Die deutsche Luftfahrtbranche steht vor zunehmenden Herausforderungen. Angesichts einer schwächelnden Verkehrsentwicklung fordert Lufthansa-Chef Carsten Spohr politische Unterstützung, insbesondere in Form einer Absenkung staatlicher Steuern und Gebühren.
In einer aktuellen Stellungnahme betont Spohr die dringende Notwendigkeit, die Luftverkehrsteuer sowie die Gebühren für Passagierkontrollen und Flugsicherung zu senken. Die Kritik richtet sich an die neue Bundesregierung, die entsprechende Ansätze in ihrem Koalitionsvertrag zwar erwähnt, bislang aber nicht in die Tat umgesetzt habe. Spohr warnt davor, daß sich der Luftfahrtstandort Deutschland international zunehmend abgehängt sehe. Der innerdeutsche Flugverkehr sei außerhalb der großen Drehkreuze massiv geschrumpft, was sich negativ auf die Anbindung der wirtschaftsstarken Regionen auswirke.
Die schwierige Lage des deutschen Luftverkehrs
Spohrs Mahnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Luftfahrtbranche in Deutschland mit erheblichen wirtschaftlichen Hürden zu kämpfen hat. Die Pandemie hat zu einem massiven Einbruch des innerdeutschen Luftverkehrs geführt, von dem sich das Land nur langsam erholt. Spohr beschreibt die aktuelle Situation als „irre“, da drei Viertel der innerdeutschen Verbindungen abseits der Drehkreuze Frankfurt und München aus Kostengründen nicht mehr angeboten würden. Vor der Pandemie waren diese Regionalverbindungen ein wichtiger Pfeiler der nationalen Infrastruktur, die Geschäftsreisende und Touristen miteinander verband. Der Verlust dieser Routen wirkt sich direkt auf die Wirtschaft aus, da die Anbindung von regionalen Geschäftszentren deutlich schlechter geworden ist.
Die Forderung nach einer Entlastung durch den Staat ist nicht neu. Die Branche argumentiert schon seit längerem, daß die im europäischen Vergleich hohen staatlichen Abgaben wie die Luftverkehrsteuer die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Fluggesellschaften und Flughäfen schwächen. Die Steuern, die seit ihrer Einführung immer wieder erhöht wurden, machen Flugreisen ab Deutschland teurer und verlagern das Geschäft auf Flughäfen in den Nachbarländern. Spohr hofft nun, daß eine zunehmende Zahl von Ministerpräsidenten in den deutschen Bundesländern diese Entwicklung erkennt und die politische Debatte über eine Senkung der Kosten vorantreibt. Die Anbindung der Bundesländer, so Spohr, sei für den wirtschaftlichen Standort Deutschland ein großer Nachteil.
Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) bestätigte diese Einschätzung bereits in früheren Berichten. Laut ADV hat die deutsche Luftverkehrsteuer im Jahr 2024 zu einem Verlust von Millionen Passagieren geführt, die stattdessen auf ausländische Flughäfen ausgewichen sind. Dies betrifft nicht nur Fluggesellschaften, sondern auch die Flughäfen selbst, die Umsatzeinbußen bei den Gebühren für Starts, Landungen und Passagierabfertigung verzeichnen.
Optimistischer Ausblick für den Konzern, aber Sorgen um den Standort
Trotz der Bedenken über den Standort Deutschland zeigte sich der Lufthansa-Chef optimistisch, was die Geschäftsentwicklung des eigenen Konzerns angeht. Für das laufende Jahr rechnet er mit einem Ergebnis, das die Zahlen des Vorjahres signifikant übertreffen werde. Der Konzern, der noch rund 25 Prozent seines Umsatzes auf dem deutschen Markt erwirtschaftet, profitiere von einem äußerst stabilen und zuverlässigen Flugbetrieb im Sommer und der Auslieferung einer Rekordzahl neuer Flugzeuge. Bis Ende 2026 sollen insgesamt 60 neue Maschinen in die Flotte aufgenommen werden, was die Effizienz und das Produktangebot der Lufthansa-Gruppe weiter verbessern wird.
Die strategische Ausrichtung der Lufthansa-Gruppe auf ihre Drehkreuze in München und Frankfurt hat dem Unternehmen geholfen, sich von der Krise zu erholen. Der Fokus auf Langstrecken- und internationale Verbindungen, die über diese großen Hubs laufen, scheint wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Die Regionalverbindungen hingegen, die von den hohen Betriebskosten stärker betroffen sind, leiden unter dem Preisdruck und der Konkurrenz durch Bahnreisen.
Die Rufe nach politischer Unterstützung sind ein Versuch, die Rahmenbedingungen für die gesamte Branche zu verbessern. Spohr argumentiert, daß eine staatliche Entlastung nicht nur der Lufthansa zugutekäme, sondern dem gesamten deutschen Luftverkehrsmarkt. Eine Senkung der Steuern und Gebühren könnte Anreize schaffen, die aufgegebenen Regionalverbindungen wieder aufzunehmen und die Wettbewerbsposition der deutschen Flughäfen im europäischen Vergleich zu stärken.
Die Debatte um die Zukunft des Luftverkehrs in Deutschland wird also weitergehen. Spohrs Appell an die Bundesländer und die neue Bundesregierung zeigt, daß die Branche auf eine politische Kurskorrektur hofft, um die drohende Abkopplung des Landes vom internationalen Luftverkehr zu verhindern. Ob diese Hoffnungen erfüllt werden, hängt von den Entscheidungen der Politik ab.