Die österreichische Bundesbahn (ÖBB) setzt als Vorreiter im europäischen Eisenbahnsektor auf eine innovative Methode zur Inspektion ihres Schienennetzes: die BVLOS-Gleisbefliegung mittels Drohnen. Dieses Verfahren, bei dem Drohnen außerhalb der direkten Sichtweite des Piloten operieren, soll die Effizienz, Präzision und Sicherheit der Streckenüberwachung verbessern.
In Zusammenarbeit mit dem Drohnenspezialisten Hero.aero und ausgestattet mit dem hochpräzisen Riegl VUX-120 Laserscanner, können die ÖBB nun ihre fast 10.000 Kilometer langen Gleise überwachen, ohne den laufenden Zugverkehr zu behindern oder Personal unnötigen Risiken auszusetzen. Dieser strategische Schritt hin zur digitalen Gleisinspektion unterstreicht die Vision der ÖBB, sich von der physischen Präsenz auf den Gleisen zu lösen und neue Maßstäbe in der Infrastrukturwartung zu setzen.
Vom Gleis ins Cockpit: Die technische Neuausrichtung
Die traditionelle Inspektion von Bahnstrecken ist ein aufwendiges Unterfangen. Sie erfordert den Einsatz von Personal, das direkt auf den Gleisen arbeitet, was nicht nur zeitintensiv und teuer ist, sondern auch ein hohes Sicherheitsrisiko birgt. Gerade in schwer zugänglichem Gelände oder bei schlechten Wetterbedingungen sind manuelle Inspektionen eine große Herausforderung. Die ÖBB begegnet diesen Problemen nun mit dem Einsatz von unbemannten Luftfahrzeugen (UAS). Das Herzstück dieser neuen Methode ist der Velos Rotors V3, ein speziell für industrielle Anwendungen entwickelter Dual-Rotor-Hubschrauber. Dieses robuste Fluggerät zeichnet sich durch lange Flugzeiten und eine hohe Nutzlastkapazität aus, was es ideal für die Überwachung großflächiger Infrastrukturen macht.
Die Drohne ist mit dem Riegl VUX-120 Laserscanner ausgestattet, einem System, das für unbemannte Flugsysteme konzipiert wurde. Der Scanner ermöglicht eine 360-Grad-Abtastung und liefert eine hohe Punktdichte, was eine äußerst detaillierte und präzise Kartierung der Schieneninfrastruktur gewährleistet. Die erfaßten Daten können zur Erkennung von Unregelmäßigkeiten wie Schienenverwerfungen, Oberleitungsschäden, aber auch zur Überprüfung der Vegetation entlang der Strecke verwendet werden. Diese hochpräzise Technologie ermöglicht es, Probleme frühzeitig zu identifizieren und präventive Wartungsmaßnahmen einzuleiten, bevor es zu größeren Störungen kommt.
Die Zusammenarbeit mit Hero.aero, einem Spezialisten für maßgeschneiderte Drohnensysteme, ist für die ÖBB von entscheidender Bedeutung. Martin Held, der CEO von Hero.aero, betonte, daß Flüge außerhalb der Sichtweite des Fernpiloten (BVLOS) für sein Unternehmen mittlerweile der Regelfall seien, und unterstrich das Vertrauen der Luftfahrtbehörden in die Kompetenz seines Teams. Diese Expertise ermöglicht es der ÖBB, das volle Potenzial der Technologie auszuschöpfen.

Sicherheit, Effizienz und die digitale Bahn von morgen
Der Einsatz von Drohnen zur Gleisinspektion ist ein wichtiger Baustein für die Vision der digitalen Bahn der ÖBB. Johann Pluy, Vorstandsmitglied der ÖBB-Infrastruktur AG, hob hervor, daß diese Methode besonders in schwer zugänglichem Gelände eine zeitsparende und genaue Übersicht über die Lage verschafft, wovon letztlich die Reisenden profitieren. Die digitale Erfassung von Daten ermöglicht nicht nur eine detaillierte Analyse, sondern auch eine erhebliche Steigerung der Effizienz der Instandhaltungsprozesse. Statt langwieriger manueller Inspektionen können die Daten nun aus der Luft erfaßt und am Computer ausgewertet werden.
Die Reduktion sicherheitskritischer Einsätze auf den Gleisen ist ein weiterer entscheidender Vorteil der neuen Technologie. Die Sicherheit des Bahnpersonals hat oberste Priorität. Durch die Möglichkeit, risikobehaftete Streckenabschnitte aus der Luft zu überwachen, müssen sich die Inspektionsmannschaften nicht mehr direkt im Gleisbereich aufhalten. Dies minimiert die Gefahr von Unfällen und trägt zu einer sichereren Arbeitsumgebung bei.
Die Implementierung der BVLOS-Drohnenflüge führt zu erheblichen Kosteneinsparungen, da keine Gleise mehr gesperrt und keine Züge umgeleitet werden müssen. Dies vermeidet Verspätungen und erhöht die Zuverlässigkeit des Bahnnetzes. Die präventive Wartung, die durch die detaillierten Daten ermöglicht wird, hilft, größere Schäden und teure Reparaturen zu vermeiden. Die ÖBB investiert somit in eine zukunftsweisende Technologie, die die Instandhaltung von Bahninfrastrukturen revolutionieren soll.
Die ÖBB ist in ihrer Rolle als Pionierin in Europa nicht allein. Zahlreiche Eisenbahngesellschaften weltweit erproben bereits ähnliche Technologien zur Optimierung ihrer Infrastrukturwartung. Die Deutsche Bahn nutzt ebenfalls Drohnen, um beispielsweise Brücken zu inspizieren oder Vegetationskontrollen durchzuführen. Die französische SNCF experimentiert mit Drohnentechnik zur Überwachung von Hochgeschwindigkeitsstrecken. Diese globalen Entwicklungen zeigen, daß der Einsatz unbemannter Luftfahrzeuge in der Bahnbranche ein weltweiter Trend ist, der die Effizienz und Sicherheit maßgeblich verbessert.
Mit der Kombination aus dem Velos Rotors V3, dem Riegl VUX-120 Laserscanner und der Expertise von Hero.aero hat die ÖBB eine leistungsstarke Plattform geschaffen, die präzise Analysen und nachhaltige Instandhaltungsstrategien unterstützt. Dieser Meilenstein in der digitalen Transformation der Bahninfrastruktur zeigt, wie technologische Innovation die Sicherheit, Effizienz und Zuverlässigkeit in der Eisenbahnbranche nachhaltig verbessern kann.