Die philippinische Luftfahrtindustrie sieht sich mit ernsten Herausforderungen konfrontiert, die ihre Fähigkeit, mit den wachsenden Luftverkehrsmärkten in Südostasien Schritt zu halten, massiv beeinträchtigen. Auf dem philippinischen Luftfahrtgipfel 2025 forderte der leitende Vizepräsident und Chief Operating Officer von Philippine Airlines (PAL), Carlos Luis Fernandez, die umgehende Ausarbeitung eines einheitlichen, koordinierten nationalen Flughafen-Masterplans. Eine solche Strategie sei unerlässlich, um die Flughafeninfrastruktur des Archipels zu optimieren und die Wirtschaft des Landes durch verbesserte Anbindung zu stärken. Fernandez betonte, dass das Land in Bezug auf Passagier- und Frachtkapazität bereits deutlich hinter regionalen Konkurrenten zurückliegt.
Ohne einen solchen umfassenden Plan, so Fernandez, drohe das Wachstum der Flughäfen stückwerkartig zu erfolgen, was die Konnektivität weiterhin fragmentieren und verhindern würde, dass die Philippinen den asiatischen Luftfahrtboom voll ausschöpfen können. Derzeit bewältigten die philippinischen Flughäfen im Vorjahr lediglich 60 Millionen Passagiere, ein Wert, der weit hinter den Zahlen von Indonesien (156 Millionen), Thailand (119 Millionen), Vietnam (109 Millionen) und Malaysia (94 Millionen) liegt. Selbst Singapur, das geografisch kleiner ist, verzeichnete mit 68 Millionen Passagieren ein höheres Aufkommen.
Die Kapazitätskrise am Tor zur Welt: Manila
Das Ninoy Aquino International Airport (NAIA) in Manila, das wichtigste internationale Drehkreuz des Landes, steht seit Jahren im Zentrum der Kapazitätskrise. Der Flughafen kämpft notorisch mit unzureichender Terminal- und Landebahnkapazität und operiert seit langem über seiner ursprünglichen Auslegungsgrenze von 35 Millionen Passagieren pro Jahr. Jüngste Daten belegen, dass Manila mit über 280.000 ankommenden internationalen Sitzplätzen pro Woche rund 81,6 Prozent des gesamten internationalen Luftverkehrs der Philippinen abwickelt – eine massive Konzentration, die die Überlastung nur verschärft.
Die Probleme am NAIA führen regelmäßig zu Flugverspätungen und tragen dazu bei, dass der Flughafen international wiederholt als einer der ineffizientesten der Welt gelistet wurde. Obwohl ein privates Konsortium seit September 2024 die Verwaltung und Sanierung des Flughafens übernommen hat, um die Kapazität auf 62 Millionen Passagiere zu erhöhen, und Maßnahmen zur Entlastung wie die Verlagerung von Turboprop-Flügen zu kleineren Flughäfen in Betracht gezogen wurden, bleibt die strukturelle Herausforderung bestehen. Die fehlende Anbindung an das Schienennetz der Hauptstadt trägt zusätzlich zur Verkehrsüberlastung auf den Zufahrtsstraßen bei.
Strategische Neuordnung der Haupt-Gateways
Fernandez’ Vorschlag für einen Masterplan zielt darauf ab, die Rolle des Manila International Airport langfristig neu zu definieren. Die kurzfristige Priorität muss in Effizienzsteigerungen liegen, beispielsweise durch Optimierung der Betriebsabläufe und der zeitlichen Verfügbarkeit von Start- und Landebahnen.
Langfristig soll der Masterplan jedoch die funktionale Abgrenzung zwischen Manila, dem Clark International Airport in Angeles City und dem in Bau befindlichen New Manila International Airport in Bulacan festlegen. Dieses „Drei-Flughafen-Konzept“ soll sicherstellen, dass die Drehkreuze einander ergänzen und nicht in direkter Konkurrenz zueinander stehen.
Der Clark International Airport hat bereits eine neue Terminalkapazität von 8 Millionen Passagieren pro Jahr und plant den Bau einer zweiten Start- und Landebahn. Der Bulacan Airport, der von der San Miguel Corporation entwickelt wird, soll nach Fertigstellung eine Kapazität von bis zu 200 Millionen Passagieren pro Jahr erreichen, was etwa dem Sechsfachen der derzeitigen NAIA-Kapazität entspricht, und wird damit zu einem der größten Flughäfen der Welt aufsteigen. Die koordinierte Nutzung dieser drei Standorte wird als Schlüssel gesehen, um die Überlastung in der Hauptstadtregion nachhaltig zu beheben und die gesamte Region als multiples Drehkreuz in Asien zu positionieren.
Ausbau und Standardisierung der Regionalflughäfen
Der Vorschlag des PAL-Managers beschränkt sich nicht nur auf die Hauptdrehkreuze. Die Philippinen verfügen über neun offiziell als international deklarierte Flughäfen. Neben Manila, das den Großteil des Verkehrs abfertigt, spielen Cebu (mit 10,8% der internationalen Kapazität) und Clark (4,5%) eine Rolle. Vier weitere Flughäfen – Panglao, Davao, Iloilo und Caticlan – bieten ebenfalls planmäßige internationale Flüge an.
Fernandez forderte eine Standardisierung und gezielte Investition in diese sekundären Flughäfen. Dies soll durch die Koordinierung von Investitionen in die Verlängerung von Start- und Landebahnen, die Nachtflugtauglichkeit (night-rating) und die Modernisierung der Navigationshilfen geschehen. Durch solche gezielten Verbesserungen könnten diese Flughäfen nicht nur die Zuverlässigkeit des gesamten nationalen Luftraums erhöhen, sondern auch als regionale Hubs dienen, die den internationalen Verkehr von Manila entlasten und die Anbindung innerhalb des Archipels verbessern.
Frachtverkehr: Ein ungenutztes Wachstumspotenzial
Ein weiterer kritischer Bereich, in dem die Philippinen im regionalen Vergleich stark zurückliegen, ist der Luftfrachtverkehr. Derzeit beträgt das jährliche Frachtvolumen der Philippinen weniger als 700.000 Tonnen. Im krassen Gegensatz dazu wickelt allein der Hong Kong International Airport jährlich rund 5 Millionen Tonnen ab.
Die geringe Frachtkapazität ist ein Indikator für die ungenutzten wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes. Ein Masterplan, der die Ausweitung der Frachtkapazitäten und die Verbesserung der logistischen Infrastruktur an den Flughäfen vorsieht, könnte die Luftfahrt zu einem Haupttreiber für den Handel und die gesamte philippinische Wirtschaft machen. Fernandez fasst die strategische Bedeutung des Plans zusammen: „Jeder zusätzliche Slot, den wir öffnen, jede Start- und Landebahn, die wir verlängern, jedes Drehkreuz, das wir entwickeln, ist mehr als Infrastruktur – es ist Gelegenheit.“
Der Mangel an Effizienz, Zuverlässigkeit und Nahtlosigkeit in den aktuellen Flughafenabläufen, so der PAL-Manager, untergräbt die Wettbewerbsfähigkeit der Philippinen als Luftverkehrsdrehscheibe in einer der dynamischsten Regionen der Welt. Die Umsetzung eines national koordinierten Plans wird als dringende Notwendigkeit betrachtet, um die wirtschaftlichen Wachstumsprognosen für die kommenden Jahrzehnte zu sichern.
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