Der deutsche Luftverkehrsmarkt zeigt im November 2025 eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit. Trotz des saisonal bedingten Rückgangs der Passagierzahlen nach dem Ende der Herbstferien bleibt der langfristige Erholungspfad intakt. Mit insgesamt 15,84 Millionen Fluggästen verzeichneten die deutschen Verkehrsflughäfen ein Plus von 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung im Interkontinentalverkehr, der das Vorkrisenniveau von 2019 bereits deutlich hinter sich gelassen hat.
Parallel dazu markiert der Bereich Luftfracht mit über 435.000 Tonnen einen Jahreshöchstwert, was die Bedeutung der deutschen Flughäfen als logistische Drehscheiben in einem komplexen weltwirtschaftlichen Umfeld unterstreicht. Während die Zahl der gewerblichen Flugbewegungen noch hinter den Werten von 2019 zurückbleibt, deutet die höhere Auslastung der Maschinen auf eine gesteigerte operative Effizienz der Fluggesellschaften hin. In der kumulierten Betrachtung der ersten elf Monate des Jahres 2024 festigt sich das Bild einer Branche, die sich schrittweise der vollständigen Erholung nähert, wobei regionale Unterschiede in der Dynamik der verschiedenen Marktsegmente bestehen bleiben.
Passagierzahlen und Marktsegmentierung im November
Der Rückgang des Passagieraufkommens im Vergleich zum starken Reisemonat Oktober um rund 6,57 Millionen Personen entspricht den langjährigen saisonalen Mustern. Mit dem Ausklingen der Ferienzeit sinkt die touristische Nachfrage spürbar, was sich vor allem im Europaverkehr niederschlägt. In diesem Segment wurden im November 10,15 Millionen Passagiere gezählt, was einem Minus von 36,6 Prozent gegenüber dem Vormonat entspricht. Dennoch liegt dieser Wert um 3,7 Prozent über dem November des Vorjahres. Der Abstand zum Referenzjahr 2019 ist in diesem Bereich mit nur 1,9 Prozent nahezu vernachlässigtbar klein geworden.
Im innerdeutschen Luftverkehr setzt sich der Trend einer langsamen, aber stetigen Konsolidierung fort. 2,13 Millionen Passagiere nutzten im November Verbindungen innerhalb der Bundesrepublik. Das entspricht einem Zuwachs von 3,8 Prozent zum Vorjahr. Dennoch bleibt dieses Segment das Sorgenkind der Branche: Gegenüber dem Niveau von 2019 fehlen weiterhin 42,4 Prozent der Reisenden. Dies ist primär auf die Verlagerung von Geschäftsreisen auf digitale Kommunikationsmittel sowie auf die Konzentration der Airlines auf rentablere internationale Strecken zurückzuführen. Bemerkenswert ist jedoch, dass die Recovery-Rate in diesem Monat um zwei Prozentpunkte zulegen konnte, was auf eine punktuelle Belebung des innerdeutschen Marktes hindeutet.
Interkontinentalverkehr als Wachstumstreiber
Das Segment der Fernreisen erweist sich als stärkster Motor der Erholung. Mit mehr als 3,54 Millionen Passagieren im November verzeichnete dieser Bereich ein deutliches Wachstum von 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders signifikant ist die Recovery-Rate von 105,4 Prozent im Vergleich zum November 2019. Damit übertrifft die Nachfrage auf Langstreckenrouten das Vorkrisenniveau zum wiederholten Male.
Experten führen diese Entwicklung auf ein Nachholbedürfnis bei privaten Fernreisen sowie auf die Erschließung neuer Märkte in Asien und Nordamerika zurück. Trotz des Rückgangs gegenüber dem Oktober um rund eine halbe Million Passagiere bleibt die Interkontinental-Nachfrage auf einem robusten Niveau. Diese Stabilität ist für die großen deutschen Drehkreuze wie Frankfurt und München von entscheidender Bedeutung, da der Langstreckenverkehr einen wesentlichen Teil der Wertschöpfung an diesen Standorten generiert.
Luftfracht erreicht Jahreshöchststand
Während der Passagierverkehr saisonale Schwankungen aufweist, zeigt sich die Luftfracht im November in absoluter Höchstform. Mit 435.254 Tonnen wurde das höchste monatliche Cargo-Aufkommen des gesamten Jahres 2025 registriert. Dies entspricht einer Steigerung von 4,7 Prozent zum Vorjahr und liegt sogar 1,9 Prozent über dem Wert des Jahres 2019. In einer Phase, die durch geopolitische Spannungen und konjunkturelle Unsicherheiten geprägt ist, fungiert die Luftfracht als verlässlicher Gradmesser für den internationalen Warenhandel.
Getrieben wird dieses Wachstum vor allem durch die sogenannten Ausladungen, also die ankommende Fracht, die um 5,8 Prozent auf 214.544 Tonnen anstieg. Die Einladungen, also der Export per Luftfracht, erreichten 220.709 Tonnen. Die kumulierten Zahlen von Januar bis November zeigen ein Gesamtvolumen von über 4,44 Millionen Tonnen. Die Luftfracht hat sich damit längst von den Krisenjahren erholt und stabilisiert sich auf einem Niveau, das leicht über der Vorkrisenzeit liegt. Besonders E-Commerce-Ströme und die Notwendigkeit schneller Lieferketten für hochwertige Industriegüter stützen diesen Trend.
Flugbewegungen und operative Effizienz
Die Zahl der gewerblichen Flugbewegungen lag im November bei 141.055 Starts und Landungen. Dies stellt ein Plus von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat dar. Interessanterweise liegt die Recovery-Rate der Flugbewegungen mit 83,1 Prozent deutlich hinter der Erholungsrate der Passagierzahlen (90,2 Prozent). Dies verdeutlicht einen Strukturwandel in der Branche: Die Fluggesellschaften setzen vermehrt größere Flugzeuge ein und erreichen eine höhere Sitzladefaktoren.
Diese Entwicklung führt dazu, dass pro Flugbewegung mehr Passagiere befördert werden als noch vor sechs Jahren. Für die Flughafenkoordination und das Slot-Management bedeutet dies eine veränderte Anforderungsstruktur. Die Erholung der Flugbewegungen verläuft langsamer, was auch auf die angespannte Personalsituation bei Fluggesellschaften und Bodenabfertigungsdiensten sowie auf verzögerte Flugzeugauslieferungen bei den großen Herstellern zurückzuführen ist. Dennoch bleibt der Trend stabil nach oben gerichtet.
Jahresbilanz und Ausblick auf den Dezember
In der Gesamtbetrachtung des Zeitraums von Januar bis November 2025 haben bereits 204,06 Millionen Passagiere die deutschen Flughäfen genutzt. Dies entspricht einer Steigerung von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Branche steuert damit auf ein Jahresergebnis zu, das die 220-Millionen-Marke überschreiten könnte. Die Gesamterholungsrate von 87,5 Prozent zeigt, dass der deutsche Markt zwar langsamer wächst als einige südeuropäische Märkte, aber dennoch einen sehr robusten Pfad eingeschlagen hat.
Für den kommenden Dezember wird aufgrund des Weihnachtsverkehrs wieder ein Anstieg der Passagierzahlen erwartet, insbesondere im Bereich der Verwandtenbesuche und des Wintertourismus. Die Luftfracht dürfte durch das Weihnachtsgeschäft ebenfalls auf einem hohen Niveau verharren. Die Stabilisierung des Marktes bei gleichzeitigem Wachstum in den internationalen Segmenten lässt die deutschen Flughafenbetreiber zuversichtlich auf den Abschluss des Geschäftsjahres blicken. Die Herausforderungen liegen weiterhin in der Konsolidierung des innerdeutschen Verkehrs und der Bewältigung der operativen Spitzen an den großen Hubs.