Terminal 1 des Flughafens Frankfurt am Main (Foto. Jan Gruber).
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Deutscher Luftverkehr im September: Europa-Boom und anhaltende Schwäche bei Inlandsflügen

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Die deutschen Flughäfen haben im September dieses Jahres insgesamt 21,88 Millionen an- und abfliegende Passagiere abgefertigt. Obwohl das Aufkommen gegenüber dem Vormonat August saisonbedingt um knapp 800.000 Reisende sank, liegt die allgemeine Erholung des Luftverkehrsstandorts Deutschland bei nahezu 90 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019.

Die detaillierten Verkehrszahlen zeigen jedoch eine stark divergierende Entwicklung in den einzelnen Marktsegmenten: Während der Europaverkehr erstmals das Aufkommen von 2019 übertraf, hinkt der innerdeutsche Flugverkehr weiterhin massiv hinterher. Ein stabiles Frachtgeschäft dient der Branche derweil als wichtiger Stabilitätsanker inmitten globaler Handelsunsicherheiten.

Das Passagiergeschäft: Getrennte Geschwindigkeiten der Erholung

Die Bilanz des Septembers 2025 an den deutschen Hauptverkehrsflughäfen weist Licht und Schatten auf. Mit 21,88 Millionen Passagieren wurde gegenüber dem September des Vorjahres ein Wachstum von 3,5 Prozent erzielt. Dennoch fehlen im Vergleich zum September 2019 noch immer 10,1 Prozent der Reisenden, was die fortbestehende Lücke zur Zeit vor der weitreichenden Branchenkrise verdeutlicht. Kumuliert über die ersten neun Monate des Jahres 2025 nutzten 165,77 Millionen Passagiere die deutschen Airports, was einer Erholung von 86,3 Prozent entspricht. Die Wachstumsdynamik verläuft dabei moderat und wird von Analysten als stabil, aber wenig dynamisch beschrieben.

Die Segmentierung der Passagierzahlen offenbart die unterschiedlichen Triebkräfte der Erholung:

Europaverkehr: Der neue Wachstumsmotor

Das Segment des Europaverkehrs präsentiert sich als Zugpferd des deutschen Luftverkehrs. Mit 15,69 Millionen Passagieren im September überstieg dieser Bereich erstmals das Niveau des Jahres 2019 um beachtliche 4,3 Prozent. Dieser Boom ist zum Teil auf die verstärkte touristische Nachfrage zurückzuführen, wobei beliebte Urlaubsziele in Südeuropa und am Mittelmeer das Vorkrisenniveau bereits deutlich überschritten haben. Die Rückgänge gegenüber dem Vormonat August um rund 6 Prozent sind als normaler saisonaler Verlauf nach dem Ende der Hauptsommerreisewelle in vielen Bundesländern zu werten. Im Jahresverlauf von Januar bis September 2025 erreichte der Europaverkehr mit 116,0 Millionen Passagieren bereits 94,9 Prozent des Niveaus von 2019.

Interkontinental: Kurz vor der vollständigen Rückkehr

Auch der interkontinentale Verkehr zeigt sich bemerkenswert stabil und steht kurz vor der vollständigen Wiederherstellung des Vorkrisenniveaus. Im September zählten die deutschen Flughäfen mehr als 3,83 Millionen Interkontinental-Passagiere, womit die Recovery-Rate 98,1 Prozent erreicht. Das Segment verzeichnete gegenüber dem Vorjahresmonat ein starkes Wachstum von 4,6 Prozent. Experten betonen, dass gerade dieses Segment seit Mai dieses Jahres eine besonders stabile Erholung zeigt. Die Funktion der großen deutschen Flughäfen als wichtige Drehkreuze für den weltweiten Umsteigeverkehr spielt hierbei eine zentrale Rolle. Im bisherigen Jahresverlauf (Januar bis September 2025) liegt die Interkont-Nachfrage bei 31,92 Millionen Passagieren, was 97,0 Prozent der Zahl von 2019 entspricht.

Innerdeutsche Flüge: Das Sorgenkind der Branche

Der innerdeutsche Luftverkehr stagniert weiterhin auf niedrigem Niveau und bleibt das klare Sorgenkind der Branche. Zwar stieg die Nachfrage im September mit 2,32 Millionen Passagieren gegenüber dem Vormonat August, was hauptsächlich auf den traditionell geschäftsreiseintensiven September mit vielen Messen und Kongressen zurückzuführen ist. Dennoch fehlen im Vergleich zum September 2019 noch immer dramatische 45,3 Prozent der Passagiere. Im gesamten Jahresverlauf bis September 2025 lag das innerdeutsche Passagieraufkommen mit 17,63 Millionen Reisenden bei lediglich etwas mehr als 50 Prozent des Niveaus von 2019.

Die Gründe für den massiven Rückgang sind vielschichtig und nicht nur saisonaler Natur. Branchenverbände weisen seit geraumer Zeit auf die hohen staatlichen Standortkosten hin, insbesondere die Luftverkehrsteuer, die bei Inlandsflügen zweimal anfällt – einmal beim Abflug und einmal bei der Rückkehr. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, in denen der Inlandsverkehr das Vorkrisenniveau von 2019 nahezu erreicht hat, ist in Deutschland der dezentrale Flugverkehr zwischen kleineren Airports um einen Großteil eingebrochen und konzentriert sich fast ausschließlich auf Zubringerflüge zu den großen internationalen Drehkreuzen Frankfurt und München. Zudem hat die steigende Verlagerung auf alternative Verkehrsträger, insbesondere die Schiene, zu einer strukturellen Reduktion der Nachfrage auf Kurzstrecken geführt.

Das Frachtgeschäft: Stabilität trotz weltwirtschaftlicher Verunsicherung

Abseits des Passagierverkehrs liefert das Luftfrachtgeschäft an den deutschen Flughäfen ein bemerkenswert stabiles Bild. Im September wurde das Cargo-Aufkommen von 402.638 Tonnen erreicht, was den dritten Monat in Folge ein monatliches Niveau von rund 400.000 Tonnen überschreitet. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs das Aufkommen um 2,3 Prozent, und selbst gegenüber dem September 2019 wurde ein leichtes Plus von 2,2 Prozent erzielt.

Diese Stabilität wird von der Luftfahrtwirtschaft als positiver Indikator und „Lichtblick“ in einem sonst von konjunktureller Schwäche und Handelsunsicherheiten geprägten globalen Umfeld gewertet. Insbesondere die wiederkehrenden Zolldiskussionen in verschiedenen Wirtschaftsbranchen und die schwache globale Wirtschaftsentwicklung könnten die Nachfrage dämpfen. Dennoch hält sich das Luftfrachtvolumen.

Im Detail zeigt sich, dass die Einladungen (Exporte) mit 204.466 Tonnen gegenüber dem Vorjahr um 3,2 Prozent zunahmen, während die Ausladungen (Importe) mit 198.172 Tonnen ein Wachstum von 1,4 Prozent verzeichneten. Die Ausladungen übertrafen dabei sogar den Wert von 2019 um 5,3 Prozent. Die leichte Zunahme im gesamten Jahresverlauf 2025 (+1,0 Prozent zum Vorjahreszeitraum) unterstreicht die anhaltende Bedeutung des Luftweges für den Transport von hochwertigen und zeitkritischen Gütern der deutschen Exportwirtschaft. Trotz der insgesamt eher verhaltenen Wirtschaftsprognosen dient die Luftfracht damit weiterhin als Barometer für bestimmte Bereiche des globalen Handels.

Flugbewegungen und Gesamtlage: Effizienz und Kapazitätsfragen

Die Zahl der gewerblichen Flugbewegungen (Starts und Landungen) lag im September 2025 bei 176.357, ein Plus von 3,8 Prozent im Jahresvergleich. Im Verhältnis zu 2019 wurden jedoch lediglich 83,5 Prozent der damaligen Flüge durchgeführt. Dies belegt eine signifikante Steigerung der Effizienz in der Abfertigung. Die Fluggesellschaften nutzen die vorhandene Kapazität in den Flugzeugen durch höhere Auslastungsfaktoren besser aus, da das Passagieraufkommen (89,9 Prozent Recovery) deutlich stärker gewachsen ist als die Zahl der Flugbewegungen (83,5 Prozent Recovery).

Im Gesamtbild zeigt die Entwicklung des Luftverkehrsstandorts Deutschland eine zweigeteilte Realität: Einerseits eine robuste internationale Erholung, angetrieben durch den boomenden Europaverkehr und eine fast vollständige Wiederherstellung der Interkontinentalstrecken. Andererseits eine strukturelle Krise des innerdeutschen Luftverkehrs, dessen Erholung im internationalen Vergleich weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Die Branche blickt auf die kommenden Monate und das Jahr 2026, in denen die weitere Entwicklung der Konjunktur und die politischen Rahmenbedingungen für den Inlandverkehr entscheidend für die vollständige Wiederherstellung des Niveaus von 2019 sein werden.

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