Der Lufthansa-Konzern steht in den kommenden Jahren vor signifikanten personellen Engpässen im Cockpitbereich.
Nach Berechnungen der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und Berichten des Handelsblatts erreichen bei der Kernmarke Lufthansa Classic sowie bei Lufthansa Cargo mehr als 1.000 Piloten das 55. Lebensjahr, die Mehrheit von ihnen im Rang eines Kapitäns. Allein für die Jahre 2026 und 2027 werden rund 300 altersbedingte Abgänge erwartet. Im Zeitraum von 2029 bis 2034 dürften rund 740 weitere Flugzeugführer die Belegschaft aus Altersgründen verlassen, was das Ausmaß der demografischen Lücke verdeutlicht.
Parallel zu dieser Pensionierungswelle verläuft die Ausbildung von Nachwuchskräften schleppend. Während vor der Pandemie in Spitzenzeiten bis zu 150 Kapitänsanwärter pro Jahr geschult wurden, lag der jährliche Schnitt zuletzt bei etwa 78 Kapitänsanwärtern. Lufthansa selbst kalkuliert intern mit einem jährlichen Abgang von rund 100 Piloten bei der Kernmarke. Erschwert wird die Lage durch den raschen Ausbau der Tochtergesellschaft Lufthansa City Airlines, die monatlich im Schnitt um ein weiteres Flugzeug wächst. Für jede zusätzliche Maschine werden jeweils fünf Kapitäne und fünf Erste Offiziere benötigt. Ein Wechsel von Piloten aus dem höher vergüteten Konzerntarifvertrag der Kernmarke in Tochtergesellschaften scheitert jedoch häufig an tariflichen Barrieren sowie geringeren Vergütungstrukturen.
Zur Bewältigung des Tarif- und Personalflaschenhalses setzen Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertreter auf das vereinbarte Moderationsverfahren. Bis zum Abschluss dieser Verhandlungen wurde vereinbart, die Flugzeugflotte von Lufthansa Classic nicht weiter zu verkleinern. Konzernchef Carsten Spohr hat künftiges Flottenwachstum der Kernmarke jedoch an Zugeständnisse bei den Betriebskosten gekoppelt. Luftfahrtanalysten weisen darauf hin, dass starre Tarifstrukturen und verzögerte Ausbildungszyklen die operative Flexibilität des Konzerns einschränken, während der globale Markt für qualifiziertes Cockpitpersonal zunehmend umkämpft ist.
Sollten die Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft und dem Flugbetrieb keine tragfähige Lösung für die Nachwuchsrekrutierung und Übergangsregeln bringen, drohen mittelfristig Kapazitätskürzungen im Flugplan. Die Bewältigung des Generationenwechsels im Cockpit stellt damit eine der zentralen betriebswirtschaftlichen Aufgaben für die Fluggesellschaft in den verbleibenden Jahren dieser Dekade dar.