Die deutschen Flughäfen stehen im internationalen Vergleich zunehmend unter Druck. Während in vielen europäischen Ländern der Luftverkehr nach der Pandemie wieder auf das Vorkrisenniveau zurückgekehrt ist, hinkt Deutschland mit einer Erholungsrate von 84 Prozent hinterher. Branchenvertreter machen hierfür vor allem hohe staatliche Abgaben und Gebühren verantwortlich und fordern von der Politik entschlossenes Handeln, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Ein zentraler Kritikpunkt ist die Luftverkehrsteuer, die seit ihrer Einführung im Jahr 2011 mehrfach erhöht wurde. Besonders gravierend war die Anhebung im Jahr 2020, die unabhängig von den pandemiebedingten Rückgängen im Luftverkehr beschlossen wurde. Diese Steuer stellt eine erhebliche Belastung für Airlines dar, die zunehmend deutsche Standorte meiden und ihre Flugzeuge an Flughäfen mit niedrigeren Kosten in Europa einsetzen.
Die Konsequenzen dieser Entwicklung sind weitreichend. Zahlreiche Fluggesellschaften reduzieren ihr Angebot in Deutschland, wodurch weniger Flugziele von deutschen Flughäfen aus erreichbar sind. Dies betrifft sowohl Privat- als auch Geschäftsreisende, die dadurch längere und teurere Reisewege in Kauf nehmen müssen. Auch die heimische Wirtschaft leidet unter dem eingeschränkten Luftverkehrsangebot, da der Zugang zu internationalen Märkten erschwert wird.
Der europäische Vergleich zeigt, wie unterschiedlich die Länder mit der Situation umgehen. Länder wie Griechenland, die Türkei und Polen haben bereits deutliche Verkehrszuwächse von bis zu 18 Prozent im Vergleich zu 2019 verzeichnet. Diese Nationen profitieren von geringeren staatlichen Abgaben und attraktiveren Rahmenbedingungen für Fluggesellschaften. In Deutschland hingegen sorgen die hohen Standortkosten dafür, daß Flughäfen weniger attraktiv sind und der Luftverkehr stagniert.
Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, fordert daher eine sofortige Abschaffung der Luftverkehrsteuer. Zudem sollten die hoheitlichen Kosten, insbesondere für die Luftsicherheit, reduziert werden, um das Wachstumspotential des Luftverkehrs wieder freizusetzen. Schweden habe gezeigt, wie eine gezielte politische Entscheidung – nämlich die Aufhebung der Luftverkehrsteuer – den Luftverkehr beleben kann.
Die Prognosen der ADV für Deutschland sind jedoch düster, sollte keine politische Trendumkehr erfolgen. Ohne Anpassungen der Rahmenbedingungen wird erwartet, daß die deutschen Flughäfen erst 2029 das Passagieraufkommen von 2019 erreichen könnten. Diese schleppende Erholung könnte die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im internationalen Luftverkehr dauerhaft beeinträchtigen.
Die deutschen Flughäfen stehen somit an einem Scheideweg. Die Politik ist gefordert, Maßnahmen zu ergreifen, die eine Rückkehr zur internationalen Konkurrenzfähigkeit ermöglichen. Ohne eine deutliche Entlastung von Steuern und Gebühren droht Deutschland, im europäischen Luftverkehr weiter an Boden zu verlieren und langfristig eine Schlüsselbranche zu schwächen.