Ein Vorfall auf einem Flug der Aegean Airlines hat bei Tierschützern und Tierhaltern Bestürzung ausgelöst. Drei Katzen, die von einem frischvermählten Ehepaar aus Kreta gerettet wurden, sind nach einem Flug nach Paris in den Wirren des Luftverkehrs verschwunden.
Obwohl die Geschichte eine glückliche Wendung nahm und die Tiere später wieder auftauchten, wirft der Vorfall gravierende Fragen über die Sorgfaltspflicht von Fluggesellschaften im Umgang mit Tieren auf. Die Fluggesellschaft Aegean Airlines erklärte, die Katzen seien nie verloren gewesen, sondern lediglich „aus betrieblichen Gründen“ nicht entladen worden. Das betroffene Paar berichtet von einem traumatisierten Zustand der Tiere und kritisiert das fehlende Bedauern der Airline, die sich in ihrer Mitteilung lediglich auf eine rein sachliche Darstellung beschränkte.
Vom Rettungseinsatz zum Abenteuer im Frachtraum
Der Alptraum für das Ehepaar Bethany Mulcahy-Stephenson und Adam begann, nachdem sie die drei Katzen auf Kreta gerettet hatten und deren Transport nach Paris arrangierten. Die Tiere sollten dort abgeholt werden. Obwohl die Katzen in Paris ankamen, wurden sie nicht entladen. Sie blieben im Frachtraum des Flugzeugs zurück, das seine Reise nach Thessaloniki fortsetzte. Die frischvermählten Eheleute befürchteten, die Tiere nie wiederzusehen, und sorgten sich um ihre Sicherheit in einem kalten, lauten und unbeleuchteten Frachtraum, wo sie ohne Wasser und Futter ausharren mußten.
Nach einer turbulenten Kommunikationskette, in der die Fluggesellschaft zunächst eine Rückkehr der Katzen nach Paris in zwei Tagen ankündigte, willigte Aegean Airlines schließlich ein, die Tiere über Athen zurückzuschicken. Diesmal durften die Katzen in der Passagierkabine mit einem Begleiter reisen. Bethany Mulcahy-Stephenson berichtete der britischen Zeitung „The Guardian“: „Ich leuchtete mit der Taschenlampe zehnmal hinein, um sie alle zu zählen. Ich war so erleichtert, sie zu sehen und sie sicher im Auto zu haben. Als sie ankamen, waren sie völlig traumatisiert, sie wollten nicht fressen, wir mußten mit ihnen zum Tierarzt.“
Ein wiederkehrendes Problem mit unklaren Verantwortlichkeiten
Der jüngste Vorfall ist kein Einzelfall. Bereits im März 2024 hatte Aegean Airlines für Schlagzeilen gesorgt, als ein Kätzchen namens „Rodri“ auf einem Flug von Kreta nach München über Athen verschwand. Der Besitzer hatte die Katze in einer Transportbox beim Personal des Flughafens Chania abgegeben. Beim Zwischenstopp in Athen stellte er fest, daß die Box beschädigt war und die Katze entkommen war. Trotz intensiver Suche blieb das Kätzchen verschwunden. Diese Vorfälle werfen die Frage auf, ob die Sorgfaltspflicht der Fluggesellschaften im Umgang mit Tieren in ihrem Frachtraum ausreichend ist und ob die Kommunikation in kritischen Situationen den Erwartungen der Kunden entspricht.
Fluggesellschaften haben eine komplexere Rolle, als viele Passagiere annehmen. Die Verantwortung für das Verladen und Entladen von Tieren liegt nicht ausschließlich bei der Fluggesellschaft. Die Vorgänge werden auch von den Dienstleistern am Boden, den sogenannten Ground Handling Agents, durchgeführt. Diese werden von den Fluggesellschaften beauftragt und sind für die ordnungsgemäße Abwicklung der Fracht- und Gepäckdienste zuständig. Im Falle von Tieren in der Fracht, müssen die Mitarbeiter sicherstellen, daß die Tiere ordnungsgemäß in den Flugzeugen verstaut und wieder entladen werden. Fehler in diesen Prozessen können auf mangelnde Koordination, unzureichende Schulung oder andere betriebliche Probleme zurückzuführen sein.
Aegean Airlines beharrte in ihrer Stellungnahme darauf, daß die Tiere zu keinem Zeitpunkt „vermißt“ gewesen seien. Die Katzen seien „aus betrieblichen Gründen“ nicht sofort entladen worden. Obwohl die Airline erklärte, die Tiere seien unter der Obhut der Crew gewesen und hätten Wasser und Futter erhalten, widerspricht die Schilderung des Ehepaares, das von traumatisierten Tieren berichtete. Dieser Widerspruch zwischen den Aussagen des Kunden und der Fluggesellschaft unterstreicht die Notwendigkeit von mehr Transparenz und klaren Kommunikationsprotokollen im Umgang mit solchen Vorfällen.
Regulierungen und Standards im Tiertransport
Der Transport von Tieren im Flugzeug unterliegt strengen Vorschriften, die von der International Air Transport Association (IATA) festgelegt werden. Die IATA-Richtlinien für den Tiertransport, die von den meisten Fluggesellschaften weltweit angewendet werden, umfassen Spezifikationen für Transportboxen, die Platzierung im Flugzeug und die Versorgung der Tiere. In der Regel werden Tiere im Frachtraum, der unter Druck- und Temperaturbedingungen wie in der Kabine gehalten wird, transportiert. In der Kabine dürfen, je nach Airline, nur Kleintiere mit einem geringen Gewicht in speziellen Boxen mitgenommen werden.
Aegean Airlines selbst erlaubt das Reisen mit Haustieren in der Kabine, allerdings unter bestimmten Bedingungen. Das Tier muß in einem geeigneten Behälter transportiert werden und darf, einschließlich der Transportbox, nicht mehr als 8 Kilogramm wiegen. Nur eine begrenzte Anzahl von Tieren pro Flug ist erlaubt, weshalb eine frühzeitige Buchung empfohlen wird. Im Falle der drei Katzen war ein Transport in der Kabine aufgrund der Menge nicht möglich.
Der Vorfall auf dem Flug von Kreta über Paris nach Thessaloniki hat nicht nur die betroffenen Tierhalter, sondern auch die gesamte Luftfahrtindustrie aufgerüttelt. Er dient als Mahnung, daß hinter den Routinen des Luftverkehrs lebende Wesen stehen, die auf die Sorgfalt und Professionalität des Personals angewiesen sind. Für die Zukunft werden strengere Kontrollen und eine verbesserte Kommunikation vonnöten sein, um das Vertrauen von Tierhaltern in die Fluggesellschaften aufrechtzuerhalten und weitere tragische Vorfälle zu verhindern.