Nach einer fast fünfzehnjährigen Unterbrechung wird die direkte Luftverkehrsanbindung zwischen Deutschland und Syrien Ende Juli 2026 wieder aufgenommen. Die Kölner Fluggesellschaft Leav Aviation bietet ab dem 29. Juli 2026 regelmäßige Nonstop-Flüge von Düsseldorf in die syrische Hauptstadt Damaskus an.
Voraussetzung für diesen Schritt war der Abschluss eines neuen bilateralen Luftverkehrsabkommens zwischen den Regierungen beider Staaten Mitte Juli 2026. Seit dem Ausbruch des bewaffneten Konflikts in Syrien im Jahr 2011 war der direkte Passagierflugverkehr aus Sicherheits- und Sanktionsgründen sowie aufgrund fehlender rechtlicher Abkommen unterbrochen. Die neue Verbindung richtet sich vornehmlich an die in Deutschland lebende syrische Bevölkerungsgruppe sowie an Personen mit geschäftlichen Reisezielen in der Region.
Rechtlicher Rahmen und historische Hintergründe der Flugverbindung
Die Einstellung des direkten Linienflugverkehrs zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Arabischen Republik Syrien erfolgte im Jahr 2011 als Folge der Eskalation des syrischen Bürgerkriegs und der damit verbundenen Verschärfung internationaler Sanktionen. Zuvor hatten staatliche und private Fluggesellschaften wie Syrian Air oder Lufthansa regelmäßige Verbindungen zwischen deutschen Großflughäfen und den Standorten Damaskus sowie Aleppo unterhalten. In den darauffolgenden Jahren waren Reisen zwischen beiden Ländern lediglich über zeitaufwendige Umsteigeverbindungen über Drittstaaten im Nahen Osten wie Libanon, Jordanien oder die Türkei möglich.
Die Wiederaufnahme des Flugbetriebs basiert auf intensiven Verhandlungen zwischen den Luftfahrtbehörden beider Länder, die Mitte Juli 2026 in der Unterzeichnung eines neuen bilateralen Luftverkehrsabkommens mündeten. Dieses Abkommen regelt die verkehrsrechtlichen Genehmigungen, die Sicherheitsbestimmungen an den beteiligten Flughäfen sowie die Slot-Zuteilungen für die ausführenden Fluggesellschaften. Trotz der vertraglichen Grundlagen bleibt die Sicherheitslage in Teilen der Region komplex, was kontinuierliche Risikoanalysen der zuständigen Behörden und der Fluggesellschaft erfordert.
Operative Umsetzung und Flotteneinsatz durch Leav Aviation
Die Durchführungsverantwortung für die Linie Düsseldorf–Damaskus liegt bei der deutschen Charter- und Linienfluggesellschaft Leav Aviation mit Sitz in Köln. Zum Einsatz kommt ein Passagierflugzeug vom Typ Airbus A320-200 mit dem Kennzeichen D-ANNE. Das Streckennetz der Fluggesellschaft sieht zunächst zwei wöchentliche Umläufe zwischen dem Flughafen Düsseldorf und dem Internationalen Flughafen Damaskus vor. Nach Angaben der Unternehmensführung soll die Frequenz bei entsprechender Nachfrage angepasst werden.
Der Geschäftsführer von Leav Aviation, Daniel Broda, verwies im Rahmen der Ankündigung darauf, dass die Schaffung dieser Nonstop-Verbindung in enger Abstimmung mit den deutschen und syrischen Zivilluftfahrtbehörden realisiert wurde. Der Flughafen Düsseldorf dient dabei als zentraler Drehpunkt, da im Einzugsgebiet von Nordrhein-Westfalen eine hohe Anzahl von Menschen mit syrischem Migrationshintergrund lebt. Die Direktverbindung verkürzt die Reisezeiten für Verwandtenbesuche und private Reisen im Vergleich zu den bisherigen Transitrouten erheblich.
Einordnung in die Entwicklung des Flugverkehrs mit Nordafrika und dem Nahen Osten
Die Aufnahme der Flüge nach Damaskus reiht sich ein in eine schrittweise Restrukturierung des Flugangebots ab Düsseldorf in Zielgebiete im Nahen Osten und in Nordafrika, die über längere Zeiträume nicht oder nur eingeschränkt angeflogen werden konnten. Erst wenige Wochen vor der Ankündigung von Leav Aviation hat die libysche Fluggesellschaft Medsky Airways nach rund zwölfjähriger Unterbrechung wieder eine direkte Linie von Düsseldorf in die libysche Hauptstadt Tripolis eingerichtet, die ebenfalls mit Maschinen des Typs Airbus A320 bedient wird.
Die Entstehung dieser Flugverbindungen verdeutlicht eine steigende Nachfrage nach Direktflügen in Regionen, die von klassischen Netzwerkträgern aufgrund von Risikobewertungen oder betrieblichen Prioritäten weiterhin meiden werden. Kleinere Nischenanbieter und Chartergesellschaften nutzen die rechtlichen Neuregelungen, um dieses spezifische Passagiersegment zu bedienen.
Sicherheitsanforderungen und kritische Betrachtung der Infrastruktur
Trotz der behördlichen Genehmigungen steht der Flugbetrieb nach Damaskus vor operationalen Herausforderungen. Der Internationale Flughafen Damaskus war in der Vergangenheit mehrfach Ziel von militärischen Auseinandersetzungen und Luftangriffen im Kontext regionaler Konflikte, was wiederholt zu temporären Schließungen der Start- und Landebahnen sowie der Terminalinfrastruktur führte. Die Einhaltung internationaler Sicherheitsstandards bei der Passagier- und Gepäckabfertigung sowie die Gewährleistung der Flugsicherheit im syrischen Luftraum bilden zentrale Voraussetzungen für die Aufrechterhaltung des Flugbetriebs.
Zudem erfordert der Flugbetrieb nach Syrien eine präzise Einhaltung des internationalen Sanktionsrechts. Während der reine Personenverkehr unter das Abkommen fällt, bleiben finanzielle Transaktionen und Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Luftfahrtinfrastruktur vor Ort strengen rechtlichen Prüfungen unterworfen. Für Leav Aviation bedeutet dies einen erhöhten administrativen Aufwand im operativen Tagesgeschäft. Die kommenden Monate werden zeigen, wie stabil sich die Nachfrage und die Rahmenbedingungen für die Direktverbindung nach Damaskus entwickeln.