das Vertrauen der Passagiere erschüttert, sondern auch die wirtschaftliche Anbindung der Inseln gefährdet. Die Fähigkeit der Fluggesellschaft, die Krise zu bewältigen und die operativen Probleme langfristig in den Griff zu bekommen, wird daher entscheidend für die Zukunft der Luftfahrt im Inselstaat sein. Es bleibt abzuwarten, welche Flugzeugtypen die neuen Verträge mit sich bringen und wie schnell die Fluggesellschaft ihre Kapazitäten wiederherstellen kann, um den Flugbetrieb zu normalisieren.