Die deutschen Flughäfen haben im Juni 2025 insgesamt 20,61 Millionen an- und abfliegende Passagiere gezählt, was eine Fortsetzung der stetigen Erholung der Luftfahrtbranche nach den Krisenjahren darstellt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg das Passagieraufkommen um 3,2 Prozent.
Dennoch zeigt die aktuelle Statistik deutliche strukturelle Schwächen auf. Während die Nachfrage im Europaverkehr nahezu das Vorkrisenniveau von 2019 erreicht, hinkt der Luftverkehr in Deutschland im internationalen Vergleich spürbar hinterher. Insbesondere der nationale Flugverkehr leidet unter einem massiven Rückgang, während auch das Frachtgeschäft als wichtiger Indikator der wirtschaftlichen Lage keine klare Erholungstendenz aufweist. Die Zahlen signalisieren eine veränderte Marktdynamik, auf die die Branche reagieren muß.
Gemischtes Bild im Juni: Eine Analyse der Passagierzahlen
Im Juni des laufenden Jahres nutzten 20,61 Millionen Passagiere die deutschen Flughäfen. Dieses Ergebnis repräsentiert eine Erholung auf 87,1 Prozent des Vorkrisenniveaus aus dem Juni 2019, als noch 12,9 Prozent mehr Reisende gezählt wurden. Die Anzahl der gewerblichen Flugbewegungen lag im selben Monat bei 174.117 Starts und Landungen. Auch hier zeigt sich mit 85 Prozent ein deutlicher Rückstand zum Vergleichsmonat des Jahres 2019. Interessant ist hierbei die Diskrepanz zwischen den Passagier- und Flugbewegungszahlen, die darauf hindeutet, daß die Nachfrage nach Flügen höher ist als das derzeitige Angebot, welches aufgrund von Kapazitätsengpässen und Personalmangel an Flughäfen und bei Fluggesellschaften noch nicht vollständig wiederhergestellt wurde.
Die Wachstumsdynamik im Juni war zudem von einem starken Start in den Monat geprägt, der sich vor allem aus dem Pfingstferienreiseverkehr speiste. Im weiteren Verlauf des Monats nahm die Wachstumsgeschwindigkeit jedoch wieder ab. Die vorliegenden Statistiken belegen, daß die deutsche Luftfahrt im europäischen Vergleich bei den Erholungsraten immer noch am Ende steht. Während andere europäische Länder wie Spanien, Italien oder Griechenland ihre Vorkrisenwerte längst wieder erreicht oder sogar überschritten haben, kämpfen die deutschen Flughäfen weiterhin mit strukturellen Problemen, die eine vollständige Erholung behindern.
Die Schere der Marktsegmente: Europa boomt, der nationale Verkehr bricht ein
Ein genauerer Blick auf die einzelnen Marktsegmente offenbart eine deutliche Zweiteilung. Der Europa-Verkehr ist der klare Wachstumsmotor. Im Juni wurden hier 14,98 Millionen Passagiere gezählt, was einem Wachstum von 5,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Mit einer Erholungsrate von 96,1 Prozent zum Juni 2019 ist das Vorkrisenniveau in diesem Segment in greifbarer Nähe. Dies ist der lukrativste Markt für Fluggesellschaften und dementsprechend investieren sie dort auch am stärksten in Kapazitäten.
Ein völlig anderes Bild zeichnet sich jedoch im innerdeutschen Luftverkehr. Dieses Segment verzeichnete im Juni lediglich 2,12 Millionen Passagiere. Im Vergleich zum Juni 2024 ist dies ein Rückgang von 3,6 Prozent, und gegenüber dem Juni 2019 fehlen noch rund 47,5 Prozent der Reisenden. Der innerdeutsche Luftverkehr, der einst eine wichtige Rolle für Geschäftsreisen und Kurzstrecken hatte, scheint sich nach den Krisenjahren nur sehr schleppend zu erholen. Eine der Hauptursachen dafür ist die starke Konkurrenz durch das ausgebaute Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn, das auf vielen innerdeutschen Strecken eine attraktive und schnellere Alternative bietet. Auch die veränderten Arbeitsgewohnheiten mit einem Trend zu Telearbeit und virtuellen Meetings haben die Zahl der Geschäftsreisen deutlich reduziert.
Der Interkontinentalverkehr wuchs im Juni ebenfalls nur moderat um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wobei die Erholung zum Juni 2019 bei 92,5 Prozent liegt. Auch hier ist die Dynamik schwach, was auf das noch immer ausgedünnte Angebot auf einigen Langstrecken zurückzuführen ist.
Deutschlands Sonderweg: Ein Blick auf den europäischen Vergleich
Die Tatsache, daß die deutsche Luftfahrt bei der Erholung hinter den anderen großen europäischen Reisezielen zurückbleibt, hat mehrere Ursachen. Zum einen sind die deutschen Flughäfen besonders anfällig für Personalengpässe und Streiks, die den Betrieb immer wieder stören und die Flugplanung von Fluggesellschaften durcheinander bringen. Dies verunsichert Reisende und veranlaßt sie, auf andere Routen oder Abflughäfen auszuweichen.
Zum anderen hat der deutsche Markt einen starken Fokus auf Geschäftsreisen, ein Segment, das sich weltweit nur sehr schleppend erholt. Im Gegensatz dazu sind die touristischen Destinationen im Süden Europas weniger von diesem Segment abhängig und konnten daher schneller wieder zu alter Stärke zurückfinden. Die rückläufige Entwicklung im innerdeutschen Luftverkehr, die im europäischen Vergleich einzigartig ist, trägt ebenfalls zu den insgesamt niedrigeren Erholungsraten bei. Die Branche in Deutschland muß sich fragen, ob eine vollständige Erholung auf das Vorkrisenniveau von 2019 überhaupt noch realistisch ist, oder ob eine grundlegende Neuaufstellung des Angebots notwendig ist.
Luftfracht als Konjunkturbarometer: Ein Zeichen der wirtschaftlichen Verunsicherung
Auch die Entwicklung im Luftfrachtbereich sendet keine ermutigenden Signale. Im Juni wurden an den deutschen Flughäfen insgesamt 395.172 Tonnen Fracht verladen. Dies entspricht einem Rückgang von 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Entwicklung der Luftfracht gilt als wichtiger Indikator für die globale Wirtschaftsgesundheit, da schnelllebige und wertvolle Güter auf dem Luftweg transportiert werden. Der Rückgang des Frachtaufkommens unterstreicht die aktuell schwache konjunkturelle Entwicklung und die Unsicherheiten im globalen Handel.
Die Statistik zeigt zudem eine interessante Schieflage: Die Ausladungen (exportierte Fracht) stiegen im Juni leicht um 0,8 Prozent, während die Einladungen (importierte Fracht) um 4,1 Prozent zurückgingen. Ein solcher Rückgang der Importe kann als Anzeichen für eine nachlassende Konsum- und Produktionsnachfrage im Inland gewertet werden. Die Verunsicherung im globalen Handel, bedingt durch Handelsstreitigkeiten und Zollschranken in verschiedenen Branchen, trägt ebenfalls zur Verlangsamung des Wachstums im Luftfrachtgeschäft bei.
Die Juni-Statistiken für die deutschen Flughäfen zeichnen ein komplexes Bild, das über bloße Passagierzahlen hinausgeht. Während eine klare Erholungstendenz im internationalen Verkehr erkennbar ist, offenbaren die Zahlen tiefsitzende strukturelle Probleme, insbesondere im nationalen Markt. Die geringere Erholung als in anderen europäischen Ländern und die schwachen Frachtzahlen deuten darauf hin, daß die deutsche Luftfahrtindustrie noch einen langen Weg vor sich hat. Das Wachstum ist da, doch der Markt hat sich gewiß verändert, und die Branche muß sich an die neuen Gegebenheiten anpassen, um in der globalen Konkurrenz bestehen zu können.