Die ägyptische Fluggesellschaft Egyptair steht vor einem signifikanten Flottenumbruch, der ihre Position im internationalen Langstreckenverkehr neu definieren soll. Das Unternehmen erwartet in den kommenden Wochen die Auslieferung der ersten Einheiten des Großraumflugzeugs Airbus A350-900.
Bis Ende 2026 plant Egyptair, bis zu acht dieser Maschinen in Betrieb zu nehmen. Diese neuen Flugzeuge sind nicht nur für die Vergrößerung des bestehenden Streckennetzes von entscheidender Bedeutung, sondern dienen auch dem schrittweisen Ersatz der aktuellen Flotte von Boeing 777-300ER. Mit dem A350-900, einem modernen Langstrecken-Widebody-Jet, strebt die Airline vor allem eine Expansion ihrer Verbindungen in die Vereinigten Staaten an.
Kapitän Ahmed Adel, Vorstandsvorsitzender und CEO von Egyptair, unterstrich die Ambitionen der Fluggesellschaft auf dem Weltreisemarkt und hob die Bedeutung des A350 hervor. Er äußerte sich begeistert über die neuen Flugzeuge und die Pläne, in viele Märkte zu expandieren, insbesondere in die USA, die als ein sehr wichtiger Markt für Egyptair gelten.
Strategische Expansion in die Vereinigten Staaten
Die Einführung des Airbus A350-900 steht im Mittelpunkt der Strategie von Egyptair, ihre nordamerikanische Präsenz zu stärken. Die Fluggesellschaft plant, neue Routen in die Vereinigten Staaten zu eröffnen, wobei die Städte Los Angeles (LAX) und Chicago in Betracht gezogen werden. Die Aufnahme dieser Ultra-Langstreckenverbindungen soll erfolgen, sobald eine „wirtschaftlich tragfähige Anzahl“ von A350-900 in der Flotte verfügbar ist.
Die A350-900 wird als technologisches Wunderwerk und aufgrund ihrer erwiesenen hohen Zuverlässigkeit bei anderen Fluggesellschaften als ideal für die Expansion in diese Märkte angesehen. Die wirtschaftlichen Vorteile des Flugzeugs waren ein entscheidender Faktor für die Kaufentscheidung. Bessere Betriebskosten ermöglichen es der Airline, Strecken und Destinationen zu bedienen, die zuvor möglicherweise nicht wirtschaftlich betrieben werden konnten. Dies bezieht sich wahrscheinlich auf den geringeren Treibstoffverbrauch pro Sitzplatz, niedrigere Wartungskosten und die große Reichweite, die es ermöglicht, Kairo Nonstop mit der Westküste der USA zu verbinden.
Aktuell bedient Egyptair Nordamerika über ihr Drehkreuz Kairo mit Nonstop-Verbindungen nach Toronto (Kanada) sowie nach New York-Newark Liberty, New York-JFK und Washington-Dulles in den Vereinigten Staaten. Auf diesen Routen ist Egyptair der einzige Anbieter von Direktflügen zwischen Kairo und Nordamerika. Die A350-900 soll nicht nur die neuen Routen ermöglichen, sondern auch die Frequenzen auf den bestehenden nordamerikanischen Verbindungen erhöhen.
Der A350-900: Flottenauftrag und technische Details
Derzeit umfasst der Bestellbestand von Egyptair insgesamt 16 Airbus A350-900. Dieser Auftrag wurde durch eine Bestellung von sechs zusätzlichen Einheiten im Juni 2025 aufgestockt, die auf einer ursprünglichen Bestellung von zehn A350-900 aus dem Jahr 2023 basierte. Diese Investition spiegelt das Engagement des Unternehmens wider, Flugzeuge der nächsten Generation in seine Flotte zu integrieren und die steigende Nachfrage im Langstreckenverkehr zu bedienen.
Der A350-900 gehört zur Klasse der Ultra-Langstrecken-Großraumflugzeuge. Obwohl Airbus angibt, der A350 könne bis zu 9.700 nautische Meilen nonstop fliegen, bezieht sich diese Reichweite auf die spezielle ULR-Version (Ultra Long Range), die primär von Singapore Airlines betrieben wird. Der Standard-A350-900, den Egyptair voraussichtlich erhält, verfügt über eine Reichweite von bis zu 8.500 nautischen Meilen (rund 15.740 Kilometer), was für die geplanten Routen nach LAX und Chicago ausreichend ist.
Der A350-900 wird exklusiv von Triebwerken des Typs Rolls-Royce Trent XWB angetrieben, genauer gesagt der Trent XWB-84-Variante. Rolls-Royce bezeichnet dieses Triebwerk als das führende Widebody-Triebwerk am Markt. Die neueste Version des XWB-84 EP verspricht eine zusätzliche Kraftstoffeinsparung von einem Prozent.
In der Kabine bietet der A350 standardmäßig Platz für neun Passagiere pro Reihe, kann aber auch eine Zehnerbestuhlung aufnehmen. Eine neue Produktionsnorm sorgt für vier Zoll mehr Innenraum, was die Zehnerbestuhlung für einige Fluggesellschaften attraktiver macht.
Flottenumbruch und Ersatz der Boeing 777-300ER
Die Einführung des A350-900 läutet das Ende der Ära der Boeing 777-300ER in der Egyptair-Flotte ein. Derzeit betreibt die Fluggesellschaft eine Flotte von 67 Flugzeugen, darunter fünf Boeing 777-300ER, die ein Durchschnittsalter von etwa 15 Jahren aufweisen. Aufgrund von Verzögerungen bei den Flugzeugauslieferungen hatte Egyptair die Leasingverträge für diese fünf 777-300ER um 18 Monate verlängert. Die Ausmusterung dieser Maschinen wird nun voraussichtlich im November 2026 beginnen, zeitgleich mit der geplanten vollständigen Integration von sieben bis acht A350s in die Flotte.
Mit der Ankunft des A350-900 wird Egyptair eine Flotte von modernen Mid-Sized-Widebody-Flugzeugen unterhalten, zu der bereits acht Boeing 787 Dreamliner gehören. Die A350-900 und die 787-9 sind die beiden meistverkauften Großraumflugzeuge ihrer Klasse. Die gleichzeitige Nutzung beider Muster bietet der Airline Flexibilität und eine starke Positionierung auf Langstrecken, insbesondere auf dünneren Ultra-Langstreckenrouten, die nicht die riesigen Kapazitäten von Flugzeugen wie der Boeing 777X oder der eingestellten Airbus A380 erfordern.
Neben der Erneuerung der Langstreckenflotte treibt Egyptair auch die Modernisierung ihrer Schmalrumpf-Flotte voran. Die 30 Boeing 737-800 der Vorgängergeneration sollen durch 18 moderne Boeing 737 MAX 8 ergänzt werden, deren erste Auslieferung für 2025 erwartet wird.
Egyptairs Position im regionalen Wettbewerb
Egyptair operiert von ihrem Drehkreuz Kairo aus zu rund 80 Zielen in Afrika, Europa, Asien und Nordamerika. Im Vergleich zu den Luftfahrtgiganten der Golfregion wie Qatar Airways, Turkish Airlines und Emirates ist Egyptair ein vergleichsweise kleinerer Akteur im Langstreckengeschäft. Trotzdem spielt die Airline eine einzigartige Rolle, da sie die einzige Verbindung zwischen Kairo und Nordamerika darstellt.
Die Entscheidung für den A350-900, anstatt auf größere Modelle wie die Boeing 777X zu setzen (die größte Variante der kommenden Generation), spiegelt eine konservativere, aber strategisch kluge Wahl wider, die auf die Bedienung von direkten Punkt-zu-Punkt-Verbindungen und die optimale Auslastung von Routen mit mittlerer Nachfrage ausgerichtet ist. Die Strategie des Mid-Sized-Widebody, die auch viele US-Fluggesellschaften (die ebenfalls keine extra großen Widebodies wie die 777X bestellt haben) verfolgen, ermöglicht es Egyptair, effizient zu wachsen. Die Expansion in die USA, die durch die Modernisierung ermöglicht wird, ist entscheidend, um den Tourismus nach Ägypten zu fördern und die Marktposition der Airline zu festigen.