Strand in Agadair (Foto: Jan Gruber).
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Deutsche Reiselust auf Rekordniveau: Über 277 Millionen Reisen im vergangenen Jahr verzeichnet

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Die Deutschen waren im vergangenen Jahr so reisefreudig wie nie zuvor. Laut einer aktuellen Hochrechnung des Statistischen Bundesamtes unternahmen die Einwohner Deutschlands rund 277 Millionen Reisen mit mindestens einer Übernachtung.

Diese beachtliche Zahl entspricht im Durchschnitt mehr als drei Reisen pro Einwohner und Jahr und stellt den höchsten Wert seit der Einführung der Stichprobenerhebung im Jahre 2012 dar. Die gesamte Reisetätigkeit übertraf das Vorjahr um elf Prozent und das Vor-Corona-Jahr 2019 um sechs Prozent. Während sich die private Reiselust in einem beispiellosen Ausmaß erholte und sogar neue Rekordmarken setzte, zeigen sich die Geschäftsreisen noch nicht ganz von den Folgen der Pandemie erholt. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeichnen ein klares Bild einer Nation, für die das Verreisen wieder zu einem zentralen Bestandteil des Lebens geworden ist.

Ein beispielloser Reiseboom: Rekordwerte und die Rückkehr der Reiselust

Die statistischen Erhebungen belegen unzweifelhaft, daß die Sehnsucht nach Erholung, Abenteuer und Abwechslung bei den Menschen in Deutschland einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Die Zahl von 277 Millionen Reisen ist nicht nur eine schlichte Statistik, sondern ein Ausdruck des gestiegenen Bedürfnisses nach Mobilität und persönlichem Erlebnis. Nach den Jahren der Einschränkungen und Lockdowns, in denen das Reisen nur eingeschränkt oder gar nicht möglich war, ist eine Art „Nachholbedarf“ oder „Revanche-Reisen“ zu beobachten, bei dem die Menschen die verlorene Zeit aufzuholen scheinen.

Der Anstieg von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr und sechs Prozent gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019 ist besonders bemerkenswert. Er zeigt, daß die Reisetätigkeit nicht nur das Niveau von vor der Pandemie wieder erreicht hat, sondern dieses sogar übertrifft. Dies ist ein starkes Signal für die gesamte Tourismusbranche, von der Hotellerie über die Gastronomie bis hin zu den Transportunternehmen, die von dieser Entwicklung profitieren. Das Rekordniveau von über drei Reisen pro Kopf und Jahr unterstreicht, daß das Verreisen für die breite Masse der Bevölkerung ein nicht wegzudenkender Bestandteil des Lebensstils ist.

Die Hochrechnungen des Statistischen Bundesamtes basieren auf einer repräsentativen Stichprobenerhebung, die kontinuierlich durchgeführt wird, um verläßliche Daten über das Reiseverhalten der Bevölkerung zu erhalten. Die Ergebnisse spiegeln somit nicht nur eine momentane Stimmung wider, sondern zeigen einen klaren, langfristigen Trend hin zu einer immer mobileren Gesellschaft.

Die Schieflage der Reisemotive: Privatvergnügen übertrifft Geschäftsreisen

Trotz des insgesamt beispiellosen Reisebooms zeigt die detaillierte Betrachtung der Motive eine bemerkenswerte Diskrepanz. Während die Zahl der Reisen aus privaten Anlässen einen neuen Höchststand erreichte, hinken die Geschäftsreisen weiterhin hinterher. Mit 37 Millionen Geschäftsreisen im vergangenen Jahr liegt dieser Wert noch immer zehn Prozent unter dem Stand von 2019.

Dieses Auseinanderdriften der Reisemotive läßt sich durch mehrere Faktoren erklären:

  • Der strukturelle Wandel in der Arbeitswelt: Die Pandemie hat die Nutzung von Videokonferenzen und digitalen Kommunikationstools beschleunigt. Unternehmen haben gelernt, daß viele geschäftliche Besprechungen, die früher eine physische Anwesenheit erforderten, auch digital effizient abgewickelt werden können. Diese neuen Arbeitsweisen haben sich in vielen Branchen etabliert und reduzieren die Notwendigkeit für physische Reisen.
  • Kostenbewußtsein der Unternehmen: In einem zunehmend unsicheren wirtschaftlichen Umfeld schauen viele Unternehmen genau auf ihre Ausgaben. Dienstreisen sind ein signifikanter Kostenfaktor, und durch die Nutzung digitaler Alternativen lassen sich diese Ausgaben effektiv reduzieren.

Dieser Trend hat tiefgreifende Auswirkungen auf die gesamte Reisebranche. Während Freizeitdestinationen und -anbieter von der boomenden Nachfrage profitieren, müssen sich der Business-Travel-Sektor und die an ihn gekoppelten Segmente, wie etwa Messeveranstalter und Stadthotels, auf eine strukturelle Veränderung einstellen. Es ist durchaus denkbar, daß das Niveau der Geschäftsreisen von vor der Pandemie nie wieder vollständig erreicht wird.

Die Reiseziele der Nation: Nah und doch in der Ferne

Die Statistik gibt auch Aufschluß über die bevorzugten Reiseziele der Deutschen. Es überrascht nicht, daß das eigene Land mit 163 Millionen Reisen weiterhin die unangefochtene Nummer eins ist. Die Bundesrepublik bietet eine enorme Vielfalt an Landschaften, Städten und Freizeitmöglichkeiten, die durch die Nähe und die einfache Erreichbarkeit attraktiv sind.

Auf internationaler Ebene dominieren die direkten Nachbarländer und traditionellen Urlaubsdestinationen die Rangliste. Nach Deutschland waren die beliebtesten Reiseziele:

  • Italien: Das Land am Mittelmeer zieht mit seiner Kultur, Küche und seinen malerischen Küsten und Landschaften seit jeher eine große Zahl deutscher Urlauber an.
  • Österreich: Als Nachbarland ist Österreich vor allem für seine Berglandschaften, Wanderwege und Skigebiete beliebt. Die geografische Nähe macht es zum idealen Ziel für kurze Wochenendausflüge und längere Urlaube.
  • Spanien: Als eine der führenden Tourismusnationen Europas lockt Spanien mit seinen Inseln wie Mallorca und den Kanaren sowie den Küsten am Festland.
  • Frankreich und die Niederlande: Beide Nachbarländer sind aufgrund ihrer geographischen Nähe und der guten Erreichbarkeit ebenfalls hoch in der Gunst der Reisenden.

Die Beliebtheit dieser Destinationen zeigt, daß die Deutschen einerseits die Vertrautheit und die kurze Anreise zu schätzen wissen, andererseits aber auch die Vielfalt der europäischen Nachbarländer gerne erkunden. Der Großteil der Reisen findet somit innerhalb Europas statt, was auch die Wahl der Verkehrsmittel maßgeblich beeinflußt.

Das Auto bleibt unangefochten die Nummer Eins

Der Blick auf die Transportmittel unterstreicht die Dominanz der Reisen innerhalb des eigenen Landes und der direkten Nachbarschaft. Rund 58 Prozent aller Reisen wurden mit dem Auto unternommen. Die Flexibilität, die Unabhängigkeit und die Bequemlichkeit, die das eigene Auto bietet, sind für viele Reisende entscheidende Argumente. Insbesondere für Familien, die mit viel Gepäck reisen, oder für jene, die gerne mehrere Orte auf einer Reise besuchen, ist das Auto die bevorzugte Wahl.

Die Bahn liegt mit 19 Prozent der Reisen an zweiter Stelle. Sie hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, insbesondere für Reisen im Inland und zu europäischen Großstädten. Die Fluggesellschaften folgen mit 17 Prozent und werden hauptsächlich für Fernreisen sowie für Reisen zu weiter entfernten europäischen Zielen genutzt. Reisebusse und sonstige Verkehrsmittel machen jeweils drei Prozent der Transportmittel aus.

Die Zahlen zeigen, daß das Auto trotz der Konkurrenz durch Bahn und Flugzeug weiterhin das meistgenutzte Verkehrsmittel für Urlaubsreisen ist. Diese Präferenz ist ein wesentlicher Faktor, der die Planung und die Infrastruktur der Tourismusindustrie in Deutschland und den Nachbarländern maßgeblich beeinflußt.

Die nicht-reisende Bevölkerung: Eine Minderheit im Schatten des Booms

Eine interessante Randbemerkung der Statistik ist die Tatsache, daß rund ein Fünftel der befragten Bevölkerung im vergangenen Jahr gar nicht verreist ist. Diese Zahl steht im krassen Gegensatz zum allgemeinen Reiseboom und wirft Fragen nach den Gründen auf.

  • Wirtschaftliche Faktoren: In einer Zeit hoher Inflation und gestiegener Lebenshaltungskosten konnten sich möglicherweise nicht alle Bevölkerungsgruppen eine oder mehrere Reisen leisten. Urlaub gilt oft als Luxus, der bei finanziellen Engpässen als erstes gestrichen wird.
  • Persönliche Gründe: Alter, gesundheitliche Probleme oder familiäre Verpflichtungen können ebenfalls dazu führen, daß Menschen nicht reisen.

Diese Gruppe darf nicht vergessen werden, wenn man über die Reiselust der Deutschen spricht. Der Gesamtboom überdeckt die Tatsache, daß Reisen für einen signifikanten Teil der Bevölkerung aus verschiedenen Gründen nicht machbar oder nicht erwünscht ist.

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