Die Dertour Group, einer der größten Reiseveranstalter im deutschsprachigen Raum, leitet eine signifikante Veränderung in ihrem Produktportfolio ein. Ab November wird das Unternehmen keine Ausflüge und Attraktionen mehr anbieten, die das natürliche Verhalten von Meeressäugern beeinträchtigen. Diese Entscheidung, die ab November in Kraft tritt, ist Teil einer umfassenden, konzernweiten Tierschutzstrategie und zielt darauf ab, verantwortungsvollen Tourismus zu fördern.
Im Kern der neuen Strategie steht der vollständige Verzicht auf touristische Angebote, die direkten Kontakt zwischen Menschen und Meeressäugern herstellen. Konkret fallen Aktivitäten wie das beliebte Delfinschwimmen aus dem Programm. Ebenso werden Shows und Attraktionen gestrichen, in denen Tiere zu unnatürlichem Verhalten gezwungen werden. Dies betrifft auch das sogenannte Beaching, bei dem Meeressäuger zu Unterhaltungszwecken das Wasser verlassen müssen.
Die Konsequenzen dieser Neuausrichtung sind weitreichend und betreffen auch international bekannte und touristisch hoch frequentierte Einrichtungen. Damit setzt die Dertour Group ein deutliches Zeichen in der Reisebranche, das über die eigenen Angebote hinaus Signalwirkung entfalten könnte.
Tierschutzstrategie folgt internationalen Standards
Die Entscheidung der Dertour Group basiert auf einer umfassenden Tierschutzstrategie, die in Kooperation mit anerkannten Tierschutzexperten entwickelt wurde. Das Unternehmen orientiert sich dabei an den globalen Tierwohlstandards der British Travel Association (abta), die als eine der maßgeblichsten Richtlinien im internationalen Tourismus gelten. Die einheitliche Umsetzung dieser Standards im gesamten Konzern soll die Ernsthaftigkeit der Verpflichtung unterstreichen.
Die Maßnahme trifft große und namhafte Tierparks, deren Angebote bislang fester Bestandteil vieler Reisekataloge waren. Genannt werden explizit Einrichtungen wie Seaworld in Orlando, Florida, und der Loro Parque auf Teneriffa. Diese Parks gehören zu den meistbesuchten Touristenattraktionen weltweit und verfügen über umfassende Programme mit Meeressäugern. Der Rückzug eines großen europäischen Reiseveranstalters aus der Vermarktung dieser spezifischen Angebote kann für diese Einrichtungen eine finanzielle und imagemäßige Herausforderung darstellen.
Der Wandel im touristischen Angebot der Dertour Group spiegelt einen breiteren Trend in der europäischen Reisebranche wider. Seit Jahren wächst die Sensibilität der Verbraucher und Reiseveranstalter gegenüber Tierwohlfragen. Ähnliche Schritte wurden bereits in der Vergangenheit von anderen großen Reisekonzernen im Bezug auf Elefantenreiten oder Shows mit anderen Wildtieren unternommen. Die Fokussierung auf Meeressäuger markiert nun einen nächsten konsequenten Schritt in dieser Entwicklung.
Der Fokus auf verantwortungsvolle Wildtierbeobachtung
Anstelle der gestrichenen Angebote setzt die Dertour Group künftig auf tierfreundliche Alternativen. Im Mittelpunkt steht die verantwortungsvolle Beobachtung von Meeressäugern in freier Wildbahn. Solche Ausflüge sind darauf ausgelegt, die Tiere in ihrem natürlichen Habitat zu erleben, ohne sie zu bedrängen oder zu stören.
Für Reiseveranstalter bedeutet dies die Etablierung strenger Regeln für die Durchführung von Walsafaris oder Delfinbeobachtungen. Dazu gehören die Einhaltung vorgeschriebener Mindestabstände, eine Begrenzung der Beobachtungszeit und die Vorgabe einer niedrigen Annäherungsgeschwindigkeit der Boote. Die Dertour Group setzt hier auf die Zusammenarbeit mit lokalen Anbietern, die entsprechende Zertifizierungen und Schulungen nachweisen können.
Diese strategische Neuausrichtung zielt darauf ab, den Kunden weiterhin spannende Tiererlebnisse zu ermöglichen, dabei jedoch die Integrität und das Wohlergehen der Tiere zu respektieren. Die Nachfrage nach authentischen, nicht-invasiven Tierbegegnungen in der Natur ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, weshalb die Umstellung des Portfolios auch eine Anpassung an veränderte Kundenpräferenzen darstellt.
Hintergrund: Die Rolle der Dertour Foundation
Die Dertour Group unterstreicht ihren Anspruch, im Rahmen ihrer Tierschutzstrategie auch über die reinen Produktstreichungen hinauszugehen. Über die gemeinnützige Dertour Foundation unterstützt der Konzern gezielt Hilfsprogramme in touristischen Zielgebieten.
Diese Programme sind breit gefächert und umfassen unter anderem den Schutz der Nist- und Schlüpfphase von Meeresschildkröten an Küstenabschnitten in der Türkei. Solche Initiativen tragen dazu bei, die Populationen dieser vom Aussterben bedrohten Tierart zu sichern. Obwohl dieser Fokus auf Meeresschildkröten im breiteren Kontext der Tierschutzstrategie steht, ist er ein direktes Engagement in Regionen, in denen der Tourismus einen großen Einfluss hat.
Die Stiftung fokussiert sich generell auf soziale und wissenschaftliche Projekte in Tourismusregionen, die die lokale Bevölkerung und die natürliche Umgebung unterstützen. Durch die gezielte finanzielle Förderung von Schutzprojekten im Kontext des maritimen Lebens will die Dertour Group eine Brücke zwischen dem kommerziellen Reisebetrieb und dem Schutz bedrohter Tierarten und ihrer Lebensräume schlagen.
Die Entscheidung der Dertour Group, Attraktionen mit Meeressäugern aus dem Programm zu nehmen, ist ein deutliches Signal an die gesamte Branche und die betroffenen Betreiber, die eigenen Standards kritisch zu überprüfen und sich den veränderten ethischen und kommerziellen Anforderungen des modernen Tourismus zu stellen.