Die russische Luftfahrtbehörde Rosaviatsiya hat eine Untersuchung zu einem schwerwiegenden Zwischenfall beim staatlichen Marktführer Aeroflot eingeleitet.
Grund dafür ist eine erhebliche Überschreitung der gesetzlich zulässigen Flugdienstzeit durch die Besatzung eines Liniendienstes von Sotschi nach Moskau-Scheremetjewo am 12. September 2026. Der betroffene Flug SU1041, durchgeführt mit einer Boeing 737-800 und 138 Passagieren an Bord, musste aufgrund von gesperrten Lufträumen und Sicherheitsauflagen im russischen Luftraum großräumige Umleitungen über das Territorium von Kasachstan fliegen.
Aus Branchenberichten geht hervor, dass die neun köpfige Besatzung – bestehend aus drei Piloten und sechs Flugbegleitern – bereits den Hinweg von Moskau nach Sotschi absolviert hatte. Durch die spürbare Flugzeitverlängerung auf dem Rückflug summierte sich die reine Dienstzeit der Crew bei der Landung gegen 04:00 Uhr morgens auf rund 15 Stunden, exklusive der anschließenden Nachbereitungsaufgaben. Damit wurde das rechtlich vorgeschriebene Limit für die maximale Dienstzeit selbst unter Ausnutzung aller gesetzlichen Ausnahmeregelungen und Verlängerungsoptionen überschritten. Der Flugkapitän meldete den Vorfall nach der Ausstiegsprozedur der Passagiere eigenständig an die Behörden.
Luftfahrtanalysten verweisen darauf, dass die anhaltenden Restriktionen im osteuropäischen Luftraum und die Ausweichrouten über Drittstaaten die Umlaufpläne russischer Fluggesellschaften regelmäßig belasten. Längere Flugstrecken erhöhen nicht nur den Treibstoffverbrauch und den Reparaturbedarf der verbliebenen West-Flotte, sondern treiben auch das Personal an die Grenzen der physischen Leistungsfähigkeit. Die Anhäufung von Überstunden im Cockpit gilt in der Zivilluftfahrt als Sicherheitsrisiko, da Müdigkeit und nachlassende Konzentration die Fehleranfälligkeit bei komplexen Flugmanövern erhöhen.
Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die personellen und operationalen Engpässe im russischen Luftverkehrssektor. Während Rosaviatsiya das Ereignis offiziell als Zwischenfall eingestuft hat, stehen Fluggesellschaften vor der Herausforderung, trotz verlängerter Flugzeiten und geopolitisch bedingter Umwege die gesetzlichen Ruhezeiten der Besatzungen einzuhalten. Die Ergebnisse der behördlichen Untersuchung dürften zeigen, ob Aeroflot ihre Dienstplanungen auf den betroffenen Korridoren anpassen muss.