Boeing 787 (Foto: Jan Gruber).
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Die Premium-Wende: American Airlines forciert den Aufstieg im Langstreckensegment

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Die amerikanische Fluggesellschaft American Airlines vollzieht einen signifikanten strategischen Wandel und konzentriert sich verstärkt auf die Aufwertung ihres Premiumangebots, insbesondere auf Langstreckenflügen. Diese Neuausrichtung wird durch eine Reihe von Produktverbesserungen, sowohl beim „Soft Product“ (variabler Service und Komfortelemente) als auch beim „Hard Product“ (Sitze und Kabinenausstattung), untermauert. Ein zentrales Element dieser Offensive ist die flächendeckende Einführung von Matratzenauflagen in der Flagship Business Class, die nun auf allen Langstreckenflügen zum Einsatz kommen sollen.

Das Bestreben der Airline, sich stärker im gehobenen Marktsegment zu positionieren, ist eine Reaktion auf den zunehmend intensivierten Wettbewerb mit den Hauptkonkurrenten Delta Air Lines und United Airlines. Beide Fluggesellschaften haben in den vergangenen Jahren ihre Premium-Präsenz ausgebaut und in einigen Bereichen Standards gesetzt. American Airlines, die in den 2010er Jahren teilweise Entscheidungen traf, die eher auf eine breitere Marktpositionierung abzielten, sieht sich nun gezwungen, aufzuschließen und eine erstklassige Reiseerfahrung zu bieten, um kaufkräftige Passagiere zu gewinnen und zu binden. Dies wird als entscheidend erachtet, da der Markt für hochpreisige Langstreckenreisen, insbesondere im Freizeitsegment, weiterhin wächst.

Strategische Aufwertung der Business Class

Die kürzlich angekündigte Einführung von Matratzenauflagen auf allen interkontinentalen Flügen in der Flagship Business Class stellt eine wichtige Verbesserung des sogenannten Soft Products dar. Nachdem American Airlines diese Komfortelemente – ebenso wie Schlafanzüge – zeitweise aus der Business Class entfernt und sie dann nur auf ausgewählten Strecken, vor allem nach Asien und Ozeanien, wieder eingeführt hatte, erfolgt nun die vollständige Ausweitung auf das gesamte Langstreckennetz. Dieser Schritt ist notwendig, um mit Konkurrenten wie Delta Air Lines, die ebenfalls Matratzenauflagen auf allen Langstrecken anbieten, und United Airlines, das allgemein für seine hochwertige Bettausstattung bekannt ist, gleichzuziehen.

Die Bemühungen um ein verbessertes Reiseerlebnis gehen jedoch über die Bettausstattung hinaus. American Airlines hat auch in das Bord- und Lounge-Catering investiert. Speziell in den Flagship Lounges ist eine Neuausrichtung erkennbar, die darauf abzielt, durch regional inspirierte Menüs und die Zusammenarbeit mit lokalen Köchen das lokale Flair der Hubs zu betonen. Obwohl American Airlines ein größeres Lounge-Netzwerk als die Konkurrenz besitzt, gelten die Flagship Lounges für Business-Class-Reisende oft noch als verbesserungswürdig, insbesondere im Vergleich zu den Polaris-Lounges von United oder den neueren Delta One-Lounges.

Revolutionäre neue Kabinenausstattung: Die Flagship Suite

Der wohl bedeutendste Schritt in der Premium-Offensive ist die Einführung der neuen Flagship Suite. Diese neue Generation von Business-Class-Sitzen wird in den neuen Boeing 787-9 und Airbus A321XLR Flugzeugen sowie im Zuge einer Nachrüstung in der bestehenden Boeing 777-300ER Flotte verbaut. Die Flagship Suite basiert auf Sitzen von namhaften Herstellern wie Adient Ascent (in der 787-9 und zukünftig in der 777-Flotte) oder Collins Aerospace Aurora (in der A321XLR).

Charakteristisch für die neuen Suiten sind die Privatsphäretüren, die den Passagieren einen geschlossenen Rückzugsort bieten. Darüber hinaus sind die Sitze als vollständig flache Betten konzipiert und bieten teils die Möglichkeit einer „Chaise Lounge“-Position, eine Art Liegeposition zwischen Sitzen und Bett. Die neuen Kabinen verfügen über moderne Annehmlichkeiten wie kabellose Ladefunktionen, Bluetooth-Konnektivität und 4K-Bildschirme für das Bordunterhaltungssystem, ergänzt durch hochwertige Kopfhörer. Die 1-2-1-Konfiguration (Reverse Herringbone oder Herringbone) gewährleistet dabei für jeden Passagier direkten Zugang zum Gang. Das neue Design, entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Designhaus Teague, verwendet Materialien und eine Farbgestaltung, die einen gehobenen Eindruck vermitteln.

Die neuen A321XLR-Flugzeuge, die für längere Strecken auf Single-Aisle-Flugzeugen konzipiert sind, werden mit 20 Flagship Suiten in einer 1-1-Konfiguration ausgestattet – ein Layout, das an Boutique-First-Class-Kabinen erinnert und das „Widebody-Erlebnis“ auf Narrowbody-Flüge übertragen soll.

Kapazitätssteigerung im Premiumsegment

Neben der qualitativen Verbesserung der Sitze legt American Airlines einen starken Fokus auf die quantitative Erweiterung der Premium-Kabinen. Die neuen Boeing 787-9 Flugzeuge, die über die Adient Ascent Sitze verfügen, werden mit 51 Flagship Suiten und 32 Premium Economy Sitzen ausgestattet, was eine deutliche Steigerung gegenüber den älteren 787-9 Modellen mit nur 30 Business-Class- und 21 Premium-Economy-Sitzen darstellt.

Auch die Flaggschiffe der Langstreckenflotte, die Boeing 777-300ER, werden nach der Umrüstung statt der bisherigen acht First-Class-Sitze, 52 Business-Class-Sitze und 28 Premium-Economy-Sitze künftig 70 Flagship Suiten und 44 Premium Economy Sitze aufweisen. Die Streichung der internationalen First Class zugunsten der erweiterten Business Class, die nun den höchsten Standard darstellt, ist ein klarer Trend. American Airlines beabsichtigt, die Anzahl der Lie-Flat- und Premium-Economy-Sitze in der Langstreckenflotte bis zum Ende des Jahrzehnts um etwa 50 Prozent zu erhöhen.

Herausforderungen im Wettbewerbsumfeld

Trotz dieser umfangreichen Investitionen sieht sich American Airlines weiterhin mit Herausforderungen konfrontiert. Das Unternehmen musste im vergangenen Jahrzehnt einige finanzielle Indikatoren hinter seinen Hauptkonkurrenten zurückbleiben. Während die Einführung neuer Sitze der Konkurrenz standhält – United verwendet auf ihren Widebody-Flugzeugen nur ein Sitzmodell (Safran Optima für Polaris), das eher auf Dichte als auf Raum ausgelegt ist, und Delta hat auf älteren Flotten (A330-200/300 und 767) noch veraltete Sitze –, besteht im Bereich des Gesamtnetzwerks und der Bodenabfertigung weiterhin Handlungsbedarf.

American Airlines verfügt über eine geringere Anzahl von Widebody-Flugzeugen als United Airlines, was zu Lücken im Langstreckennetzwerk führen kann. Um die wachsende Nachfrage im Premium-Freizeitmarkt angemessen bedienen und das Langstreckennetz vollständig entwickeln zu können, wird American Airlines nicht nur mehr Premium-Sitze, sondern auch eine größere Widebody-Flotte benötigen. Die Fokussierung auf die Marke und das Kundenerlebnis muss dabei konsequent fortgesetzt werden, um das Image als Premium-Anbieter dauerhaft zu etablieren und die Konsumentenpräferenzen, die sich in den letzten Jahren zugunsten von Carriern mit überlegenen internationalen Netzwerken und großen Premium-Kabinen verschoben haben, auf die eigene Seite zu ziehen. Die aktuellen Investitionen in das Produkt und die Kapazität deuten jedoch darauf hin, dass American Airlines den Weg zu einem stärkeren Premium-Player mit hoher Entschlossenheit beschreitet.

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