Die sechs österreichischen Verkehrsflughäfen verzeichneten im Zeitraum von Januar bis September 2026 ein spürbares Absinken des Passagieraufkommens.
Wie aus den am 20. Oktober 2026 von der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Verkehrsflughäfen (AÖV) vorgelegten Quartalszahlen hervorgeht, fertigten die Standorte Wien, Salzburg, Innsbruck, Graz, Linz und Klagenfurt in den ersten drei Quartalen des Jahres insgesamt 26,7 Millionen Passagiere ab. Dies entspricht einem Rückgang von 3,8 Prozent beziehungsweise einem Verlust von über einer Million Fluggästen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Während das erste Quartal 2026 noch mit einem leichten Zuwachs von 1,8 Prozent abschloss, kehrte sich die Entwicklung in den Folgemonaten ins Negative um. Im zweiten Quartal sank das Aufkommen um 6,0 Prozent und im dritten Quartal, das die Hauptreisezeit des Sommers umfasst, um 5,5 Prozent. Die Branchenvertretung führt den Trend maßgeblich auf die Höhe der nationalen Flugabgabe zurück, die die Kostenseite für Fluggesellschaften im Vergleich zum benachbarten Ausland belaste und die Forderung nach deren vollständiger Abschaffung oder Absenkung erneuerte.
Verschärfung des Abwärtstrends im Jahresverlauf und betriebliche Kennzahlen
Die Auswertung der Dreimonatsabschnitte verdeutlicht die Dynamik im Jahresverlauf. Von Januar bis März 2026 wurden an den österreichischen Verkehrsflughäfen 7.449.504 Reisende gezählt (+1,8 Prozent). Im zweiten Quartal ging das Aufkommen auf 8.964.392 Passagiere zurück (-6,0 Prozent), gefolgt von 10.272.547 Fluggästen im Sommervierteljahr von Juli bis September 2026 (-5,5 Prozent).
Die Anzahl der Flugbewegungen im Linien- und Gelegenheitsverkehr reduzierte sich im selben Zeitraum um 5,3 Prozent auf insgesamt 201.707 Starts und Landungen. Der stärkere Rückgang bei den Bewegungen im Vergleich zur Passagierzahl deutet auf eine gestiegene durchschnittliche Sitzplatzauslastung der eingesetzten Maschinen hin. Eine Ausnahme von der rückläufigen Tendenz bildete das Frachtgeschäft: Das Luftfrachtaufkommen stieg in den ersten drei Quartalen 2026 leicht um 1,2 Prozent auf insgesamt 281.950 Tonnen an.
Regionale Verteilung und Entwicklungen an den sechs Standortflughäfen
Die detaillierte Betrachtung zeigt deutliche Unterschiede zwischen dem Hauptstadtdrehkreuz Wien und den regionalen Bundesländer-Flughäfen. Der Flughafen Wien-Schwechat verzeichnete als größter Standort des Landes einen Rückgang der Passagierzahlen um 4,5 Prozent auf 23.478.801 Fluggäste (Vorjahr: 24.572.482). Die Flugbewegungen in Wien gingen um 5,0 Prozent auf 172.547 Starts und Landungen zurück.
Gegen den bundesweiten Trend entwickelten sich die westösterreichischen Flughäfen. Der Flughafen Salzburg verzeichnete von Januar bis September 2026 ein Wachstum von 5,0 Prozent auf 1.473.274 Passagiere, bei 11.353 Flugbewegungen (-3,0 Prozent). Auch der Flughafen Innsbruck schloss den Zeitraum positiv ab und verzeichnete 772.889 Reisende (+4,6 Prozent) bei 5.999 Starts und Landungen (-3,7 Prozent).
Eine weitgehend unveränderte Auslastung wies der Flughafen Graz auf, an dem 636.951 Passagiere abgefertigt wurden (-0,2 Prozent) und die Flugbewegungen um 4,1 Prozent auf 7.689 sanken. Signifikante Rückgänge mussten dagegen die kleineren Regionalstandorte hinnehmen: Der Flughafen Linz verzeichnete einen Einbruch des Fluggastaufkommens um 13,3 Prozent auf 197.222 Reisende bei 2.741 Flugbewegungen (-28,1 Prozent). Am Flughafen Klagenfurt sank die Zahl der Passagiere um 11,7 Prozent auf 127.412 Fluggäste, während die Starts und Landungen um 17,7 Prozent auf 1.378 Bewegungen zurückgingen.
| Passagiere 1-9/2026 | Passagiere 1-9/2025 | Diff. % zu 2025 | |
| GRZ | 636.951 | 638.514 | -0,20% |
| INN | 772.889 | 739.135 | 4,60% |
| KLU | 127.412 | 144.326 | -11,70% |
| LNZ | 197.222 | 227.489 | -13,30% |
| SZG | 1.473.274 | 1.403.640 | 5,00% |
| VIE | 23.478.801 | 24.572.482 | -4,50% |
| GESAMT | 26.686.549 | 27.725.586 | -3,80% |
Debatte über Standortkosten und wirtschaftliche Konsequenzen
AÖV-Präsident Julian Jäger, zugleich Vorstand der Flughafen Wien AG, bezeichnete die Entwicklung als dringenden Signalgeber für die Wirtschaftspolitik. Insbesondere der Rückgang im Sommerquartal unterstreiche die Notwendigkeit, staatlich festgelegte Abgaben an die Marktbedingungen im europäischen Umfeld anzupassen. Die AÖV fordert gemeinsam mit Wirtschafts- und Tourismusverbänden die Aufhebung der nationalen Flugabgabe, um die preisliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber nahegelegenen Ausweichflughäfen in Nachbarstaaten wiederherzustellen.
Wolfgang Grimus, AÖV-Vizepräsident und Geschäftsführer des Flughafens Graz, verwies auf die Funktion der Regionalflughäfen für die Anbindung der Bundesländer. Sinkende Fluggastzahlen wirken sich direkt auf die regionale Wertschöpfung, das Gastgewerbe und die Anbindung der ansässigen Industrie aus. Die Diskussion über eine Reform der Abgabenstruktur wird im Vorfeld der kommenden Haushaltsberatungen fortgeführt.