Der Logistikkonzern DHL verfolgt weitreichende Pläne zur Verdichtung seines Transportnetzwerks zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik China. Im Zentrum der aktuellen Bestrebungen stehen Verhandlungen über zusätzliche Flugfrequenzen und erweiterte Streckenrechte, um die Kapazitäten im interkontinentalen Warenverkehr deutlich zu steigern. Bekannt wurden diese strategischen Absichten im Rahmen der jüngsten Delegationsreise von Bundeskanzler Friedrich Merz nach Peking. Die Bundesregierung unterstützt das Vorhaben, da eine effiziente Luftfrachtlogistik als Rückgrat für die bilateralen Handelsbeziehungen zwischen beiden Industrienationen gilt.
Ein wesentlicher Baustein dieser Expansion ist die bereits fixierte Kooperation zwischen DHL und dem chinesischen Technologie- und E-Commerce-Giganten JD.com. Diese Partnerschaft zielt darauf ab, den grenzüberschreitenden Paketstrom zu optimieren und deutschen Unternehmen einen vereinfachten Zugang zum chinesischen Konsumentenmarkt zu ermöglichen. Durch die Kombination der globalen Logistikexpertise von DHL mit der digitalen Vertriebsplattform von JD.com sollen Lieferzeiten verkürzt und die Effizienz der Lieferketten gesteigert werden. Branchenexperten werten diesen Schritt als Reaktion auf das anhaltend hohe Volumen im Online-Handel und die wachsende Bedeutung des asiatischen Marktes für deutsche Markenprodukte.
Die Verhandlungen über die Flugrechte gestalten sich jedoch komplex, da sie eine Abstimmung auf zwischenstaatlicher Ebene erfordern. Bisher sind die Kapazitäten für Frachtflüge durch bilaterale Luftverkehrsabkommen begrenzt. DHL benötigt die zusätzlichen Genehmigungen, um mehr eigene Maschinen der Tochtergesellschaft European Air Transport oder von Partner-Airlines einzusetzen. Der Ausbau ist insbesondere für das Drehkreuz in Leipzig von großer Bedeutung, das als zentraler Hub für die Asien-Verbindungen dient. Eine Aufstockung der Flugfrequenzen würde nicht nur die Auslastung der bestehenden Infrastruktur erhöhen, sondern auch die Marktposition von DHL gegenüber internationalen Konkurrenten im Express-Segment festigen.
Neben der reinen Kapazitätserweiterung spielt die technologische Vernetzung der Logistiksysteme eine entscheidende Rolle. JD.com verfügt in China über eine hochautomatisierte Lagerlogistik, die nun enger mit den europäischen Verteilzentren von DHL verzahnt werden soll. Die geplanten zusätzlichen Flugrouten sollen vor allem die wirtschaftlich starken Provinzen Chinas direkt mit dem deutschen Markt verbinden. Während die politischen Gespräche in Peking fortgeführt werden, bereitet sich der Konzern operativ auf eine Zunahme des Sendungsvolumens vor, um die steigenden Anforderungen der Industrie an Just-in-time-Lieferungen im globalen Handel zu erfüllen.