Eurostar (Foto: Pixabay/Emil02050).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Direktverbindung London – Deutschland: Deutsche Bahn und Eurostar planen Hochgeschwindigkeitsachse durch den Kanaltunnel

Werbung

Die Deutsche Bahn (DB) und das europäische Hochgeschwindigkeitsunternehmen Eurostar haben eine Absichtserklärung zur Schaffung einer direkten Zugverbindung zwischen London und Deutschland unterzeichnet. Das ambitionierte Projekt sieht vor, in den frühen 2030er Jahren eine durchgehende Hochgeschwindigkeitsachse in Betrieb zu nehmen, die Reisenden eine bequeme und schnelle Alternative zur Flugreise von Stadtzentrum zu Stadtzentrum bieten soll. Der geplante Verkehr soll mit den neuen doppelstöckigen Celestia-Zügen von Eurostar abgewickelt werden. Obwohl die politische Unterstützung auf beiden Seiten des Ärmelkanals vorhanden ist, sind noch erhebliche technische, betriebliche und rechtliche Hürden zu überwinden, bevor die ersten Fahrten angeboten werden können.

Die Kooperation bündelt die jeweiligen Kernkompetenzen der Partner. Eurostar bringt seine umfangreiche Erfahrung im Betrieb von internationalen Hochgeschwindigkeitszügen, insbesondere durch den Tunnel unter dem Ärmelkanal und im Umgang mit den komplexen Sicherheits- und Grenzkontrollverfahren, ein. Die Deutsche Bahn steuert ihre weitverzweigte Präsenz und das Know-how im deutschen Schienennetz bei. Michael Peterson, Vorstand für Personenfernverkehr der Deutschen Bahn, hob hervor, dass diese Zusammenarbeit ein weiterer Schritt hin zu einer engeren Integration des europäischen Bahnmarktes sei. Das Projekt soll die Metropolen Deutschlands und das Vereinigte Königreich mit Hochgeschwindigkeit näher zusammenbringen.

Herausforderungen in der Infrastruktur und Sicherheit

Die Realisierung einer solchen Direktverbindung erfordert die Überwindung vielfältiger technischer und administrativer Herausforderungen. Eine der zentralen Komplexitäten liegt in der Inkompatibilität der Signalsysteme und Stromversorgung zwischen dem britischen und kontinentaleuropäischen Schienennetz. Die Celestia-Züge, die für den Einsatz geplant sind, müssen als sogenannte Mehrsystemzüge in der Lage sein, unter verschiedenen Stromsystemen und Signalsystemen, darunter das europäische Zugsicherungssystem ETCS, zu verkehren.

Darüber hinaus stellen die Sicherheitsbestimmungen und Grenzkontrollverfahren im Kanaltunnel eine besondere Hürde dar. Der Betrieb durch den Tunnel unterliegt strengen Sicherheitsvorschriften, die nach wie vor komplexe Kontrollen erfordern. Reisende müssen vor der Abfahrt in Großbritannien sowohl britische als auch französische beziehungsweise belgische Ausreise- und Einreisekontrollen durchlaufen. Bei einer Direktverbindung nach Deutschland müssten möglicherweise zusätzlich deutsche Beamte in den Kontrollprozess integriert werden, oder es müssten innovative Lösungen für die Durchführung der Kontrollen im Zug oder an Zwischenhalten gefunden werden. Dies erfordert eine Anpassung der bestehenden Abkommen und möglicherweise Investitionen in die Abfertigungsanlagen der Start- und Zielbahnhöfe in Deutschland.

Politische und administrative Unterstützung

Die politische Unterstützung auf höchster Ebene in beiden Ländern wird als positives Zeichen für die Realisierbarkeit des Projekts gewertet. Eine Mitteilung von Eurostar betonte, dass die Regierungen in London und Berlin die Direktverbindung als wichtigen Schritt zur Stärkung der europäischen Verkehrsinfrastruktur sehen. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hob hervor, dass bereits eine Task Force ins Leben gerufen wurde. Diese Task Force, die als Ergebnis eines im Juli unterzeichneten Vertrages zwischen Deutschland und Großbritannien ins Leben gerufen wurde, soll die politischen, infrastrukturellen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die Direktverbindung klären.

Zu den zu klärenden rechtlichen Fragen gehört die Ausgestaltung der internationalen Partnerschaft und die Verantwortung für den Betrieb auf den jeweiligen nationalen Streckenabschnitten. Auch die Frage der Finanzierung von notwendigen Anpassungen an der Infrastruktur und den Terminals sowie die Beschaffung oder Anpassung des rollenden Materials muss noch geklärt werden. Obwohl die Celestia-Züge modernste Technik bieten, muss ihre Zulassung für das gesamte Streckennetz – von London über Belgien und/oder Frankreich bis tief nach Deutschland – in allen relevanten Ländern finalisiert werden.

Die Celestia-Züge: Eine neue Generation

Die geplanten doppelstöckigen Celestia-Züge, eine Weiterentwicklung des Eurostar-Fuhrparks, sind darauf ausgelegt, eine hohe Kapazität mit verbessertem Komfort zu verbinden. Ihre doppelstöckige Bauweise ermöglicht eine effizientere Nutzung der Zuglänge, was gerade auf hochfrequentierten Strecken wichtig ist. Sie sind mit modernster Kommunikationstechnologie und einer verbesserten Innenausstattung konzipiert, um das Reiseerlebnis zu optimieren. Solche Hochgeschwindigkeitszüge sind ein wesentlicher Faktor im Wettbewerb mit dem Flugverkehr, da sie nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch Arbeitsmöglichkeiten und Lounge-Bereiche an Bord bieten.

Derzeit sind die wichtigsten Hochgeschwindigkeitsverbindungen von London auf Paris und Brüssel beschränkt. Eine Ausweitung nach Deutschland würde eine neue Ära des internationalen Schienenverkehrs einläuten und das Netz der Hochgeschwindigkeitsverbindungen in Europa signifikant erweitern. Frühere Versuche, Direktverbindungen von Deutschland nach London anzubieten, waren an den komplexen Sicherheitsanforderungen und logistischen Herausforderungen im Kanaltunnel gescheitert. Die aktuellen Pläne deuten darauf hin, dass die technologischen Fortschritte und die politische Einigung nun die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung schaffen könnten.

Wirtschaftliche Perspektiven und Marktanalyse

Die Direktverbindung zwischen Deutschland und London hat das Potenzial, den Reisemarkt neu zu ordnen. Großstädte wie Köln, Frankfurt und gegebenenfalls auch das Ruhrgebiet würden direkt an das britische Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen. Angesichts der hohen Flugfrequenz auf den Korridoren zwischen den britischen und deutschen Metropolen könnte eine schnelle und bequeme Zugverbindung einen attraktiven Marktanteil gewinnen. Die Reise von Stadtzentrum zu Stadtzentrum ohne die üblichen langen Vorlaufzeiten am Flughafen und die Wartezeiten bei Sicherheitskontrollen bietet einen klaren Zeitvorteil, insbesondere für Geschäftsreisende auf kürzeren Strecken.

Die europäische Eisenbahnindustrie erlebt derzeit eine Renaissance, getrieben durch politische Initiativen zur Stärkung des Schienenverkehrs. Diese Initiative von DB und Eurostar reiht sich ein in eine Reihe von Projekten zur Verbesserung der grenzüberschreitenden Bahnverbindungen in Europa. Der Erfolg der Direktverbindung wird stark von der Reisezeit abhängen; eine wettbewerbsfähige Tür-zu-Tür-Zeit im Vergleich zu Kurzstreckenflügen ist essentiell. Die Partnerschaft zielt darauf ab, die Gesamtreisezeit so attraktiv wie möglich zu gestalten, um eine ernsthafte Konkurrenz zum Luftverkehr aufzubauen. Die frühen 2030er Jahre sind dabei ein realistisches, aber ambitioniertes Zieldatum, das die Notwendigkeit umfangreicher Vorarbeiten in den Bereichen Infrastruktur, Sicherheit und Betrieb reflektiert.

Werbung

1 Comment

  • Jürgen Witte , 8. Dezember 2025 @ 20:24

    Naja, das ist nichts Neues …
    Die DB hat schon vor einigen Jahren groß angekündigt, Züge zwischen Deutschland und London fahren zu wollen.
    (man hatte sogar einen Mehrsystem ICE mal in London ausgestellt, wenn ich mich nicht irre)
    Danach ist es dann schnell ziemlich ruhig zu dem Thema geworden …
    Ich bezweifle, daß man non-stop Züge z.B. von Frankfurt nach London fahren lassen wird/kann.
    Das größte Hindernis dürften die Sicherheitsvorschriften darstellen, denn Züge durch den Kanaltunnel müssen zwingend „steril“ in Bezug auf die Sicherheitskontrollen (die Zugeinheiten selber, wie auch die Fahrgäste) sein.
    Analog zum Luftverkehr.
    Die Einreise-/Zollkontrollen sind dagegen einfacher zu organisieren, da sie im Prinzip so wie bisher gehandhabt werden.
    Das bedeutet Französische Beamten in London und Ashford, sowie Britische Beamten (aktuell) in Brüssel / Amsterdam ? / Paris.
    Deutsche Beamte werden nicht gebraucht, da die Kontrollen zur Einreise in die EU bzw. den Schengenraum durch das erste Land durchgeführt werden, daß die Fahrgäste betreten. Somit bleibt Alles beim Alten.

Schreibe einen Kommentar zu Jürgen Witte Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung