Die Seefestspiele Mörbisch haben sich am Abend des 10. Juli 2025 in ein schillerndes Brooklyn der 1970er Jahre verwandelt. Mit der Premiere des Musicals „Saturday Night Fever“ wurde eine Ode an eine Ära zelebriert, die durch den gleichnamigen Kultfilm und die unvergängliche Musik der Bee Gees geprägt ist. Ein Abend voller Nostalgie, beeindruckender Choreographien und dem Glanz einer Vergangenheit, die bis heute fasziniert.
Die Erwartungen an die diesjährige Inszenierung waren hoch, und Intendant Alfons Haider hatte allen Grund zur Entspannung. Nach einigen unbeständigen Tagen präsentierte sich das Wetter pünktlich zur Premiere von seiner besten Seite, und ein lauer Sommerabend umhüllte die tausenden Besucher. Haiders Entscheidung, „Saturday Night Fever“ auf die Seebühne zu bringen, scheint eine Punktlandung zu sein. Er selbst zog im Vorfeld Parallelen zwischen der damaligen Hoffnungs- und Ausweglosigkeit der Jugend, die in der Disco einen Zufluchtsort fand, und der heutigen Zeit, in der das Internet eine ähnliche Rolle einzunehmen scheint. Eine interessante Gedankenspielerei, die dem Unterhaltungsstück eine tiefere Ebene verleiht.
Das Bühnenbild, verantwortet von Walter Vogelweider, war zweifellos ein Blickfang und ein Meisterwerk der Illusion. Die Verwandlung der Seebühne in den New Yorker Stadtteil Brooklyn mit der markanten Skyline von Manhattan und der imposanten Verrazzano-Narrows Bridge war überzeugend und stimmungsvoll. Das glitzernde Pink und die funkelnden Lichter, die Regisseur Karl Absenger in Zusammenarbeit mit dem Bühnenbildner auf die Bühne zauberte, schufen die perfekte Kulisse für das pulsierende Discoleben. Neuartige Filmelemente, die erstmals in die Show integriert wurden, belebten die rund 3.600 Quadratmeter große Bühne zusätzlich und trugen zur Immersion bei.
Im Zentrum der Handlung steht Tony Manero, der junge Italo-Amerikaner aus Brooklyn, gefangen in einem grauen Alltag und den Wirren seines Milieus. Seine Flucht findet er auf dem Dance-Floor, wo er zum unangefochtenen König der Samstagnächte avanciert. Fabio Diso, der an diesem Abend in die Rolle des Tony Manero schlüpfte – abwechselnd mit Paul Csitkovics –, verstand es, die ikonische Figur mit Bravour zu verkörpern. Sein Hüftschwung erinnerte an John Travolta und seine Präsenz auf der Bühne war unbestreitbar. Die Tanzchoreographien von Faye Heather Anderson waren bis ins kleinste Detail präzise und schwungvoll. Sie ließen die Energie der 70er Jahre spürbar werden und animierten das Publikum zum Mitwippen, ja beinahe zum Mittanzen.

Intendant Alfons Haider, Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber).
Die Musik der Bee Gees, das Herzstück des Musicals, erklang in Mörbisch in neu arrangierter Form. Der musikalische Leiter Tom Bitterlich wagte es, den unverwechselbaren Sound der Gibb-Brüder nicht zu kopieren, sondern ihm eine zeitgemäße Interpretation zu verleihen. „Stayin’ Alive“, „How Deep Is Your Love“ und „Night Fever“ – die Hits, die Generationen geprägt haben, funktionierten auch in dieser Neuinterpretation hervorragend und wurden vom Publikum teils mitgesungen.
Das junge Ensemble präsentierte sich gut aufgelegt und harmonierte, abgesehen von einigen kleineren Unstimmigkeiten, hervorragend. Ihnen gelang es, die Mischung aus der Aussichtslosigkeit in Brooklyn und der überbordenden Lebensfreude der Discos authentisch darzustellen. Besonders hervorzuheben ist die stimmliche Leistung von Amanda Whitford in der Rolle der Clubsängerin, die das Publikum begeisterte. Anna Rosa Döller als Tonys Angebetete Stephanie Mangano überzeugte sowohl optisch im Marilyn Monroe-Look als auch gesanglich. Die Frage, ob die beiden den Tanzwettbewerb gewinnen und Stephanie Tonys Charme erliegen würde, hielt die Spannung bis zum Schluss aufrecht, auch wenn der Ausgang für viele Kenner der Geschichte absehbar war.

Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber).
Die Geschichte von Tony Manero ist jedoch mehr als nur ein Tanzmärchen. Sie beleuchtet auch die nachdenklichen Seiten des Lebens: Einsamkeit, Frustration und die Schwierigkeit, einem scheinbar vorgezeichneten Weg zu entkommen. Doch Mörbisch wäre nicht Mörbisch, wenn nicht am Ende ein Lichtblick stünde. Getreu der Tradition der Seefestspiele mündet die Geschichte in ein glückliches Ende, das die Zuschauer mit einem Lächeln auf den Lippen in die laue Sommernacht entließ.
Der Prominentenaufmarsch zur Premiere war und trug zum mondänen Hollywood-Flair bei. Zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft, darunter Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, Landesräte, Landtagspräsidentin Astrid Eisenkopf, ORF-Wetterlady Christa Kummer, Waterloo, Mausi Lugner, Toni Polster und Stefan Maierhofer, zeigten sich vom Disco-Sound und der Atmosphäre begeistert. Generalintendant Alfons Haider zeigte sich nach der Vorstellung sichtlich zufrieden: „Es ist alles aufgegangen, was wir erwartet haben, und dem Publikum hat es gefallen.“
Die Seefestspiele Mörbisch – Eine Bühne im Schilf
Die Seefestspiele Mörbisch sind ein jährlich stattfindendes Operetten- und Musicalfestival, das sich am Neusiedlersee im österreichischen Burgenland etabliert hat. Sie sind bekannt für ihre einzigartige Lage auf einer imposanten Seebühne und ziehen jedes Jahr zehntausende Besucher an.
Die Geschichte der Seefestspiele Mörbisch reicht zurück bis ins Jahr 1957. Ursprünglich als kleinere Festspiele ins Leben gerufen, entwickelten sie sich rasch zu einem der bedeutendsten Open-Air-Theater Europas. Die Idee, Operetten in einer so außergewöhnlichen Naturkulisse aufzuführen, erwies sich als äußerst erfolgreich. In den Anfangsjahren stand vor allem die Wiener Operette im Mittelpunkt des Spielplans, mit Werken von Johann Strauß, Franz Lehár und Emmerich Kálmán. Unter der Leitung namhafter Intendanten, darunter Herbert Alsen und Harald Serafin, der die Festspiele über viele Jahre prägte, erlangten die Seefestspiele internationale Bekanntheit. In den letzten Jahren haben die Festspiele ihr Repertoire erweitert und zeigen neben klassischen Operetten auch Musicals, was ein breiteres Publikum anspricht und die Tradition mit modernen Elementen verbindet. Der Wechsel zu Musicals hat sich als kluger Schachzug erwiesen und bringt neues Leben auf die Seebühne.
Die Location: Die Seebühne
Das Herzstück der Seefestspiele Mörbisch ist die Seebühne, eine der größten Open-Air-Bühnen der Welt. Sie liegt direkt im Neusiedlersee, einem Steppensee, der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört und von einem ausgedehnten Schilfgürtel umgeben ist. Die Bühne selbst ist eine beeindruckende Konstruktion, die Jahr für Jahr neu gestaltet und an das jeweilige Bühnenbild angepasst wird. Ihre Dimensionen sind gewaltig: Sie erstreckt sich über eine Fläche von rund 3.600 Quadratmetern und bietet Platz für komplexe und aufwendige Kulissen, die oftmals ganze Städte oder fantastische Welten entstehen lassen.
Die Tribünen für das Publikum sind am Ufer positioniert und bieten eine hervorragende Sicht auf die Bühne, wobei die Weite des Sees und der Sonnenuntergang über dem Wasser eine natürliche und unvergleichliche Kulisse bilden. Die Akustik auf der Seebühne ist eine besondere Herausforderung, die durch moderne Technik und ausgefeilte Beschallungssysteme gemeistert wird. Das Erlebnis, Theater unter freiem Himmel mit der natürlichen Umgebung des Neusiedlersees zu verbinden, macht die Seefestspiele Mörbisch zu einem einzigartigen kulturellen Highlight. Die Kombination aus Naturerlebnis, aufwendiger Inszenierung und hochkarätigen Darbietungen ist es, die Besucher aus aller Welt anzieht und Mörbisch zu einem festen Bestandteil des europäischen Festspielsommers macht.

Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber). 
Seefestspiele Mörbisch 2025 (Foto: Jan Gruber).
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