In der heutigen Luftfahrtindustrie nehmen Turboprop-Triebwerke immer noch eine Stellung ein, insbesondere im Regionalverkehr und bei militärischen Transportaufgaben. Während die breite Öffentlichkeit oft die großen Strahltriebwerke der Langstreckenjets fokussiert, bietet die Kombination aus Gasturbine und Propeller spezifische physikalische Vorteile, die in bestimmten Flugprofilen unerreicht bleiben.
Dieser Antriebstyp vereint die hohe Leistungsdichte einer Turbine mit dem hohen Wirkungsgrad eines großflächigen Propellers bei niedrigen und mittleren Fluggeschwindigkeiten. Die technologische Entwicklung hat dabei über Jahrzehnte hinweg Systeme hervorgebracht, die durch komplexe Getriebekonstruktionen und automatisierte Blattverstellungen eine präzise Leistungsabgabe ermöglichen. Die folgende Analyse beleuchtet die Funktionsweise, die historische Einordnung sowie die thermodynamischen Gründe für die wirtschaftliche Überlegenheit dieses Antriebskonzepts im Vergleich zu Turbofan-Triebwerken.
Die physikalische Basis: Funktionsweise des Turboprop-Antriebs
Ein Turboprop-Triebwerk besteht im Kern aus einer Gasturbine, die mechanische Arbeit verrichtet, um einen Propeller anzutreiben. Der Prozess beginnt mit dem Ansaugen der Umgebungsluft durch den Einlass. Im nachgeschalteten Verdichter wird die Luft komprimiert, was zu einer massiven Erhöhung von Druck und Temperatur führt. Diese hochverdichtete Luft tritt in die Brennkammer ein, wo kontinuierlich Kerosin eingespritzt und verbrannt wird. Die dabei entstehenden hochenergetischen Gase expandieren durch die Turbinenstufen. Im Gegensatz zum Turbojet, bei dem die Energie primär zur Erzeugung von Rückstoß durch die Düse genutzt wird, entzieht die Turbine beim Turboprop dem Gasstrom fast die gesamte Energie – oft bis zu 90 Prozent oder mehr – und wandelt sie in Rotationsenergie der Welle um.
Diese Rotationsenergie wird über eine Welle an ein Reduktionsgetriebe weitergeleitet. Da Gasturbinen bei sehr hohen Drehzahlen, oft mehreren zehntausend Umdrehungen pro Minute, am effizientesten arbeiten, ein Propeller jedoch aufgrund der Schallgeschwindigkeit an den Blattspitzen deutlich langsamer rotieren muss, ist dieses Getriebe eine technische Notwendigkeit. Es transformiert die hohe Drehzahl der Turbine in ein hohes Drehmoment bei niedriger Drehzahl für den Propeller. Der Propeller selbst fungiert als rotierende Tragfläche, die eine große Luftmasse mit vergleichsweise geringer Geschwindigkeitsänderung nach hinten beschleunigt. Ein kleiner Teil des Schubs wird zusätzlich durch den Restimpuls der Abgase erzeugt, die aus dem Abgasrohr austreten.
Historische Entwicklung vom Kolbenmotor zur Turbine
Die Entstehung des Turboprop-Antriebs ist eng mit der allgemeinen Entwicklung der Gasturbine in den 1930er und 1940er Jahren verknüpft. Vor dem Zweiten Weltkrieg war der Kolbenmotor der einzige verfügbare Antrieb für Flugzeuge. Dieser stieß jedoch bei steigenden Anforderungen an Leistung und Flughöhe an mechanische Grenzen.
Der ungarische Ingenieur György Jendrassik entwarf bereits 1937 den Jendrassik Cs-1, der als weltweit erster funktionierender Turboprop gilt, aufgrund mangelnder Ressourcen in Ungarn jedoch nie in Serie ging. In Großbritannien entwickelte Rolls-Royce zeitgleich Konzepte, die schließlich im Trent-Triebwerk mündeten, einer Weiterentwicklung des Derwent-Strahltriebwerks mit Getriebe und Propeller.
Der eigentliche Durchbruch gelang in den 1950er Jahren mit Triebwerken wie dem Rolls-Royce Dart, das die Vickers Viscount antrieb, das erste kommerziell erfolgreiche Turboprop-Verkehrsflugzeug. In der Sowjetunion wurde unterdessen mit dem Kusnezow NK-12 eines der leistungsstärksten Turboprop-Triebwerke aller Zeiten entwickelt, das bis heute die Tupolew Tu-95 antreibt und durch gegenläufige Propeller enorme Geschwindigkeiten erreicht. Die Entwicklung konzentrierte sich in den folgenden Jahrzehnten auf die Verbesserung der Materialeigenschaften in der Turbine, um höhere Eintrittstemperaturen und somit einen besseren thermischen Wirkungsgrad zu erzielen, sowie auf die Perfektionierung der Propellergeometrie.
Der energetische Vorteil: Warum Turboprops sparsamer sind
Die Frage, warum Turboprop-Triebwerke gegenüber Turbofans (Mantelstromtriebwerken) sparsamer sind, lässt sich über den Vortriebswirkungsgrad erklären. In der Aerodynamik ist es effizienter, eine große Luftmasse moderat zu beschleunigen als eine kleine Luftmasse sehr stark. Der Propeller eines Turboprops hat einen deutlich größeren Durchmesser als der Fan eines Strahltriebwerks und bewegt somit ein weitaus größeres Luftvolumen. Dieser Vorteil kommt besonders bei Fluggeschwindigkeiten unterhalb von etwa 700 Kilometern pro Stunde zum Tragen.
Ein weiterer Faktor ist das Nebenstromverhältnis. Beim Turbofan wird ein Teil der Luft am Kern des Triebwerks vorbeigeführt. Moderne Triebwerke erreichen hier Verhältnisse von etwa 10:1. Ein Turboprop hat theoretisch ein Nebenstromverhältnis von 50:1 oder mehr, da der Propeller weit außerhalb der Triebwerksverkleidung agiert. Bei niedrigeren Geschwindigkeiten, wie sie auf Kurzstrecken üblich sind, benötigt der Turboprop daher wesentlich weniger Kraftstoff, um denselben Schub zu generieren wie ein vergleichbarer Turbofan. Letzterer spielt seine Stärken erst in dünnerer Luft bei hohen Mach-Zahlen aus, wo der Propellerwirkungsgrad aufgrund von Schockwellen an den Blattspitzen drastisch sinkt.

Technische Herausforderungen und die Rolle des Getriebes
Das Reduktionsgetriebe stellt beim Turboprop die kritischste Komponente dar. Es muss enorme mechanische Kräfte auf engem Raum übertragen und gleichzeitig extrem zuverlässig sein. Ein Versagen des Getriebes im Flug hätte den sofortigen Verlust des Vortriebs zur Folge. Moderne Getriebe sind meist als Planetengetriebe ausgeführt, um eine symmetrische Lastverteilung zu gewährleisten. Die Schmierung und Kühlung dieses Systems sind technologisch hochanspruchsvoll, da die Reibungshitze bei der Übertragung von mehreren tausend Kilowatt Wellenleistung abgeführt werden muss.
Zusätzlich verfügen moderne Turboprops über eine Verstellpropeller-Steuerung. Über eine hydraulische oder elektrische Verstellung kann der Anstellwinkel der Propellerblätter im Flug verändert werden. Dies erlaubt es, die Turbine stets im optimalen Drehzahlbereich zu betreiben, während der Schub über den Blattwinkel geregelt wird. In der Startphase wird ein flacher Winkel für maximale Beschleunigung gewählt, im Reiseflug ein steilerer Winkel für höhere Effizienz. Viele Systeme verfügen zudem über eine Segelstellung, bei der die Blätter parallel zum Luftstrom gestellt werden, um den Widerstand bei einem Triebwerksausfall zu minimieren, sowie eine Reversier-Funktion zur Bremsunterstützung nach der Landung.
Zukunftsaussichten und technologische Integration
Obwohl die Jet-Ära den Turboprop zeitweise in den Hintergrund drängte, erleben diese Antriebe durch moderne Steuerungssysteme wie Fadec (Full Authority Digital Engine Control) eine Renaissance. Diese Systeme optimieren das Zusammenspiel von Turbine und Propeller vollautomatisch und entlasten die Piloten. Neue Materialien in den Propellerblättern, wie Verbundwerkstoffe mit Titanvorderkanten, ermöglichen komplexere Formen wie die sogenannten Scimitar-Blätter (Säbelform), die den Wirkungsgrad erhöhen und die Lärmentwicklung reduzieren.
Die Integration des Turboprops in moderne Flugzeugzellen zeigt, dass die Effizienzvorteile auf Strecken bis zu 1.000 Kilometern unschlagbar bleiben. Die spezifischen Verbrauchswerte liegen hier oft um 30 bis 40 Prozent unter denen von Regionaljets. Während der Turbofan für die transkontinentale Mobilität unverzichtbar bleibt, sichert der Turboprop durch seine physikalische Überlegenheit im Langsambereich die Wirtschaftlichkeit im regionalen Luftverkehr. Die stetige Verfeinerung der Gasturbinentechnologie sorgt dafür, dass dieser Antriebstyp auch in Zukunft ein tragender Pfeiler der Luftfahrttechnologie bleibt.