Flughafen Eindhoven (Foto: Henk Monster).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Drohnenaktivitäten legen Flughafen Eindhoven lahm und zwingen Militär zum Einsatz von Waffen

Werbung

Der zivile und militärische Flugbetrieb am Flughafen Eindhoven (Eindhoven Airport, EHEH) in den Niederlanden musste am späten Samstagabend nach der Sichtung unbefugter Drohnen über Stunden eingestellt werden. Der Vorfall, der den zweitgrößten Flughafen des Landes nach Amsterdam Schiphol betraf, führte zu erheblichen Störungen im Flugplan und notwendigen Umleitungen von Flügen, unter anderem in den deutschen Luftraum.

Die niederländische Verteidigung reagierte umgehend auf die Bedrohung und ergriff Maßnahmen, deren Details aus Sicherheitsgründen nicht mitgeteilt wurden. Dieser Vorfall steht in direktem Zusammenhang mit einem ähnlichen Ereignis, das sich bereits am Vorabend auf einem nahegelegenen militärischen Stützpunkt ereignet hatte, und verdeutlicht die zunehmende Herausforderung, die von unautorisierten Drohnenflügen für die nationale Sicherheit und den zivilen Luftverkehr ausgeht.

Stillstand in Eindhoven und Umleitungen

Die Drohnenaktivität am Samstagabend führte zur vollständigen Aussetzung sowohl des militärischen als auch des zivilen Flugbetriebs am Flughafen Eindhoven. Das Verteidigungsministerium, dem der Flughafen untersteht, bestätigte die Unterbrechung durch Minister Ruben Brekelmans auf der Plattform X. Die offizielle Mitteilung verwies auf ergriffene „Maßnahmen der Verteidigung“, wobei die Art der Intervention zum Schutz sensibler Informationen nicht näher erläutert wurde. Die Flughafensprecherin bestätigte die Störung, und die Webseite des Flughafens zeigte Umleitungen an, von denen auch Flughäfen in Deutschland betroffen waren.

Der Flughafen Eindhoven ist ein bedeutender Knotenpunkt für den zivilen Low-Cost-Flugverkehr und dient gleichzeitig als wichtiger Stützpunkt der Königlich Niederländischen Luftwaffe. Die Störung demonstriert die kritische Abhängigkeit des zivilen Flugbetriebs von der Sicherheit und Unversehrtheit des Luftraums, insbesondere über militärisch genutzten oder dicht besiedelten Gebieten. Die mehrtägigen, aufeinanderfolgenden Vorfälle in der Region werfen Fragen über die Wirksamkeit der aktuellen Drohnenabwehrsysteme auf.

Gezielter Beschuss auf Militärbasis Volkel

Bereits am Freitagabend, nur 40 Kilometer nordöstlich von Eindhoven entfernt, gab es einen noch gravierenderen Zwischenfall. Auf dem Luftwaffenstützpunkt Volkel, in der Nähe der Stadt Nimwegen und nahe der deutschen Grenze, sichtete das Personal des Stützpunkts zwischen 19 und 21 Uhr unbefugte Drohnen im Sperrgebiet. Das niederländische Verteidigungsministerium in Den Haag bestätigte, dass Soldaten des Stützpunktes mit Waffen gegen die überfliegenden Drohnen vorgegangen seien. Ein Sprecher der zuständigen Gendarmerie ergänzte gegenüber der Nachrichtenagentur ANP, es sei „geschossen“ worden.

Trotz des Einsatzes von Schusswaffen gelang es den Drohnen jedoch zu entkommen; sie wurden laut Ministerium später nicht mehr gesichtet. Auch in diesem Fall wurden aus Sicherheitsgründen keine Details zu den konkret eingesetzten Waffen oder der genauen Entdeckungsmethode veröffentlicht. Der Vorfall wird nun gemeinsam mit der Polizei untersucht.

Der Einsatz scharfer Munition gegen unbemannte Flugobjekte über militärischen Anlagen verdeutlicht die hohe Bedrohungseinschätzung durch die niederländischen Streitkräfte. Es ist unklar, warum die Drohnen in dieses militärische Sperrgebiet eindrangen, aber der Vorfall ist ein deutlicher Hinweis auf die Notwendigkeit robusterer und möglicherweise neuerer Abwehrtechnologien in den Luftwaffenstützpunkten, die in der Lage sind, kleine, wendige und potenziell feindliche Drohnen effektiv zu neutralisieren.

Zunehmende Störungen als Teil hybrider Kriegsführung

Die Zwischenfälle in den Niederlanden reihen sich ein in eine Welle von unautorisierten Luftraumverletzungen über strategisch wichtigen Einrichtungen in mehreren europäischen Ländern, insbesondere solchen, die Mitglieder der nato sind. Die jüngsten Ereignisse in den Niederlanden unterstreichen eine europaweite Entwicklung, die eine ernsthafte Debatte über die Sicherheit kritischer Infrastruktur und militärischer Standorte ausgelöst hat.

In den vergangenen Monaten kam es unter anderem am Münchner Flughafen zu erheblichen Störungen, nachdem Drohnen gemeldet wurden. Auch in anderen nato-Staaten wie Deutschland, Belgien und Dänemark wurden Drohnen über Militärbasen und Flughäfen gesichtet. Besonders alarmierend war der Bericht über das Eindringen von mehr als 20 mutmaßlich russischen Drohnen in den polnischen Luftraum im September, was die Bedrohung durch unbemannte Systeme weiter in den Fokus rückte.

Die wiederholten und koordinierten Verletzungen des Luftraums haben die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union dazu veranlasst, die Verstärkung der Flugabwehr auf europäischer Ebene zu diskutieren. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat solche Vorfälle öffentlich als Formen der „hybriden Kriegsführung“ bezeichnet. Diese Einschätzung deutet darauf hin, dass unautorisierte Drohnenflüge nicht mehr nur als Ordnungswidrigkeiten oder Vandalismus, sondern als gezielte Aktionen zur Störung der kritischen Infrastruktur und zur Sondierung der Verteidigungsbereitschaft der europäischen Staaten angesehen werden. Die Notwendigkeit einer koordinierten europäischen Strategie zur Anti-Drohnen-Verteidigung (C-UAS) wird damit immer dringlicher.

Die jüngsten Ereignisse in Eindhoven und Volkel zeigen, dass die Gefahr nicht nur die militärische, sondern auch die zivile Luftfahrt unmittelbar betrifft. Flughäfen sind als zentrale Verkehrsknotenpunkte hochgradig verwundbar gegenüber Drohnenaktivität. Die Investition in moderne Abwehrsysteme, die Drohnen frühzeitig erkennen, identifizieren und neutralisieren können, ist zur Sicherung des Flugbetriebs und der nationalen Infrastruktur unumgänglich geworden.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung