Das österreichische Verkehrsunternehmen Dr. Richard hat als größter privater Busbetreiber im deutschsprachigen Raum die Inbetriebnahme seiner ersten drei vollelektrischen Reisebusse bekannt gegeben.
Die Fahrzeuge des Typs Yutong T12E werden an den Standorten Wien und Salzburg stationiert und erweitern den Fuhrpark um eine technologische Komponente für den Gelegenheits- und Mietwagenverkehr. Mit einer Kapazität von jeweils 50 Passagiersitzplätzen sind die Einheiten primär für den Einsatz bei Stadtrundfahrten, Shuttlediensten und Tagesausflügen im regionalen Umkreis vorgesehen. Das Unternehmen nutzt hierfür die bereits bestehende Ladeinfrastruktur auf den eigenen Betriebshöfen, die zuvor für die städtischen Linienbusse und Hop-on-Hop-off-Flotten errichtet wurde.
Die technische Ausstattung der neuen Modelle umfasst eine Batteriekapazität von rund 400 Kilowattstunden, was eine operative Reichweite von etwa 380 Kilometern ermöglicht. Geladen werden die Fahrzeuge mit einer Leistung von bis zu 150 Kilowatt, um die Standzeiten zwischen den Einsätzen effizient zu gestalten. Laut Unternehmensführung basierte die Entscheidung für den chinesischen Hersteller Yutong auf umfangreichen Marktanalysen und Testreihen, wobei die Konformität mit europäischen Sicherheitsstandards und die sofortige Verfügbarkeit der Technologie ausschlaggebend waren. Parallel zur Einführung dieser Modelle arbeitet die Gruppe bereits an der Konzeption eines größeren Elektro-Reisebusses, der über 60 Sitzplätze verfügen soll, um auch größere Reisegruppen bedienen zu können.
Hintergrund dieser Flottenmodernisierung ist die langfristige Strategie des Familienunternehmens, den Anteil alternativer Antriebsformen im gesamten Streckennetz zu erhöhen. Während im Bereich der Linienbusse bereits 49 Elektrofahrzeuge bei der Tochtergesellschaft Albus in Salzburg im Einsatz sind, stellt der Einsatz im Reisebussegment aufgrund der höheren Anforderungen an Reichweite und Komfort eine Neuerung dar. Die Dr. Richard Gruppe, die jährlich rund 1.100 Busse betreibt und über 56 Millionen Kilometer zurücklegt, investiert hierfür verstärkt in eigene Photovoltaikanlagen und Ladeparks an den 15 Standorten der Firmengruppe. Ziel ist es, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren und die Betriebskosten durch Eigenstromnutzung zu optimieren.
Die Expansion im Bereich der Elektromobilität wird durch den Ausbau der Standorte in der Wiener Wildpretstraße und in Salzburg unterstützt, wo bis Ende 2028 allein im städtischen Verkehr rund 80 Elektrobusse verkehren sollen. Die Integration der Reisebusse in diesen Betriebskreislauf gilt als Pilotprojekt für den grenzüberschreitenden Fernverkehr, der technisch noch vor größeren Herausforderungen steht. Mit einem Jahresumsatz von über 230 Millionen Euro im Jahr 2025 festigt das Unternehmen durch diese Investitionen seine Marktposition im privaten Sektor und reagiert auf die steigende Nachfrage nach technologisch modernen Transportlösungen im Tourismus- und Eventbereich.