Die britische Billigfluggesellschaft Easyjet hat eine umfassende Flottenstrategie dargelegt, die in den kommenden Jahren zu einer signifikanten Verjüngung und Vergrößerung ihrer Flugzeugflotte führen soll. Bis zum Geschäftsjahr 2028 plant die Airline, 51 ältere Maschinen des Typs Airbus A319 auszumustern und diese durch neuere und größere Modelle der Airbus A320- und A321-Neo-Familie zu ersetzen.
Dieser strategische Schritt, bekannt als „Upgauging“, stellt zwar eine erhebliche Investition von mehreren Milliarden Pfund dar, verspricht jedoch deutliche operative und wirtschaftliche Vorteile durch verbesserte Produktivität und Stückkostenreduktion. Die Umstellung zielt darauf ab, die Wettbewerbsposition der Fluggesellschaft an Europas verkehrsreichsten Flughäfen nachhaltig zu stärken und das Kapazitätswachstum effizient voranzutreiben.
Massive Investitionen in moderne Flugtechnik
Der Kern der Flottenstrategie von Easyjet ist der Austausch kleinerer, älterer Flugzeuge gegen die moderne Neo-Generation (New Engine Option) von Airbus. Bis 2028 werden 51 Airbus A319 das Unternehmen verlassen. Sie werden durch Maschinen der A320-Neo- und insbesondere der A321-Neo-Varianten ersetzt. Die Airline verfügt über eine umfangreiche Bestellung bei Airbus, die insgesamt 290 bestätigte Neo-Maschinen umfasst. Davon entfallen 125 auf den Typ A320neo und 165 auf den größeren A321neo. Die Auslieferungen dieser Großbestellung sind bis zum Jahr 2034 terminiert. Zusätzlich sichert sich Easyjet Flexibilität durch 100 weitere Kaufrechte.
Die finanziellen Dimensionen dieser Modernisierung sind erheblich. Die Investitionsausgaben für die Flottenerneuerung sollen laut Unternehmensangaben von 1,3 Milliarden Pfund im aktuellen Geschäftsjahr auf voraussichtlich 3,3 Milliarden Pfund bis zum Jahr 2028 ansteigen. Dies verdeutlicht das langfristige Engagement von Easyjet, in eine effizientere und leistungsfähigere Flotte zu investieren.
Beschleunigter Austauschplan bis 2028
Der Austauschplan gewinnt in den kommenden Jahren deutlich an Dynamik. Nachdem im abgelaufenen Geschäftsjahr bereits neun neue Maschinen (sechs A320neo und drei A321neo) in die Flotte integriert wurden, erhöht sich das Tempo der Auslieferungen schrittweise. Für das kommende Jahr sind 17 neue Flugzeuge vorgesehen, darunter 14 A321neo.
Die Phase der verstärkten Ausmusterung der älteren A319 beginnt ab dem Jahr 2026 mit drei Maschinen. Die größten Umwälzungen erfolgen in den Jahren 2027 und 2028, in denen die Auslieferungen auf 30 beziehungsweise 43 neue Flugzeuge ansteigen. Im Gegenzug werden in diesen Jahren 19 beziehungsweise 29 ältere A319 ausgemustert.
Diese koordinierte Strategie führt nicht nur zu einem Ersatz der Flotte, sondern auch zu einer Nettovergrößerung. Die Basis-Flotte soll von derzeit 356 Flugzeugen auf 370 im kommenden Jahr und schließlich auf 395 Maschinen im Jahr 2028 anwachsen.
Upgauging: Kapazitätswachstum und Kostenvorteile
Der wohl wichtigste Aspekt der Strategie ist das bereits erwähnte „Upgauging“ – die Umstellung auf Flugzeuge mit höherer Sitzplatzkapazität. Die durchschnittliche Kapazität pro Flugzeug steigt dadurch von aktuell 181 auf 191 Sitze im Jahr 2028. Während die Anzahl der Flugzeuge bis 2028 um rund elf Prozent wächst, wird die Gesamtsitzplatzkapazität der Flotte sogar um etwa 17 Prozent zunehmen.
Diese Kapazitätssteigerung pro Flugbewegung ist der entscheidende Hebel zur Senkung der Stückkosten, ein fundamentaler Erfolgsfaktor im Geschäftsmodell eines Billigfliegers.
- A319 zu A320neo-Ersatz: Beim Ersatz eines A319 (typischerweise rund 156 Sitze in Easyjet-Konfiguration) durch einen A320neo (typischerweise rund 186 Sitze) steigt die Sitzplatzkapazität um 19 Prozent. Dies führt nach Angaben des Unternehmens zu einer Reduktion des Kraftstoffverbrauchs pro Sitzplatz um 24 Prozent und einer Produktivitätsverbesserung von 16 Prozent.
- A319 zu A321neo-Ersatz: Der direkte Wechsel zum A321neo (typischerweise rund 235 Sitze) bietet noch deutlichere Vorteile. Die Kapazität steigt um 51 Prozent, während der Kraftstoffverbrauch pro Sitzplatz um 30 Prozent sinkt.
Die Kostenvorteile schlagen sich direkt in den Betriebskosten nieder: Easyjet beziffert die Kosteneinsparung beim Wechsel vom A319 zum A320neo auf rund 10 Pfund (etwa 11,40 Euro) pro Sitzplatz und beim Sprung zum A321neo auf rund 16 Pfund (etwa 18,20 Euro) pro Sitzplatz. Diese Einsparungen resultieren nicht nur aus dem geringeren Treibstoffverbrauch pro Sitz, sondern auch aus Effizienzgewinnen bei fixen Kosten wie Flughafen-, Abfertigungs- und Flugsicherungsgebühren, die sich auf eine größere Anzahl von Passagieren verteilen.
Die Rolle der A320neo-Familie im europäischen Luftverkehr
Die Airbus A320neo-Familie, insbesondere die A320neo und A321neo, ist für Fluggesellschaften wie Easyjet aus mehreren Gründen attraktiv. Die neuen Flugzeuge sind mit modernen Triebwerken (CFM Leap-1A oder Pratt & Whitney PW1100G) sowie aerodynamischen Verbesserungen, wie den sogenannten Sharklets an den Flügelspitzen, ausgestattet. Diese Technologien führen zu einer deutlich verbesserten Leistung und Wirtschaftlichkeit. Der Hersteller gibt für die Neo-Familie allgemein eine signifikante Einsparung beim Kraftstoffverbrauch im Vergleich zur Vorgängergeneration (ceo) an.
Die A321neo, als größtes Mitglied der Single-Aisle-Familie von Airbus, ist für Billigfluggesellschaften, die an kapazitätsbeschränkten (slot-begrenzten) Flughäfen wie London Gatwick operieren, von besonderer strategischer Bedeutung. An diesen Flughäfen ist ein Wachstum der Kapazität durch die Zuweisung zusätzlicher Start- und Landerechte oft nur schwer oder gar nicht möglich. Das „Upgauging“ ermöglicht es Easyjet, mit der gleichen Anzahl an Slots deutlich mehr Passagiere zu befördern und somit die Marktposition an diesen Schlüsselstandorten zu festigen und auszubauen.
Operative Vorteile und Marktposition
Neben den direkten Kostenvorteilen durch niedrigere Stückkosten pro Sitzplatz, bringt die Verjüngung der Flotte weitere operative Vorteile mit sich. Neuere Flugzeuge der Neo-Generation weisen in der Regel eine höhere technische Zuverlässigkeit auf, was zu weniger ungeplanten Wartungsereignissen und einer besseren Abflugpünktlichkeit (Dispatch Reliability) führt. Für einen Billigflieger, der auf eine hohe Auslastung und schnelle Umlaufzeiten setzt, sind dies entscheidende Faktoren.
Darüber hinaus profitiert Easyjet von der hohen Austauschbarkeit und dem gemeinsamen Cockpit-Konzept (Commonality) innerhalb der gesamten Airbus A320-Familie. Dies hält die Kosten für Pilotenschulungen, Wartung und Ersatzteilhaltung über die verschiedenen Typen A319, A320 und A321 hinweg niedrig, was die operative Effizienz weiter steigert. Die massive Investition in die Flottenerneuerung unterstreicht somit Easyjets Plan, nicht nur die Flotte zu modernisieren, sondern auch ihre Marktführerschaft auf den wichtigsten europäischen Strecken zu sichern und das Kapazitätswachstum durch wirtschaftlich optimierte Flugzeugtypen zu gewährleisten.