Die Verhandlungen über den Kollektivvertrag für rund 55.000 Beschäftigte in 98 österreichischen Eisenbahnunternehmen bleiben festgefahren. Die dritte Verhandlungsrunde zwischen der Bundessparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) sowie der Gewerkschaft Vida endete am 4. November 2026 ohne Ergebnis.
Kern des Konflikts bildet die verlangte Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 40 auf 38,5 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Nach Berechnungen der Arbeitgeberseite würde eine solche Arbeitszeitverkürzung unter Einrechnung bestehender Zuschläge zu einer Kostensteigerung von 4,87 Prozent führen, was den Wert der maßgeblichen rollierenden Inflation von 3,26 Prozent übersteigt.
Arbeitgeber-Verhandlungsführer Thomas Scheiber erklärte, eine Reduktion der Arbeitszeit sei wirtschaftlich ausschließlich im Rahmen einer zweijährigen Vereinbarung machbar. Die Gewerkschaft habe entsprechende Kompromissvorschläge jedoch abgelehnt und stattdessen Lohnsteigerungen von 3,9 Prozent gefordert. Demgegenüber betonte Vida-Verhandlungsleiter Gerhard Tauchner die Notwendigkeit, branchenweit einheitliche Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Neben dem Kaufkrafterhalt durch die Abgeltung der Teuerung verlangt die Arbeitnehmervertretung organisatorische Anpassungen im Rahmenrecht zur Entlastung des Fahr- und Servicepersonals.
Die Unterbrechung der Verhandlungen erfolgt in einer Phase erhöhter betrieblicher Auslastung im Schienenverkehrsmarkt. Die Betreibergesellschaften stehen unter Druck, den Fachkräftebedarf zu decken und Ausfälle durch Personalengpässe zu vermeiden. Während die Gewerkschaft die Modernisierung der Arbeitsbedingungen als Voraussetzung für die Gewinnung von Nachwuchskräften sieht, warnen Branchenvertreter vor Mehrbelastungen im Wettbewerb mit dem Straßengüterverkehr und anderen Transportträgern.