Die österreichischen Alpen mit ihren türkisfarbenen Bergseen, majestätischen Felswänden und grünen Almen bieten eine atemberaubende Kulisse für Drohnenpiloten. Die Möglichkeit, diese Landschaften aus der Vogelperspektive zu erfassen, zieht immer mehr Liebhaber der Luftbildfotografie an.
Doch das Fliegen in alpinem Gelände birgt besondere Herausforderungen und erfordert eine sorgfältige Vorbereitung. Thomas Fleer, Drohnen-Experte des ÖAMTC, betont, daß ein Flug in den Bergen technisch anspruchsvoll ist und ein hohes Maß an Aufmerksamkeit verlangt. Vor allem die Rücksichtnahme auf andere Menschen und Tiere sowie die Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen sind unerläßlich, um ein sicheres und störungsfreies Erlebnis zu gewährleisten.
Die rechtliche Grundlage: Planung ist der erste Schritt
Bevor eine Drohne in den österreichischen Bergen in die Luft steigt, ist eine umfassende Planung unumgänglich. Der erste und wichtigste Schritt ist die Information über die geltenden Flugverbotszonen. Zahlreiche alpine Regionen sind, aus verschiedenen Gründen, für Drohnenflüge gesperrt oder nur mit einer Sonderbewilligung erlaubt. Dazu gehören in Österreich vor allem Nationalparks, Natura-2000-Zonen und ausgewiesene Vogelschutzgebiete. Diese Bereiche sind oft besonders schützenswert und das Fliegen von Drohnen kann hier zu erheblichen Störungen führen.
Wer in der Natur unterwegs ist, sollte sich unbedingt vorab darüber informieren, wo das Fliegen erlaubt ist. Hilfreiche Werkzeuge hierfür sind digitale Karten und Apps. Der ÖAMTC, als einer der führenden Mobilitätsclubs des Landes, bietet mit seiner kostenlosen Drohnen-Info App eine praktische Lösung, die aktuelle Flugzonenkarten bereitstellt. Diese Apps sind essenziell, um Bußgelder oder rechtliche Konsequenzen zu vermeiden.
Neben den geografischen Einschränkungen ist eine Haftpflichtversicherung gesetzlich vorgeschrieben. Diese Versicherung dient dazu, etwaige Personen- oder Sachschäden abzudecken, die durch den Flug der Drohne verursacht werden könnten. Die gesetzliche Verpflichtung zur Versicherung unterstreicht die potentielle Gefahr, die von Drohnen ausgehen kann, und sichert sowohl den Piloten als auch Dritte ab. Es ist ratsam, die Versicherungsbedingungen genau zu prüfen und sicherzustellen, daß die Police auch für den Einsatz im alpinen Gelände gilt.
Technische Vorbereitung und Ausrüstung: Robustheit für die Berge
Ein Flug in den Bergen stellt auch erhöhte Anforderungen an die technische Ausrüstung und die Vorbereitung des Piloten. Thomas Fleer vom ÖAMTC rät, vor jedem Start die technischen Komponenten genau zu prüfen. Die Akkus müssen vollständig geladen sein, da die Kälte in großen Höhen die Leistung beeinträchtigen und die Akkulaufzeit verkürzen kann. Es ist daher ratsam, zusätzliche Akkus mitzunehmen und diese vor Kälte zu schützen.
Auch die Propeller sollten auf Beschädigungen geprüft werden, und Ersatzteile wie Rotorblätter sollten stets griffbereit sein. Im unebenen und oft steinigen alpinen Gelände ist ein stabiles Landepad von großem Vorteil. Es schützt die Drohne beim Start und bei der Landung vor Schäden und sorgt für eine sichere Abwicklung.
Drohnenpiloten sollten die Flugmodi ihrer Drohne genau kennen. Dazu gehören Funktionen wie die automatische Rückkehrfunktion („Return to Home“), die im Notfall die Drohne sicher zum Startpunkt zurückfliegt, sowie die Hinderniserkennung, die Kollisionen mit Bäumen oder Felsen verhindern kann. Trotz dieser automatisierten Systeme betont Fleer, daß der Pilot immer die Kontrolle haben muß. Die Drohne sollte stets in Sichtweite bleiben, damit der Pilot jederzeit eingreifen kann.
Wetter und Flughöhe: Unvorhersehbare Bedingungen im Gebirge
Das Wetter in den Bergen ist bekanntermaßen unbeständig und kann sich innerhalb weniger Minuten dramatisch ändern. Starker Wind, Nebel oder plötzliche Wolkenbildung können einen sicheren Drohnenflug schnell gefährden. Gute Sichtverhältnisse sind daher unerläßlich. Fleer warnt, daß gerade in großer Höhe die dünne Luft die Flugleistung der Drohne beeinflussen kann. Der Auftrieb verringert sich, was zu einem höheren Energieverbrauch und einer geringeren Manövrierfähigkeit führen kann.
Auch die tatsächliche Flughöhe ist im steilen Gelände schwer einzuschätzen. Die gesetzlich maximal erlaubte Flughöhe beträgt in Österreich 120 Meter über Grund. Wer höher fliegen möchte, benötigt eine Sonderbewilligung der österreichischen Luftfahrtbehörde Austro Control. Es ist entscheidend, diese Regelung einzuhalten, um nicht nur rechtliche Probleme zu vermeiden, sondern auch um die Sicherheit des Flugraums zu gewährleisten. Drohnenflüge in der Nähe von Seilbahnen, Liften oder in der Umgebung von Flugrouten für Helikopter können zu gefährlichen Situationen führen.
Rücksicht auf Menschen und Tiere: Verantwortung in der Natur
Drohnen sind im Betrieb meist laut und auffällig. In der ruhigen Bergwelt kann dies schnell als störend empfunden werden. Der ÖAMTC-Experte Thomas Fleer appelliert an die Rücksichtnahme der Drohnenpiloten. Ein ausreichender Abstand zu unbeteiligten Personen ist geboten, um sich nicht als belästigend zu empfinden. Zudem sind Video- und Fotoaufnahmen von fremden Personen ohne deren ausdrückliche Zustimmung nicht erlaubt. Auch das Teilen solcher Aufnahmen in sozialen Medien ist ohne Einwilligung eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte.
Nicht nur Menschen, auch Tiere reagieren sehr sensibel auf die Anwesenheit von Drohnen. Wildtiere und brütende Vögel können durch den Lärm und die ungewohnte Erscheinung der Drohne in Stress geraten. Dies kann zu Verhaltensänderungen führen oder in schlimmsten Fällen sogar dazu, daß brütende Vögel ihre Nester verlassen. Auch Weidetiere wie Kühe, Schafe oder Ziegen können durch das Flugobjekt aufgeschreckt werden, was unkalkulierbare Folgen haben kann. Daher ist es unerläßlich, generell Abstand zu Tieren zu halten und Schutzgebiete strikt zu meiden. Eine besondere Gefahr stellen auch Greifvögel dar, die Drohnen als Eindringlinge in ihrem Revier wahrnehmen und angreifen können, was nicht nur zum Verlust der Drohne führen kann, sondern auch das Tier gefährdet.
Sicherheit und Respekt als oberstes Gebot
Das Fliegen von Drohnen in den Bergen bietet spektakuläre Möglichkeiten, erfordert jedoch ein hohes Maß an Vorbereitung, technischem Verständnis und vor allem an Verantwortungsbewußtsein. Wer sich mit der Technik seiner Drohne, den rechtlichen Rahmenbedingungen und den Besonderheiten des alpinen Geländes auseinandersetzt, kann die Schönheit der Berge aus einer neuen Perspektive genießen. Apps wie die des ÖAMTC bieten hierbei wichtige Unterstützung. Die Einhaltung der Regeln und die Rücksichtnahme auf Menschen, Tiere und die Umgebung sind der Schlüssel für ein sicheres und störungsfreies Drohnenerlebnis. So wird das Hobby zu einem Genuß, ohne daß es zu Konflikten oder Gefährdungen kommt.