Die Fachverbände der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) haben ein länderübergreifendes Treffen der deutschsprachigen Tourismusverbände in Innsbruck organisiert.
Zu den Teilnehmern gehörten Branchenvertreter aus Deutschland, der Schweiz, Luxemburg, Liechtenstein und Südtirol. Im Zentrum der dreitägigen Beratungen standen die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im alpinen und mitteleuropäischen Raum. Trotz einer stabilen bis guten Auslastung in vielen Ferienregionen blicken die Betriebe aufgrund einer massiven Verschiebung der Kostenstrukturen und einer spürbaren Konsumzurückhaltung der internationalen Gäste besorgt auf die kommenden Saisonen.
Die Delegierten stellten fest, dass die Ertragslage im Hotel- und Gastgewerbe durch stark gestiegene Ausgaben in den Bereichen Energie, Wareneinkauf und Personal massiv belastet wird. Da Einsparpotenziale in den operativen Abläufen weitgehend erschöpft sind und die Kostensteigerungen aus Wettbewerbsgründen nur zu einem Bruchteil auf die Zimmer- und Speisenpreise umgelegt werden können, sinken die Umsatzrenditen kontinuierlich. Erschwerend kommt ein verändertes Ausgabeverhalten der Urlauber hinzu. Statistiken der Verbände zeigen, dass Gäste zunehmend bei gastronomischen Zusatzleistungen sparen, seltener teure Weine oder Desserts bestellen und auch Wellnessangebote wie Massagen restriktiver nutzen.
Ein weiteres zentrales Thema der Konferenz war der anhaltende Strukturwandel in der Gastronomie. Seit Jahren wird in allen teilnehmenden Regionen ein kontinuierliches Sterben traditioneller Gasthäuser sowie ein existenzbedrohender Rückgang im Segment der Nachtgastronomie beobachtet. Als treibende Kräfte hinter dieser Entwicklung identifizierten die Experten den demografischen Wandel sowie ein grundlegend modifiziertes Freizeitverhalten jüngerer Gästegruppen. Vor diesem Hintergrund forderten Alois Rainer und Georg Imlauer von der WKÖ gemeinsam mit ÖHV-Präsident Walter Veit politische Reformen, um die Lohnnebenkosten zu senken, die bürokratischen Auflagen zu reduzieren und unternehmerische Investitionen wieder planbarer zu machen.
Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und das Branchenimage langfristig zu verbessern, vereinbarten die Verbände eine engere Kooperation bei Ausbildungsprojekten und der Modernisierung von Tourismusschulen. Durch länderübergreifende Initiativen zur Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit soll die Attraktivität der Berufe im Gastgewerbe gesteigert werden. Zudem wollen die Verbände gemeinsam Strategien entwickeln, um die Akzeptanz des Tourismus in der einheimischen Bevölkerung zu sichern, da wachsende Verkehrsbelastungen und Kapazitätsgrenzen in einigen Hotspots vermehrt zu regionalen Konflikten führen.