Die deutsche Gastronomielandschaft steht vor einer bedeutenden finanziellen Entlastung. Mit Beginn des Jahres 2026 wird die Mehrwertsteuer auf Speisen in Restaurants, Cafés und bei Catering-Dienstleistungen dauerhaft auf sieben Prozent gesenkt. Nachdem der Deutsche Bundestag die entsprechende Vorlage bereits verabschiedet hatte, passierte das Steueränderungsgesetz am vergangenen Freitag nun auch den Bundesrat.
Damit endet eine Phase der Unsicherheit, die seit dem Auslaufen der temporären Krisenmaßnahmen zu Beginn des Jahres 2024 herrschte. Die Neuregelung zielt darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit klassischer Gastronomiebetriebe gegenüber dem Einzelhandel und reinen Lieferdiensten zu stärken, die bereits seit langer Zeit von dem ermäßigten Steuersatz profitieren. Branchenvertreter sehen in dieser Maßnahme einen entscheidenden Schritt zur Sicherung von Arbeitsplätzen und zur Erhaltung der Attraktivität von Innenstädten sowie ländlichen Räumen. Die Entscheidung wird zudem als notwendige Reaktion auf die gestiegenen Betriebskosten in der Branche gewertet, die durch höhere Lohnkosten und gestiegene Einkaufspreise unter erheblichem Druck steht.
Wiederherstellung der Steuergerechtigkeit im Wettbewerb
Ein zentrales Argument in der Debatte um die Mehrwertsteuer war über Jahre hinweg die empfundene Ungleichbehandlung verschiedener Verkaufsformen von Lebensmitteln. Während für Speisen, die im Supermarkt gekauft oder über Lieferdienste nach Hause bestellt wurden, konsequent der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent galt, mussten stationäre Gastronomen für den Verzehr im Haus zeitweise wieder den Regelsatz von 19 Prozent abführen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband betont, dass mit der nun beschlossenen Neuregelung eine längst überfällige Steuergerechtigkeit hergestellt wird. Die unterschiedlichen Steuersätze hatten in der Vergangenheit zu Verzerrungen im Wettbewerb geführt, da Gastronomen ihre Preise aufgrund der höheren Steuerlast kalkulatorisch schwerer stabil halten konnten als Anbieter von Mitnehmgerichten.
Die Rückkehr zu den sieben Prozent wird von Verbandspräsident Guido Zöllick als die wichtigste Einzelmaßnahme zur Stärkung der Branche bezeichnet. Er weist darauf hin, dass Restaurants und Wirtshäuser nicht nur Orte des Verzehrs sind, sondern eine komplexe Wertschöpfungskette nach sich ziehen. Von der Entscheidung profitieren demnach nicht nur die Wirte selbst, sondern auch lokale Produzenten, Handwerksbetriebe und Dienstleister, die eng mit der Gastronomie verzahnt sind. Eine Schließung von Gastronomiebetrieben hat oft weitreichende Folgen für die gesamte lokale Ökonomie, da wichtige Abnehmer für regionale Erzeugnisse wegfallen.
Strukturpolitische Bedeutung für Stadt und Land
Die Gastronomie gilt als ein wesentlicher Ankerpunkt für die Lebendigkeit öffentlicher Räume. In vielen Innenstädten fungieren Restaurants und Cafés als Frequenzbringer, die den Aufenthalt für Besucher attraktiv machen und so auch den stationären Einzelhandel stützen. Im ländlichen Raum sind Wirtshäuser oft die letzten verbliebenen Orte für soziale Interaktion und gesellschaftliches Leben. Die steuerliche Entlastung soll dazu beitragen, das flächendeckende Netz an gastronomischen Betrieben zu erhalten, das in den letzten Jahren durch zahlreiche Betriebsschließungen ausgedünnt wurde.
Die Landesregierungen im Bundesrat hoben bei der Abstimmung hervor, dass die Gastronomie eine personalintensive Branche ist, die in Deutschland Hunderttausende sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze bietet. Durch die Senkung der Steuerlast erhalten die Betriebe mehr Spielraum, um die gestiegenen Lohnkosten aufzufangen, ohne die Preise für die Endverbraucher in einem Maße erhöhen zu müssen, das die Nachfrage einbrechen ließe. Damit dient das Gesetz auch als präventive Maßnahme gegen eine drohende Insolvenzwelle im Gastgewerbe.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Kalkulationssicherheit
Für die Gastronomen bedeutet die Entscheidung ab Januar 2026 vor allem Planungssicherheit. In den vergangenen Jahren war die Branche durch ständige Befristungen und kurzfristige Verlängerungen von Sonderregelungen geprägt. Eine langfristige Kalkulation von Investitionen, etwa in die Modernisierung der Küchentechnik oder die Gestaltung der Gasträume, war unter diesen Umständen nur schwer möglich. Mit der dauerhaften Festschreibung auf sieben Prozent können Unternehmen nun wieder verlässliche Businesspläne erstellen.
Die ökonomischen Herausforderungen für die Betriebe bleiben dennoch bestehen. Experten weisen darauf hin, dass die Steuerentlastung allein nicht alle Probleme lösen wird. Die Energiekosten und die Preise für Rohstoffe befinden sich weiterhin auf einem hohen Niveau. Dennoch bietet der ermäßigte Steuersatz einen Puffer, der es vielen Betrieben ermöglichen könnte, die schwarze Null zu erreichen oder dringend notwendige Rücklagen zu bilden. In der Branche wird erwartet, dass ein Teil der Steuerersparnis in Qualitätsverbesserungen und die Personalgewinnung fließen wird, um dem anhaltenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Reaktionen aus Politik und Wirtschaft
Die Zustimmung des Bundesrates am Freitag war das Ergebnis langwieriger politischer Verhandlungen. Während einige Finanzpolitiker auf die drohenden Mindereinnahmen für den Staatshaushalt hinwiesen, überwog letztlich die Ansicht, dass die gesamtwirtschaftlichen Kosten massenhafter Betriebsschließungen weitaus schwerer wiegen würden. Besonders aus den Bundesländern, in denen der Tourismus eine tragende Säule der Wirtschaft darstellt, kam starker Zuspruch für die Steuersenkung. Hier wird die Gastronomie als Teil des touristischen Produktes gesehen, dessen Qualität unmittelbar mit der steuerlichen Belastung zusammenhängt.
Dienstleister und Produzenten, die die Gastronomie beliefern, zeigten sich ebenfalls erleichtert über das deutliche Signal aus Berlin. Viele Zulieferer hatten in den letzten Monaten einen Rückgang der Bestellmengen verzeichnet, da Wirte aufgrund der unsicheren Lage ihre Lagerbestände reduziert und Investitionen aufgeschoben hatten. Die Neuregelung wird als Vertrauensbeweis in eine Branche gewertet, die zu den am stärksten betroffenen Sektoren der letzten Krisenjahre gehörte.
Zukunftsperspektiven der Branche ab 2026
Ab dem 1. Januar 2026 müssen die Kassensysteme bundesweit umgestellt werden. Für die Betriebe bedeutet dies eine einmalige administrative Umstellung, der jedoch langfristige Vorteile gegenüberstehen. Es bleibt abzuwarten, in welchem Umfang die Steuersenkung an die Gäste weitergegeben wird oder ob sie primär zur Deckung der gestiegenen Eigenkosten verwendet wird. Da die Gastronomie ein hochkompetitiver Markt ist, gehen Beobachter davon aus, dass der Wettbewerb dafür sorgen wird, dass die Preise für die Verbraucher zumindest stabil bleiben oder der Anstieg deutlich abgebremst wird.
Die dauerhafte Rückkehr zu sieben Prozent Mehrwertsteuer markiert somit das Ende einer langen politischen Debatte und den Beginn einer neuen Phase für das deutsche Gastgewerbe. Die Branche erhält die Chance, sich auf einem soliden steuerlichen Fundament zu konsolidieren und ihre Rolle als wichtiger Arbeitgeber und gesellschaftlicher Treffpunkt zu festigen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob diese Maßnahme ausreicht, um die Vielfalt der deutschen Restaurantlandschaft dauerhaft gegen den Trend zu Fertigprodukten und standardisierter Systemgastronomie zu verteidigen.