Über den Wolken (Foto: Jan Gruber).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Diplomatische Krise in Westafrika: US-Piloten nach Tankstopp in Guinea inhaftiert

Werbung

Ein Routineflug zwischen Südamerika und dem Nahen Osten hat sich für zwei US-amerikanische Piloten in einen diplomatischen Albtraum verwandelt. Fabio Espinal Nunez aus New Jersey und Brad Schlenker aus Illinois befinden sich seit nunmehr sechs Wochen in Conakry, der Hauptstadt Guineas, in Haft. Was als gewöhnlicher technischer Zwischenstopp zur Treibstoffaufnahme geplant war, eskalierte unmittelbar nach der Landung auf dem Ahmed Sékou Touré International Airport zu einer bewaffneten Konfrontation auf dem Vorfeld.

Während die guineischen Behörden den Piloten eine Verletzung der nationalen Souveränität und eine unbefugte Landung vorwerfen, beteuern die Familien der Männer sowie Branchenexperten, dass alle erforderlichen Genehmigungen vorlagen und der Kontakt zur Flugsicherung zu jedem Zeitpunkt vorschriftsmäßig unterhalten wurde. Die Situation wird durch die instabile Sicherheitslage in Guinea und jüngste gewaltsame Vorfälle im Gefängnissystem von Conakry weiter verschärft, was die Angehörigen nun dazu veranlasst, die US-Regierung unter Präsident Trump zu einer direkten diplomatischen Intervention aufzufordern.

Hintergrund des Vorfalls auf dem Flughafen Conakry

Der Vorfall ereignete sich Ende Dezember 2025, als die beiden erfahrenen Piloten einen Geschäftsreisejet des Typs Gulfstream IV steuerten. An Bord befand sich eine brasilianische Familie, die von Suriname nach Dubai reisen wollte. Conakry war als planmäßiger Stopp für die Betankung vorgesehen. Laut Schlenker zeigten Funktranskripte und Flugdokumente eindeutig, dass die Besatzung eine Landegenehmigung erhalten hatte. Dennoch wurden sie nach dem Aufsetzen von einem massiven Aufgebot bewaffneter Militärkräfte empfangen. Schlenker beschrieb die Szenerie als einen Hinterhalt, bei dem rund 100 Soldaten das Flugzeug umstellten und mit Gewehren auf die Insassen zielten, während gepanzerte Fahrzeuge in Position gebracht wurden.

Die Vorwürfe der guineischen Regierung wiegen schwer. Sie behauptet, die Maschine sei ohne gültige Überflug- oder Landegenehmigung in den Luftraum eingedrungen. Quellen aus dem Umfeld der Piloten vermuten jedoch, dass ein lokaler Abfertigungsdienstleister für einen Fehler in der Dokumentation verantwortlich sein könnte oder die Inhaftierung politisch motiviert ist. In den ersten zehn Tagen wurden die Männer auf einer Polizeistation festgehalten, bevor sie in das zentrale Gefängnissystem der Hauptstadt überstellt wurden. Dort drohen ihnen bei einer Verurteilung wegen Souveränitätsverletzung bis zu 20 Jahre Haft.

Prekäre Haftbedingungen und Sicherheitsrisiken

Die Haftbedingungen im Gefängnis von Conakry werden von Angehörigen als katastrophal beschrieben. Lauren Stevenson, die Verlobte von Espinal Nunez, berichtete gegenüber US-Medien von extremer Überbelegung, Schmutzböden und mangelhaften sanitären Einrichtungen. Die Insassen müssten sich beim Schlafen abwechseln, da der Platz nicht für alle gleichzeitig ausreiche. Zudem seien die Gefangenen auf Lebensmittelspenden von außen angewiesen. Diese Berichte werden durch die angespannte Lage in der Stadt untermauert. Am 10. Februar 2026 kam es in der Nähe des Zentralgefängnisses zu heftigen Schusswechseln, die internationale Beobachter in Alarmbereitschaft versetzten.

Berichten zufolge fielen die Schüsse zeitgleich mit dem Transport eines prominenten Häftlings, der mit den Unruhen von 2009 in Verbindung steht. Andere Quellen vermuten einen gescheiterten Ausbruchsversuch. Diese Gewaltakte verdeutlichen das Risiko, dem die US-Piloten in der Einrichtung ausgesetzt sind. Das US-Außenministerium bestätigte, dass Konsularbeamte die Männer mehrfach besucht haben, doch die Familien fordern nun eine Einstufung als unrechtmäßig inhaftierte Staatsbürger, um den diplomatischen Druck auf die Militärjunta in Guinea zu erhöhen.

Interessanterweise scheinen die zivilen Gerichte in Guinea einer Freilassung der Piloten nicht im Wege zu stehen. Laut Stevenson wurden bereits juristische Schritte eingeleitet, die eine Entlassung unter Auflagen ermöglichen würden, solange das Verfahren läuft. Diese Entscheidungen werden jedoch offenbar vom guineischen Militär blockiert. Dies deutet auf einen internen Machtkampf oder eine bewusste Instrumentalisierung des Falls durch die Sicherheitskräfte hin. Die Pilotenorganisationen und Familienmitglieder betonen, dass ein bürokratischer Fehler bei einem Tankstopp unter normalen Umständen durch eine Geldstrafe oder eine nachträgliche Dokumentation gelöst wird, nicht jedoch durch eine monatelange Inhaftierung in einem Hochsicherheitsgefängnis.

Die Forderung nach politischer Intervention in Washington

Angesichts der festgefahrenen Situation haben sich die Angehörigen direkt an die Trump-Administration gewandt. In einem emotionalen Appell rief Brad Schlenker den Präsidenten dazu auf, seinen Einfluss geltend zu machen, um die Rückkehr der Männer zu erwirken. Die Familien argumentieren, dass es sich um einen rein zivilen Charterflug handelte und die Piloten lediglich ihren Beruf ausübten. Der Fall wird in den USA zunehmend als Test für die neue Regierung im Umgang mit krisenhaften Situationen in instabilen Regionen wahrgenommen.

Luftfahrtexperten warnen zudem vor den Auswirkungen solcher Vorfälle auf die internationale Geschäftsluftfahrt. Wenn technische Zwischenstopps in afrikanischen Staaten zu unvorhersehbaren Verhaftungen führen, könnte dies weitreichende Konsequenzen für die Routenplanung und die Sicherheit von Besatzungen haben. Der Fokus der diplomatischen Bemühungen liegt nun darauf, Guinea zur Einhaltung internationaler Luftfahrtabkommen und rechtsstaatlicher Standards zu bewegen, um eine weitere Eskalation zu vermeiden und die körperliche Unversehrtheit der Piloten sicherzustellen.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung