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Ehemalige Adria Airways Manager zahlen 450.000 Euro an Konkursmasse

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Zwei ehemalige Führungskräfte der insolventen slowenischen Fluggesellschaft Adria Airways (Ljubljana) haben eine signifikante Entschädigungszahlung in Höhe von 450.000 Euro (rund 523.500 US-Dollar) an die Konkursmasse des Unternehmens geleistet. Die Zahlung von Arno Schuster und Holger Kowarsch ist das Ergebnis eines zuvor geschlossenen gerichtlichen Vergleichs und soll primär dazu dienen, die ausstehenden Forderungen der ehemaligen Mitarbeiter von Adria Airways zu begleichen. Diese Mittelzufuhr gilt als wichtiger Schritt zur Beschleunigung und zum Abschluss des im Jahr 2019 eingeleiteten Insolvenzverfahrens. Die ursprüngliche Klage gegen die ehemaligen Manager hatte einen deutlich höheren Streitwert von 78 Millionen Euro (etwa 90,7 Millionen US-Dollar).

Der Vergleich stellt einen Teilerfolg für die Gläubiger dar, insbesondere für die vom Konkurs direkt betroffenen ehemaligen Beschäftigten der slowenischen Nationalairline. Die Insolvenz von Adria Airways, die im September 2019 den Betrieb einstellte, hatte nicht nur eine tiefe Lücke im slowenischen Luftverkehrsnetz hinterlassen, sondern auch zahlreiche Arbeitsplätze vernichtet. Die nun erfolgte Zahlung der ehemaligen Manager ist ein konkreter Beitrag zur Milderung der finanziellen Verluste der Belegschaft.

Der Zusammenbruch und das 78-Millionen-Euro-Verfahren

Adria Airways, die slowenische Fluggesellschaft mit langer Tradition, stellte am 30. September 2019 nach anhaltenden finanziellen Schwierigkeiten und dem Entzug der Betriebsgenehmigung durch die slowenische Zivilluftfahrtbehörde den Flugbetrieb ein. Die Airline war seit 2016 mehrheitlich im Besitz des luxemburgischen Investmentfonds 4K Invest, der die Fluggesellschaft zuvor von der slowenischen Regierung erworben hatte.

Der Konkurs von Adria Airways warf schnell Fragen über die Verantwortlichkeiten für die massive finanzielle Schieflage auf. Die Unternehmensleitung in den Jahren vor der Insolvenz stand im Fokus der Untersuchungen. Die in der Folge eingereichte Schadenersatzklage gegen die ehemaligen Führungskräfte Arno Schuster und Holger Kowarsch spiegelte das Ausmaß der Verluste wider, die Gläubiger und Mitarbeiter erlitten hatten. Der ursprüngliche Streitwert der Klage belief sich auf 78 Millionen Euro.

Holger Kowarsch war von 2017 bis 2019 Geschäftsführer von Adria Airways und in dieser Zeit für die Restrukturierungsversuche des Unternehmens verantwortlich. Arno Schuster war ebenfalls in einer leitenden Funktion tätig. Die Klage zielte darauf ab, festzustellen, ob die Manager ihren Pflichten zur rechtzeitigen Stellung eines Insolvenzantrags und zur ordnungsgemäßen Geschäftsführung nachgekommen waren. Solche Verfahren sind in Insolvenzfällen von großer Komplexität und können sich über Jahre hinziehen.

Die Bedeutung des gerichtlichen Vergleichs

Die Zahlung von 450.000 Euro an die Konkursmasse ist das Ergebnis eines außergerichtlichen oder gerichtlichen Vergleichs. Ein Vergleich, insbesondere in Fällen mit hohem Streitwert und komplexen Haftungsfragen, bietet allen Beteiligten Vorteile:

  • Beschleunigung des Verfahrens: Ein Vergleich beendet den langwierigen und kostspieligen Rechtsstreit gegen die Manager sofort. Das ursprüngliche Gerichtsverfahren hätte sich voraussichtlich noch über Jahre hingezogen.
  • Sicherheit für die Konkursmasse: Die Konkursmasse erhält einen garantierten Geldbetrag. Im Falle einer fortgesetzten Klage wäre das Ergebnis ungewiss gewesen, und es hätte das Risiko bestanden, dass die Klage vollständig abgewiesen wird oder die Durchsetzung des Urteils erschwert gewesen wäre.
  • Fokus auf Gläubigerbefriedigung: Die nun verfügbaren Mittel können unmittelbar zur Befriedigung der Gläubigeransprüche verwendet werden, was den Abschluss des gesamten Insolvenzverfahrens beschleunigt.

Der gezahlte Betrag von 450.000 Euro ist zwar erheblich geringer als der ursprüngliche Klagebetrag von 78 Millionen Euro, stellt aber einen festen und sofort verfügbaren Betrag dar.

Entschädigung für ehemalige Mitarbeiter

Die wichtigste und unmittelbarste Folge der Zahlung ist die Verwendung der Mittel zur Begleichung der Ansprüche der ehemaligen Mitarbeiter. Angestellte von insolventen Unternehmen haben oft Schwierigkeiten, ausstehende Löhne, Gehälter und Abfindungen vollständig oder zeitnah zu erhalten.

Die Bevorzugung der ehemaligen Angestellten ist in solchen Verfahren üblich, da Lohn- und Gehaltsforderungen in der Regel zu den privilegierten Forderungen gehören oder durch spezielle staatliche Sicherungseinrichtungen abgedeckt werden müssen. Die zusätzliche Liquidität in der Konkursmasse, bereitgestellt durch die ehemaligen Manager, dient dazu, diese ausstehenden Forderungen schneller und möglicherweise in einem höheren Umfang zu erfüllen. Die Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter hatten sich seit der Insolvenz für die schnellstmögliche und bestmögliche Entschädigung der Belegschaft eingesetzt.

Die Folgen der Adria-Insolvenz für Slowenien

Die Pleite von Adria Airways hatte tiefgreifende Auswirkungen auf den slowenischen Luftverkehrsmarkt und die Konnektivität des Landes. Als einziger signifikanter Akteur am Flughafen Ljubljana (LJU) sicherte Adria Airways die Anbindung Sloweniens an zahlreiche europäische Hauptstädte.

Der Zusammenbruch führte zu einer sofortigen Reduktion des Flugangebots und zwang Slowenien dazu, rasch nach Alternativen zu suchen. Zahlreiche europäische Fluggesellschaften wie Lufthansa, Air France, Turkish Airlines und andere übernahmen schnell die wichtigsten Strecken, um die Lücke zu füllen. Dennoch war die Frequenz und die direkte Konnektivität, insbesondere zu kleineren europäischen Drehkreuzen, zunächst stark beeinträchtigt.

Trotz der Diskussionen über die Gründung eines neuen slowenischen Flag-Carriers wurde dieser Plan nicht umgesetzt. Stattdessen setzten die slowenischen Behörden auf die Stärkung des Flughafens Ljubljana durch Anreize für ausländische Fluggesellschaften. Die nun beschleunigte Abwicklung der Adria-Insolvenz ist ein finales Kapitel in der Geschichte der einstigen slowenischen Nationalairline.

Die Zahlung der ehemaligen Manager ist ein wichtiger formeller Schritt zur Beendigung des Konkursverfahrens und zur Milderung der finanziellen Auswirkungen auf die Belegschaft. Der Abschluss des Verfahrens wird Klarheit über die endgültige Befriedigungsquote aller Gläubiger bringen und einen Schlussstrich unter die unglückliche Ära der Adria Airways ziehen.

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