Der deutsche Reiseveranstalter Dertour verzeichnete in der Sommersaison 2026 eine Verschiebung der Buchungsmuster hin zu kurzfristigeren Reiseentscheidungen. Wie die Auswertung der Buchungsdaten der Marken Dertour, ITS, Meiers Weltreisen und Travelix für den Zeitraum von Juni bis Ende September zeigt, stieg der Last-Minute-Anteil um 2,5 Prozentpunkte auf 28,5 Prozent.
Trotz dieses Anstiegs blieben Frühbuchungen mit einem Anteil von 39 Prozent das stärkste Segment. Nach einer von hohen Buchungszahlen geprägten Frühbucherphase zu Jahresbeginn führte die geopolitische Unsicherheit in den Folgemonaten zu spürbarer Zurückhaltung, bevor ab Juni eine Welle an Spontanbuchungen einsetzte. Insgesamt lag das Buchungsaufkommen jedoch unter dem Niveau des Vorjahres.
Bei der Zielgebietsverteilung im Kurz- und Mittelstreckenbereich behauptete die Türkei die Spitzenposition vor Spanien und Griechenland. Während Ägypten leichte Zugewinne verbuchen konnte, verzeichneten Spanien und Deutschland rückläufige Zahlen. Im Fernstreckenbereich blieben die Destinationen im Indischen Ozean, gefolgt von Nordamerika und Thailand, am stärksten nachgefragt. Die Vereinigten Arabischen Emirate fielen infolge der regionalen Krisen von Platz vier auf Rang sieben zurück. Hingegen verzeichneten Destinationen wie das Südliche Afrika, Australien, Vietnam und Japan überdurchschnittliche Zuwächse, was Branchenkenner auf eine steigende Nachfrage nach Rund- und Erlebnisreisen zurückführen.
Trotz hoher Sommertemperaturen in Südeuropa blieb die Nachfrage nach kühleren Zielgebieten, der sogenannte Coolcation-Trend, überschaubar. Nordeuropäische Ziele verzeichneten zwar teilweise höheres Wachstum als der Gesamtmarkt, der klassische Badeurlaub im Mittelmeerraum blieb jedoch die dominierende Reiseform. Das Buchungsverhalten hinsichtlich Verpflegung und Unterbringung erwies sich als konstant: 57 Prozent der Kunden entschieden sich für All-inclusive-Angebote, während jede dritte Buchung auf das Fünf-Sterne-Segment entfiel. Der Markt für Luxusreisen entwickelte sich dabei stabiler als der breite Gesamtmarkt.
Branchenbeobachter verweisen darauf, dass die gestiegene Quote von Kurzfristbuchungen Reiseveranstalter vor erhebliche Herausforderungen im Kapazitätsmanagement stellt. Die Steuerung von Flug- und Hotelkontingenten wird bei volatilen Nachfrageverläufen komplexer und birgt betriebswirtschaftliche Risiken. Um Auslastungsausfälle zu vermeiden, müssen Veranstalter verstärkt mit flexiblen Preismodellen arbeiten, was bei anhaltendem Kostendruck in der Luftfahrt- und Beherbergungsbranche die Ertragsmargen im Sommergeschäft belasten kann.