Boeing 737 Max (Foto: Jan Gruber).
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Dringende Sicherheitsbedenken bei Boeing 737 Max Triebwerken: NTSB warnt vor Rauch in Kabine und Cockpit

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Die amerikanische Transportsicherheitsbehörde National Transportation Safety Board (NTSB) hat am 18. Juni 2025 eine dringende Sicherheitsempfehlung betreffend die CFM International LEAP-1B Triebwerke ausgesprochen, welche exklusiv in Boeing 737 Max Flugzeugen zum Einsatz kommen.

Die Behörde äußert ernsthafte Bedenken, daß Rauch aus dem Triebwerk in das Cockpit oder die Passagierkabine gelangen könnte. Die NTSB forderte zudem eine erweiterte Untersuchung, um das Potential ähnlicher Probleme bei den LEAP-1A und -1C Triebwerken zu evaluieren, die in bestimmten Varianten der Airbus A320neo Familie und den COMAC C919 Flugzeugen verbaut sind. Diese Warnung folgt auf mehrere Vorfälle, bei denen es zu Rauchentwicklung in den Flugzeugen kam, was die Notwendigkeit umgehender Maßnahmen unterstreicht.

Ein technischer Mangel mit potenziellen Folgen

Die Bedenken der NTSB konzentrieren sich auf eine spezifische Sicherheitsfunktion der CFM LEAP-Triebwerke, das sogenannte Engine Load Reduction Device (LRD). Dieses System ist eigentlich dazu konzipiert, die Schwere von Vibrationen zu reduzieren, die von einem beschädigten Triebwerk auf die Flugzeugzelle übertragen werden könnten. Eine solche Funktion ist essentiell, um größere strukturelle Schäden am Flugzeug im Falle eines Triebwerksproblems, beispielsweise nach einem Vogelschlag, zu verhindern.

In einer Stellungnahme erklärte die NTSB jedoch: „Die NTSB stellte fest, daß das Motorlastreduziergerät, oder LRD, eine Sicherheitsfunktion, die dazu dient, die Schwere der von einem beschädigten Motor auf die Flugzeugzelle übertragenen Vibrationen zu reduzieren, zu Schäden am Motorölsystem führen kann.“ Die Behörde fügte hinzu: „Ein solcher Zustand kann dazu führen, daß Rauch von heißem Öl in das Belüftungssystem und letztendlich in das Cockpit oder die Passagierkabine gelangt.“ Dies ist ein kritischer Punkt, da Rauch in der Kabine nicht nur Panik unter den Passagieren auslösen kann, sondern auch die Sicht der Piloten beeinträchtigt und gesundheitliche Risiken birgt. Die Integrität des Kabinenluftsystems ist von höchster Bedeutung für die Sicherheit aller an Bord befindlichen Personen.

Vorangegangene Vorfälle untermauern die Bedenken

Die NTSB zitierte mehrere Vorfälle, die ihre dringende Sicherheitsempfehlung untermauern. Einer der prominentesten ereignete sich im Dezember 2023, als Rauch in ein Flugzeug der Southwest Airlines des Typs Boeing 737-8 eindrang, kurz nachdem ein Vogel in das linke Triebwerk geraten war. Dieser Vorfall ereignete sich unmittelbar nach dem Start. „Das Flugdeck füllte sich mit dem, was die Besatzung als ‚beißenden weißen Rauch‘ beschrieb, der so dicht war, daß der Kapitän Schwierigkeiten hatte, das Instrumentenbrett zu sehen“, so die NTSB. Die Flugbesatzung mußte Atemschutzmasken anlegen, konnte den Rauch jedoch beseitigen und das Flugzeug sicher in New Orleans landen. Glücklicherweise blieben sowohl die Besatzung als auch die Passagiere unverletzt. Ein solcher Vorfall ist jedoch äußerst kritisch, da er die Fähigkeit der Piloten zur Steuerung des Flugzeugs stark beeinträchtigen kann.

Ein ähnliches Ereignis mit Triebwerksschaden ereignete sich bereits im März 2023 auf einem anderen Southwest-Flug. Hier füllte sich die Passagierkabine mit dampfartigem Nebel, nachdem Vögel kurz nach dem Abflug aus Havanna, Kuba, in das rechte Triebwerk geraten waren. Die Flugbesatzung erklärte einen Notfall und kehrte ohne weitere Zwischenfälle zum Startflughafen zurück. Diese wiederholten Vorkommnisse mit ähnlicher Symptomatik deuten auf ein systematisches Problem hin, das über einzelne Zufälle hinausgeht und eine umfassende Untersuchung und Behebung erfordert. Die Häufung solcher Ereignisse in kurzer Zeitspanne verstärkt die Dringlichkeit der von der NTSB geforderten Maßnahmen.

Dringende Sicherheitsempfehlungen an Luftfahrtbehörden weltweit

Die NTSB ist besorgt, daß die Flugbesatzungen, die diese Flugzeuge betreiben, möglicherweise nicht vollständig über die potenzielle Gefahr eines LRD-bedingten Rauchentwicklungsereignisses und die entsprechenden Minderungsmaßnahmen informiert sind. Aus diesem Grund hat die NTSB eine dringende Sicherheitsempfehlung an die Federal Aviation Administration (FAA) herausgegeben. Die NTSB forderte die FAA auf, sicherzustellen, daß die Betreiber von Flugzeugen, die mit den betroffenen Triebwerken ausgestattet sind, ihre Flugbesatzungen umfassend über diese potenzielle Gefahr informieren. Eine präzise und zeitnahe Kommunikation solcher Sicherheitsprobleme an das operationelle Personal ist entscheidend, um im Ernstfall schnell und angemessen reagieren zu können.

Boeing, der Hersteller der 737 Max, hat bereits reagiert und die Flugzeug-Handbücher für Piloten überarbeitet. Diese Handbücher enthalten nun detaillierte Schritte, die unternommen werden müssen, um das Eindringen von Rauch in das Cockpit oder die Kabine nach einer LRD-Aktivierung zu verhindern. Solche Überarbeitungen sind zwar ein wichtiger erster Schritt, doch die NTSB fordert umfassendere Maßnahmen, um die Ursache des Problems zu beheben.

Die NTSB hat ihre Sicherheitsempfehlungen nicht nur an die FAA gerichtet, sondern auch an die European Union Aviation Safety Agency (EASA) und die Civil Aviation Administration of China (CAAC). Sie forderte diese Luftfahrtregulierungsbehörden auf, festzustellen, ob auch andere Varianten des CFM LEAP-Triebwerks anfällig für Rauchentwicklung in der Kabine oder im Cockpit sind, wenn ein LRD aktiviert wird. Diese breite Adressierung unterstreicht die globale Relevanz des Problems, da CFM LEAP-Triebwerke in einer Vielzahl von Flugzeugtypen und bei zahlreichen Fluggesellschaften weltweit eingesetzt werden.

Schließlich forderte die NTSB die FAA und die EASA auf, alle Betreiber der betroffenen Triebwerke zu verpflichten, Softwaremodifikationen zu implementieren, die von CFM und Boeing entwickelt wurden. Dies deutet darauf hin, daß die Ursache des Problems möglicherweise durch Softwareanpassungen behoben oder zumindest abgemildert werden kann. Software-Updates sind in der modernen Luftfahrt ein gängiges Mittel zur Behebung technischer Mängel und zur Verbesserung der Sicherheit. Die Dringlichkeit dieser Empfehlung ist ein klares Zeichen dafür, daß die NTSB das Problem als eine unmittelbare Gefahr für die Flugsicherheit einstuft. Die Luftfahrtindustrie, bestehend aus Herstellern, Betreibern und Regulierungsbehörden, muß nun gemeinsam und zügig handeln, um die Bedenken auszuräumen und die Sicherheit der Passagiere und Besatzungen zu gewährleisten. Die enge Zusammenarbeit dieser Akteure ist entscheidend, um das Vertrauen in die Boeing 737 Max und andere betroffene Flugzeugtypen aufrechtzuerhalten.

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